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Das Gymnasium in Bayern

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Das Gymnasium in Bayern

Das bayerische Gymnasium baut auf einer langen und erfolgreichen Bildungstradition auf. Es ist bis heute eine Schulart mit starkem Zuspruch, weil gymnasiale Erziehung von einem Bildungsverständnis ausgeht, das über bloße Wissensvermittlung hinausreicht und im Sinne der Persönlichkeitsbildung den ganzen Menschen im Blick hat. Das Gymnasium ist dabei den obersten Bildungs- und Erziehungszielen verpflichtet, wie sie in der Bayerischen Verfassung Grund gelegt sind: „Die Schulen sollen nicht nur Wissen und Können vermitteln, sondern auch Herz und Charakter bilden. Oberste Bildungsziele sind Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor religiöser Überzeugung und vor der Würde des Menschen, Selbstbeherrschung, Verantwortungsgefühl und Verantwortungsfreudigkeit, Hilfsbereitschaft, Aufgeschlossenheit für alles Wahre, Gute und Schöne und Verantwortungsbewusstsein für Natur und Umwelt. Die Schüler sind im Geiste der Demokratie, in der Liebe zur bayerischen Heimat und zum deutschen Volk und im Sinne der Völkerversöhnung zu erziehen.“ (Art. 131 Abs. 1 mit 3) Wer ein Gymnasium erfolgreich besucht, wird nicht nur gründlich auf Studium bzw. Beruf vorbereitet, sondern gewinnt auch kulturelle Identität und erfährt eine Werteerziehung, die ihn seiner selbst sicher macht und ihn zur gesicherten Urteilsbildung befähigt. In diesem Sinn bildet das Gymnasium junge Menschen zu Persönlichkeiten heran, die über eine breite Wissensbasis sowie die Fähigkeit zum Transfer verfügen, die Sozialkompetenz und Urteilssicherheit erworben haben, die den Anforderungen des Studiums ebenso gewachsen sind wie dem sich ständig wandelnden Profil herausgehobener beruflicher Tätigkeiten und die nicht zuletzt das kulturelle und ethische Fundament besitzen, das wesentlich zu einem erfüllten Leben beitragen kann. Das Gymnasium ist nach wie vor der Maxime Wilhelm von Humboldts verpflichtet: Der Mensch sucht „soviel Welt als möglich zu ergreifen und so eng, als er nur kann, mit sich zu verbinden.“ Gerade deshalb ist es auch in fachlicher wie in methodischer Hinsicht neuen Anforderungen gegenüber aufgeschlossen. Denn das war immer die Stärke des Gymnasiums, Tradition und Fortschritt zu verbinden.

1.1

Profil und Anspruch des bayerischen Gymnasiums

(1) Das bayerische Gymnasium umfasst in der Regel die Jahrgangsstufen 5 – 12. Es baut auf der Grundschule auf, schließt mit der Abiturprüfung ab und verleiht die allgemeine Hochschulreife. Neben einer umfassenden Allgemeinbildung vermittelt das Gymnasium Bildungsinhalte und Kompetenzen, die zu einem Hochschulstudium befähigen, aber auch die Voraussetzungen für eine anspruchsvolle Berufsausbildung außerhalb der Hochschule. Angeboten werden vier Ausbildungsrichtungen (sprachlich, naturwissenschaftlich-technologisch, wirtschafts- und sozialwissenschaftlich, musisch) sowie eine Vielzahl von Wahlfächern und Arbeitsgemeinschaften. Dadurch haben die Schüler die Möglichkeit, nach ihrer Neigung und Begabung Schwerpunkte zu setzen, ohne dass die damit verbundene Spezialisierung zu Lasten einer soliden Allgemeinbildung ginge. Insbesondere in den Intensivierungsstunden kann den individuellen Lernbedürfnissen der Schüler eine breite Palette attraktiver Angebote gemacht werden, die zur übergreifenden Persönlichkeitsentwicklung ebenso genutzt werden kann wie zur fachspezifischen Förderung.

Allgemeine Hochschulreife

(2) Das Gymnasium sieht seine Aufgabe darin, alle Schüler gezielt zu fördern, die sich aufgrund ihrer Begabung, ihrer Einsatzfreude, ihres Leistungsvermögens und ihrer Leistungsbereitschaft für ein Studium und für herausgehobene berufliche Aufgaben eignen.

Schülerpotential

Ausbildungsrichtungen

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Schüler des Gymnasiums sollen geistig besonders beweglich und phantasievoll sein, gern und schnell, zielstrebig und differenziert lernen sowie über ein gutes Gedächtnis verfügen. Sie müssen die Bereitschaft mitbringen, sich ausdauernd und unter verschiedenen Blickwinkeln mit Denk- und Gestaltungsaufgaben auseinanderzusetzen und dabei zunehmend die Fähigkeit zu Abstraktion und flexiblem Denken, zu eigenständiger Problemlösung und zur zielgerichteten Zusammenarbeit in der Gruppe entwickeln. Vertieftes Grundlagenwissen

(3) Gymnasialbildung schult die Fähigkeit zur Abstraktion und Theoriebildung in besonderem Maß. Analyse und Reflexion sind unerlässlich für die eigene Orientierung und für die Fähigkeit, Gelerntes in neue Zusammenhänge zu übertragen. Sie fördern überdies die Neugier auf Unbekanntes und die Einsicht in die Notwendigkeit lebenslangen Lernens.

Wertorientierung

(4) Der gymnasiale Unterricht vermittelt nicht nur Kenntnisse und Fertigkeiten, sondern begleitet die Schüler auch bei ihrer Suche nach Sinn und Orientierung; dazu gehört auch die Wahrnehmung der religiösen Dimension des menschlichen Lebens. Durch die Begegnung mit der europäischen Kultur, die in der griechisch-römischen Antike und in der jüdischchristlichen Tradition ihre Wurzeln hat, aber auch durch Kontakte mit dem arabischen Kulturraum befruchtet wurde, entwickeln die Schüler ebenso wie durch die Auseinandersetzung mit aktuellen Fragen Maßstäbe, mit deren Hilfe sie ihr Leben selbstbewusst und urteilssicher meistern können. Die ästhetische Bildung, die das Gymnasium vermittelt, ermöglicht es den Heranwachsenden, durch differenziertes Wahrnehmen, Erleben und Gestalten Zugänge zu künstlerischen Leistungen zu entwickeln, die das Leben und die eigene Persönlichkeit bereichern. Sie hilft den jungen Menschen auch, sich der Bedeutung von Stil und Form für die persönliche Lebensgestaltung bewusst zu werden.

Ästhetische Bildung

Verantwortung

(5) Ein wichtiger Bestandteil gymnasialer Bildung ist das Anliegen, den Kindern und Jugendlichen ihre Verantwortung für sich selbst und für andere bewusst zu machen. Die Schüler sollen die Bedeutung angemessener Verhaltensweisen gegenüber ihren Mitmenschen erfahren und dabei auch die Achtung, den Respekt und die Rücksichtnahme lernen, die im Zusammenleben von Menschen erforderlich sind. Sie werden damit auf ihre spätere Rolle als verantwortungsbewusste Bürger in einer von Individualisierung und Wettbewerb bestimmten Gesellschaft vorbereitet.

Persönlichkeitsentwicklung

(6) Der Schüler, der ein Gymnasium besucht, erfährt somit eine ganzheitliche Bildung. Das Gymnasium vermittelt ihm ein breites kulturelles, ethisch-religiöses und ökonomisches Wissens- und Wertefundament und macht ihm ästhetische Maßstäbe bewusst. Gleichzeitig bleibt die Förderung personaler Kompetenzen wesentlicher Auftrag gymnasialer Bildung. Als lebensbejahende und weltoffene Persönlichkeiten sollen Schüler, die ein Gymnasium besuchen, dazu befähigt werden, später den Beitrag zu leisten, den Staat und Gesellschaft von ihnen erwarten dürfen.

1.2

Unterricht und Lebensbezug

Fächerkanon

(1) Im Gymnasium wird den Schülern die Welt inhaltlich wie methodisch aus der Perspektive unterschiedlicher Fächer erschlossen. Gleichzeitig aber verfolgen fächerübergreifende Bildungsund Erziehungsaufgaben einen ganzheitlichen Ansatz: Im Unterricht und in außerunterrichtlichen Veranstaltungen lernen und arbeiten die Schüler immer wieder auch interdisziplinär.

Unterrichtsqualität

(2) Im Unterricht werden die Kernbereiche der jeweiligen Fächer mit ihren unterschiedlichen Erkenntnisansätzen anschaulich und fundiert vermittelt. Die Lehrkräfte gestalten,

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auch im Hinblick auf den Anwendungsbezug, die Lernsituationen methodisch vielfältig und der Komplexität der Lerngegenstände angemessen. Dabei behalten die Lehrkräfte stets den Bezug zur Lebenswirklichkeit der Schüler im Auge, um Gelerntes auch erfahrbar zu machen. Sie fördern damit die Lernmotivation der Schüler und helfen ihnen, sich Wissen zunehmend eigenständig zu erschließen und damit verbundene Fertigkeiten nachhaltig anzueignen. Die Schüler erhalten im Unterricht immer wieder die Möglichkeit, die Effizienz ihres individuellen und gruppenorientierten Lernverhaltens zu erfahren sowie kritisch zu überprüfen. Bei der Aneignung erfolgreicher Lernstrategien werden sie von den Lehrkräften beraten und unterstützt. (3) Schüler des Gymnasiums sollen über ein nachhaltiges Grundwissen verfügen sowie Methoden und Strategien des eigenständigen Wissenserwerbs anwenden können. Darüber hinaus sollen sie üben, ihr Gedächtnis auszubilden, da die Bewältigung neuartiger Aufgabenstellungen ohne den schnellen und präzisen Zugriff auf ein möglichst großes Feld spezifischer Kenntnisse und modellhafter Vorstellungen nicht denkbar ist. Die Bedeutung des Grundwissens für ein erfolgreiches Arbeiten erschließt sich den Schülern am besten durch seine Anwendung in immer neuen Zusammenhängen. Der Anwendungsbezug gymnasialer Lerninhalte ist Kern und Voraussetzung für nachhaltiges Lernen. Zur Festigung des Gelernten sind zudem permanentes, variantenreiches Üben und Wiederholen unerlässlich. Leistungserhebungen sollen den nachhaltigen Erwerb des Grundwissens immer wieder einfordern. Das Grundwissen ist in den Jahrgangsstufenlehrplänen der Unter- und Mittelstufe der Fächer farbig ausgewiesen.

Grundwissen

(4) Schüler lernen erfolgreicher, wenn sie an der Gestaltung des Unterrichts mitwirken können und dabei erleben, dass sie als eigenständige Persönlichkeiten mit differenzierten und für die gemeinsame Arbeit wertvollen Leistungspotentialen ernst genommen werden. Diese Potentiale müssen von den Lehrenden erkannt und gezielt gefördert werden. Die Lehrpläne bieten hierzu zahlreiche Gelegenheiten. Schülerbeteiligung bewirkt nicht nur mehr Interesse am Unterricht und am Schulleben, sondern sie vermittelt auch Gemeinschaftsgeist und gegenseitige Rücksichtnahme in der Klasse.

Mitgestaltung

(5) Durch soziale Lernformen, z. B. die Gruppen- oder Projektarbeit, lernen die Jugendlichen die Bedingungen und Vorzüge von Teamarbeit kennen; die Fähigkeit dazu ist heute in Studium und Beruf unerlässlich. Die Schüler erkennen, dass die zielgerichtete Zusammenarbeit in der Gruppe Selbständigkeit, Eigeninitiative und die Fähigkeit voraussetzt, sich mit den Vorstellungen anderer auseinanderzusetzen und abzustimmen.

Soziale Lernformen

1.3

Fächerübergreifendes Lernen und überfachliche Kompetenzen

(1) Der Bildungs- und Erziehungsauftrag des Gymnasiums fordert, dass die jungen Menschen lernen, auch komplexere Sachverhalte zu erkennen und mit ihnen umzugehen. Dies gilt ebenso für Problemstellungen, die nicht allein im Rahmen eines einzelnen Faches erschlossen werden können.

Komplexe Sachverhalte

(2) Die Schüler sollen sich daher während ihrer gymnasialen Laufbahn mit fächerübergreifenden Themen auseinandersetzen, innerhalb der Klasse oder Jahrgangsstufe (z. B. bei einem Studientag) oder auch bei Veranstaltungen der ganzen Schule (z. B. bei einem Projekttag). Vorschläge zur unterrichtlichen Behandlung fächerübergreifender Themen im Unterricht finden sich in den Lehrplänen der einzelnen Jahrgangsstufen. Deren Umsetzung

Fächerübergreifende Themen

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erfordert Kooperationsbereitschaft und organisierte Zusammenarbeit der Lehrkräfte sowie präzise Absprachen innerhalb der Schulen. (3) Die Themenvorschläge in den Jahrgangsstufenlehrplänen lassen sich folgenden Bereichen zuordnen1: Ästhetik, Bayern/Deutschland, Beruf, Deutsche Sprache, Eine Welt, Europa, Familie, Freizeit, Frieden, Gemeinschaft, Gesundheit, Interkulturelles Verstehen und Handeln, Lebensentwurf, Medien, Menschenwürde/-rechte, Ökonomie, Politik, Sexualität, Technik, Umwelt, Verkehr, Werte – Weltanschauung – Religion. Kooperative Arbeitsfelder

(4) Von großer Bedeutung ist, dass die Schulen im Hinblick auf methodische Fertigkeiten, die in verschiedenen Fächern zum Einsatz kommen, Konzepte für den Erwerb und die arbeitsteilige Vertiefung dieser Fertigkeiten entwerfen und umsetzen. Zu nennen sind insbesondere die Arbeitsfelder „Recherche, Analyse und Aufbereitung von Informationen“, „Einsatz moderner Medien und Informationstechnologien“ sowie „Präsentation und Dokumentation“. Festzulegen ist, welche Aufgaben das jeweilige Leitfach und die zugeordneten Fächer übernehmen und in welchen Jahrgangsstufen welche Inhalte vermittelt und vertieft werden sollen. Eine systematische Zusammenarbeit der Fachschaften in diesen Bereichen bildet die Grundlage für inhaltliche Kooperationen. Gleichzeitig stärkt sie auch bei den Schülern das Bewusstsein, dass es im Gymnasium nicht um die Vermittlung jeweils isolierten Fachwissens geht, sondern um ganzheitliche, von den verschiedenen Fächern unter gleichen Zielen getragene ganzheitliche Bildungsarbeit.

Überfachliche Kompetenzen

(5) Unerlässlich für die Schüler des Gymnasiums ist der Erwerb überfachlicher Kompetenzen. Zu diesen zählen vor allem Selbstkompetenz (z. B. Leistungsbereitschaft, Ausdauer, Konzentrationsfähigkeit, Verantwortungsbereitschaft, Zeiteinteilung, Selbstvertrauen), Sozialkompetenz (z. B. Kommunikationsfähigkeit, Teamfähigkeit, Konfliktfähigkeit, Toleranzbereitschaft, Gemeinschaftssinn, Hilfsbereitschaft), Sachkompetenz (z. B. Wissen, Urteilsfähigkeit) und Methodenkompetenz (z. B. Informationsbeschaffung, Präsentationstechniken, fachspezifische Arbeitsmethoden). Die Einübung und langfristige Aneignung dieser Kompetenzen tragen sowohl zur Verbesserung der Arbeitsqualität als auch wesentlich zur Formung einer gefestigten Persönlichkeit bei.

1.4 Schulleitung und schulische Gremien

Aufgaben und Möglichkeiten der Mitglieder der Schulgemeinschaft

(1) Die Schulleitung prägt in entscheidendem Maß den Charakter, das soziale Klima und die Leistungsmaßstäbe der Schule. Sie ist für die ständige und umfassende Qualitätsentwicklung am Gymnasium verantwortlich. Dabei stehen ihr alle Lehrkräfte, aber auch Gremien wie Personalrat, Elternbeirat und Schülermitverantwortung zur Seite. Das Schulforum trägt dabei zum Konsens über erforderliche Maßnahmen zur Schaffung einer stabilen Lernumgebung und zur Weiterentwicklung der Schule bei. Aufgabe der Schulleitung ist es außerdem, Kontakte des Gymnasiums mit außerschulischen Partnern wie Kommune, Kirchen und Religionsgemeinschaften, Hochschule und Wirtschaft sowie freien Verbänden und sozialen Gruppen zu initiieren und zu pflegen.

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In der Internetfassung wird durch Klicken auf die entsprechenden Themen angezeigt, in welchen Jahrgangsstufen bzw. Fächern eine Beschäftigung mit den Themen stattfindet. Dort finden sich auch die Richtlinien, die zu einzelnen der Themen erlassen wurden.

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(2) Die Erziehungsberechtigten bilden zusammen mit den Lehrern und Schülern eine Erziehungs- und Leistungsgemeinschaft zum Wohle der Kinder und Jugendlichen. Aus ihrem verfassungsmäßigen Recht auf Erziehung ihrer Kinder leitet sich die Verpflichtung ab, die Schule bei der Erfüllung ihres Bildungsauftrags zu unterstützen und mit den Lehrkräften vertrauensvoll zusammenzuarbeiten. Die Eltern sind dazu aufgerufen, durch ihre Mitarbeit in der Schulgemeinschaft auch Verantwortung für die Arbeit der Schule als Ganzes zu übernehmen. Die Schule bietet dazu in vielen Gremien eine Fülle von Möglichkeiten.

Erziehungsberechtigte

(3) Aufgabe der Lehrkräfte ist es, wissenschaftlich fundierten, methodisch durchdachten und weitgehend an der Lebenswirklichkeit der Schüler orientierten Unterricht zu erteilen. Ihre Vorbildfunktion ist für die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder und Jugendlichen von großer Bedeutung. Die Lehrkräfte stimmen ihre Bildungs- und Erziehungsarbeit aufeinander ab und richten sie stets am Wohl der ihnen anvertrauten Kinder und Jugendlichen aus. Sie haben die Aufgabe, die Begabungspotentiale ihrer Schüler zu erkennen und gezielt zu fördern. Begabungsunterschiede sind zu akzeptieren und angemessen zu berücksichtigen. Intensivierungsstunden eigenen sich in besonderem Maße dazu. Lehrkräfte bemühen sich deshalb, ihre Schüler zu einer realistischen Einschätzung ihrer Stärken und Schwächen zu führen. Sie helfen ihnen, Fehler zu erkennen und Schwächen nach Möglichkeit auszugleichen. Wesentliche Aufgabe der Lehrkräfte muss es dabei sein, den Schülern auch Orientierung zu geben im Hinblick auf Studium und Beruf. Unterrichten und Erziehen umfassen somit neben der Vermittlung von Wissen und Können und der individuellen Förderung der Persönlichkeit auch Orientierungshilfen für die spätere berufliche Weiterbildung. Wichtige Erziehungsfragen und pädagogisch schwierige Situationen, wie sie bei einzelnen Schülern und in ganzen Klassen auftreten können, erfordern die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten. Auf die Integration behinderter Schüler ist dabei besonderes Augenmerk zu legen. Die Fachschaften sorgen unter der Leitung der Fachbetreuer dafür, dass der nachhaltige Erwerb, die kontinuierliche Wiederholung, Anwendung und Vertiefung des Grundwissens – auch bei den Leistungserhebungen – über die Jahre hinweg gewährleistet bleiben.

Lehrkräfte

(4) Alle Schüler sollen motiviert werden, die vielfältigen Lernangebote des Gymnasiums zu nutzen sowie ihren schulischen Pflichten nachzukommen. Ziel ist es, sie zu interessierten, aufgeschlossenen und leistungsbereiten jungen Menschen zu erziehen. Es gehört aber ebenso zum Erziehungsauftrag der Schule, die Schüler stets anzuhalten, die Leistungen der Lehrkräfte und ihrer Mitschüler anzuerkennen, ihre eigene Leistung kritisch zu reflektieren und zu erkennen, dass allen Rechten, die sie beanspruchen können, entsprechende Verantwortlichkeiten und Pflichten gegenüber Mitschülern, Lehrern und der Schulgemeinschaft insgesamt gegenüberstehen. Die Schüler sollen die Mitgestaltung des Schullebens als Chance zur Bereicherung des eigenen Lebens erfahren: in Konzerten, Theateraufführungen, Schulgottesdiensten, Ausstellungen, als Tutoren oder als Mitarbeiter der Schülerzeitung, durch Übernahme von Verantwortung in begrenzten Bereichen, durch Teilnahme an sportlichen Wettkämpfen, Wettbewerben, Veranstaltungen des Schüleraustauschs und bei Jubiläen oder sonstigen Festen des Gymnasiums. Die Schüler sollen engagiert alle Möglichkeiten zur Mitgestaltung des Schulalltags wahrnehmen, die ihnen im Rahmen der Schülermitverantwortung geboten werden. Der erfolgreiche Einsatz der Schüler im Unterricht, bei Hausaufgaben, Projekten und im Schulleben verdient Ermutigung und Honorierung – nicht nur durch Noten, sondern auch durch Preise und Anerkennungen, die von der Schulgemeinschaft festgelegt und verliehen werden.

Schüler

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Außerschulische Partner

(5) Die Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern ermöglicht es dem Gymnasium, den Schülern weitere Lern- und Lebenserfahrungen zu eröffnen, die ihre Flexibilität und Entdeckerfreude sowie ihren Unternehmergeist entwickeln helfen: Praktika in der Wirtschaft oder in sozialen und kirchlichen Einrichtungen, Betriebserkundungen, gemeinsame Veranstaltungen mit Hochschulen oder Auslandsaufenthalte fördern in besonderer Weise den Bezug zwischen Gelerntem und der Lebenswirklichkeit. Konkrete Einblicke ins Arbeitsleben geben den Schülern die Möglichkeit zur frühzeitigen beruflichen Orientierung. Die Erziehungsberechtigten können zur Herstellung der notwendigen Kontakte entscheidend beitragen. Außerschulische Partner können auch durch finanzielle Unterstützung wichtiger schulischer Anliegen einen wertvollen Beitrag zur Erfüllung des Bildungs- und Erziehungsauftrags des einzelnen Gymnasiums leisten.

1.5

Qualitätsentwicklung am Gymnasium

Überprüfbare Standards

(1) Jedes Gymnasium muss sich als lernende Organisation verstehen. Bei der ständigen und umfassenden Qualitätsentwicklung müssen die Erwartungen aller an der Schulgemeinschaft Beteiligten (Lehrkräfte, Schüler und Eltern), aber auch außerschulischer Partner immer wieder aktiv ermittelt und berücksichtigt werden. Die Ergebnisse der gymnasialen Arbeit, vor allem die Lernerfolge der Schüler sollen kontinuierlich beobachtet und mit den Erwartungen verglichen werden. Bei Bedarf werden geeignete Optimierungsmaßnahmen vereinbart und umgesetzt.

Vergleichbarkeit

(2) Der Lehrplan für das bayerische Gymnasium sichert gleichwertige Bildungschancen im ganzen Land und soll gleichzeitig unerwünschte Hindernisse für die berufliche Mobilität der Erziehungsberechtigten vermeiden.

Schulprofil

(3) In diesem Lehrplan wird bewusst auf kleinschrittige Vorgaben verzichtet. Schulleitungen, Lehrerkollegien und Fachschaften erhalten dadurch die Freiheit, aber auch die Aufgabe, Schwerpunktsetzungen im Rahmen ihrer Schulprogramme vorzunehmen und damit den gymnasialen Bildungs- und Erziehungsauftrag unter Berücksichtigung der berechtigten Erwartungen und Bedürfnisse der Schüler, der Erziehungsberechtigten und anderer an erfolgreicher gymnasialer Bildungs- und Erziehungsarbeit interessierter Gruppen dem eigenen Schulprofil entsprechend umzusetzen.

Evaluation

(4) Ziel bayerischer Bildungspolitik ist es, den Schulen künftig noch mehr Gestaltungsfreiheit zu geben und ihre Eigenverantwortung zu stärken. Die Einräumung erweiterter Entscheidungsspielräume setzt die Bereitschaft zur qualitätsorientierten Selbst- und Fremdevaluation zwingend voraus. Schulprofil, Schulprogramm und andere Vereinbarungen liefern schulinterne Richtgrößen. Zentrale Prüfungen und Tests, Erfolge bei den Begabtenprüfungen der Ministerialbeauftragten und das Abschneiden bei überregionalen Wettbewerben und die vergleichende Zusammenarbeit geben wichtige Hinweise darauf, inwieweit es einem Gymnasium gelingt, die Ziele dieses Lehrplans zu verwirklichen.

Fachprofile

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Katholische Religionslehre

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Katholische Religionslehre Selbstverständnis des Faches Im katholischen Religionsunterricht treten die jungen Menschen von ihren unterschiedlichen Lebenswelten her in reflektierten Dialog mit dem kirchlichen Glauben. Ausgehend von der christlichen Überlieferung erschließen die Schüler einen religiösen Zugang zur Wirklichkeit, der sich durch keine andere Dimension der Welterfahrung ersetzen lässt, und erarbeiten in diesem Horizont tragfähige Lebensperspektiven. Dabei werden sie mit den christlichen Wurzeln unserer abendländischen Kultur vertraut und lernen Grundlagen des modernen Europa verstehen. Verfassungsrechtlich als ordentliches Lehrfach verankert, verwirklicht der katholische Religionsunterricht einen kirchlichen Dienst im Bildungsangebot unserer offenen, vielstimmigen Gesellschaft. Gerade in seiner konfessionellen Gestalt fördert er am Lern- und Lebensort Schule gesprächsfähige Identität und Toleranz, die auf Überzeugungen beruht. Angesichts einer beschleunigten Individualisierung und Pluralisierung unterstützt der Religionsunterricht die Gymnasiasten darin, christliche Lebensorientierung in einer Situation zu finden, die von religiöser Vielfalt, unbestimmter Sehnsucht nach Transzendenz, aber auch von weltanschaulicher Beliebigkeit gekennzeichnet ist. Den gläubigen Schülern hilft er, ihr Christsein reflektierend zu verantworten und zu vertiefen; die suchenden oder dem Glauben bewusst fernstehenden jungen Menschen regt er an, sich mit christlichen Positionen auseinanderzusetzen und den eigenen Standpunkt zu überdenken. Bei denjenigen, die sich gleichgültig zeigen, weckt er zudem Gespür für die Lebensbedeutsamkeit religiösen Fragens. Ähnlich gilt dies alles für die ungetauften Schüler, die sich für dieses Fach entscheiden. Beitrag des Faches zur gymnasialen Bildung und Persönlichkeitsentwicklung Der katholische Religionsunterricht begleitet die jungen Menschen in ihrer Selbsterfahrung und Identitätsfindung, insbesondere unterstützt er ihre geistig-religiöse und soziale Entwicklung. Bei altersgemäßen Lernprozessen werden die Lebenserfahrungen der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in ihrer religiösen Signifikanz wahrgenommen, christliche Glaubensinhalte erschlossen, vertieft oder neu mit dem Lebenshintergrund verbunden. Die Schüler entdecken in der Ausrichtung auf das Absolute die Bedeutung persönlich verpflichtender Wahrheit. Der überlieferte Glaube tritt somit in eine vielschichtige Beziehung zur Gegenwart. Ausgehend von der bildenden Kraft des Evangeliums und der kirchlichen Verkündigung orientiert sich der katholische Religionsunterricht an religiösen Kompetenzen, die in verschiedenen Bereichen die Glaubensentwicklung junger Menschen fördern: • Die Schüler sind sensibilisiert für die Frage nach Gott, die Tiefendimensionen der Wirklichkeit und befähigt, religiöse Phänomene wahrzunehmen und zu beschreiben. • Sie können religiöse Sprache und Zeugnisse, Symbole und andere ästhetische Ausdrucksformen interpretieren und verstehen. • Sie sind in der Lage, religiöses Wissen geordnet darzustellen und religiös bedeutsame Ausdrucks- und Gestaltungsformen reflektiert zu gebrauchen. • Sie können wichtige Kriterien christlicher Sinndeutung und Wertorientierung anwenden und in religiösen wie in ethischen Fragen begründet urteilen. • Sie entwickeln im Kontext weltanschaulicher Pluralität christlich verantwortete Toleranz, sind fähig zur verständigen Begegnung mit anderen Religionen und zur Argumentation in einem konstruktiven Dialog. • Sie sind vertraut mit den Möglichkeiten religiös motivierter Lebensgestaltung sowie der Teilhabe am kirchlichen und gesellschaftlichen Leben. • Sie erschließen christliche Grundlagen der abendländischen Traditionen, befragen die heutige europäische Kultur in ihren spirituellen, aber auch säkularen Tendenzen und reflektieren Beiträge des Glaubens für die Entwicklung einer humanen Welt.

Reflektierter Glaubensdialog mit jungen Menschen und kulturelle Bildung

Christliche Orientierung in weltanschaulich vielgestaltiger Situation

Begleitung in der Lebens- und Glaubensgeschichte

Religiöse Kompetenzen

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Fachprofile

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Katholische Religionslehre

Fachübergreifende Kompetenzen

Ökumenische Kooperation und interreligiöse Begegnung

Fächerverbindendes Lernen und Orientierungswissen

Schulpastoral und außerschulische Lernorte

Übergreifende Lernbereiche und Zuordnung von Themenkreisen

Glauben und Leben ergänzen sich zu einer inneren Einheit. Religiöses Lernen steht im Bezug zu menschlichen Grundphänomenen sowie zu sozialen, politischen und kulturellen Entwicklungen. Somit werden im Religionsunterricht auch weitere Selbst-, Sozial-, Sachund Methodenkompetenzen ausgebildet: • Die Schüler begreifen im Horizont menschlicher Grunderfahrungen und Sinnorientierungen die eigene Biographie als Lebensaufgabe und gewinnen daraus Identität und vertiefte Lebensqualität. • Sie können altersspezifische Herausforderungen verantwortungsvoll und in Gemeinschaft mit anderen bewältigen. • Sie sind sensibilisiert für eine Kultur des Lebens, welche angesichts moderner Infragestellungen die unbedingte Würde des Menschen sichert. • Sie verfügen über kommunikative Fähigkeiten in einer Gesellschaft, die in weltweitem kulturellem und religiösem Austausch steht, und verstehen den Wert authentischer Erfahrung im Umgang mit modernen Kommunikationsmedien. • Sie treten für die Menschenrechte ein, die sie als konsensstiftende Basis in Gesellschaft, Staat und einer sich herausbildenden Weltgemeinschaft sehen. • Sie sind motiviert zum Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung. • Sie kennen den methodisch geleiteten Umgang mit Zeugnissen kultureller Traditionen und verwenden geeignete Formen der Interpretation und Präsentation. Zusammenarbeit mit anderen Fächern Der katholische Religionsunterricht ist von ökumenischem Geist getragen: Die Schüler erschließen die gemeinsame christliche Überlieferung, üben Dialogbereitschaft ein und werden zu einem Handeln befähigt, das über konfessionelle Grenzen hinausreicht. Besonders die Kooperationsthemen mit dem Fach Evangelische Religionslehre bieten gezielte Anregungen, in ausgewählten Themenkreisen bzw. einzelnen Teilaspekten ökumenische Zusammenarbeit erfahrbar zu machen. Zudem begleitet der Unterricht die Begegnung mit Menschen, die nichtchristlichen Religionen angehören und in wachsender Zahl in unserer Gesellschaft leben, und er trägt zusammen mit den anderen Fächern zur Ausbildung ethischer Grundhaltungen bei. Im schulischen Bildungsangebot ist Katholische Religionslehre ein integratives Fach, das zahlreiche Bezüge zu anderen Unterrichtsfächern aus dem sprachlichen, ästhetischen, gesellschaftlichen, aber auch dem naturwissenschaftlichen Bereich herstellen kann und in diesem Perspektivenwechsel selbst Bereicherung erfährt. Bei fächerverbindenden Unterrichtsvorhaben fördert der Religionsunterricht insbesondere das Verstehen größerer kultureller, weltanschaulicher und ethischer Zusammenhänge und vertieft damit das Orientierungswissen. Über den Unterricht im Klassenzimmer hinaus setzt Religionslehre unter Einbeziehung von Wirkungsfeldern der Schulpastoral spürbare Impulse, welche das Schulleben mitgestalten und die Schulkultur auszuprägen helfen. In Begegnungen, Projekten, Hospitationen und Exkursionen stellt das Fach Verbindungen zu außerschulischen Lernorten her und trägt z. B. durch Kontakte mit kulturellen, wirtschaftlichen, sozialen und vor allem kirchlichen Einrichtungen zur gesellschaftlichen Öffnung der Schule bei. Ziele und Inhalte Die religiösen und fachübergreifenden Kompetenzen konkretisieren sich in den wesentlichen Gegenstandsfeldern des katholischen Religionsunterrichts, die an den Lehrplan der Grundschule anknüpfen und sich als grundlegende Lernbereiche über alle Jahrgangsstufen erstrecken. Die einzelnen Themenkreise sind diesen Lernbereichen in unterschiedlicher Schwerpunktsetzung und Verknüpfung zugeordnet. So ergeben sich in thematischen Längsschnitten übergreifende Strukturen, die in wechselseitiger Erhellung und zunehmender Komplexität aufbauendes Lernen ermöglichen:

Fachprofile

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Katholische Religionslehre

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• Der Lernbereich Biblische Botschaft eröffnet einen situationsbezogenen Zugang zur Bibel, in deren Wort die Geschichte Gottes mit den Menschen gegenwärtig bleibt. • Der Lernbereich Christlicher Glaube und Weltdeutung erschließt kirchliche Glaubenslehre erfahrungsnah und in Lebenskontexten der Heranwachsenden. • Der Lernbereich Christliche Spiritualität weckt Offenheit für Ausdrucksformen, die in Gebet, Meditation, Gottesdienst und Sakramenten zum Geheimnis Gottes hinführen. • Der Lernbereich Christliche Ethik und Lebensbewältigung bildet ethische Urteilsfähigkeit aus und motiviert zur Ausrichtung an christlichen Wertvorstellungen. • Der Lernbereich Kirchengeschichte betrachtet Christsein unter sozialen und kulturellen Aspekten und überprüft in erinnerndem Lernen heutige Orientierungen. • Der Lernbereich Interreligiöses und interkulturelles Lernen leitet zur Wahrnehmung fremder Glaubens- und Lebenswelten in kritischer Toleranz an. Heute steht der Religionsunterricht verstärkt vor der Herausforderung, einen Zugang zu gelebten Glaubensformen und religiöser Praxis didaktisch zu erschließen. Deshalb sind einzelne Themenkreise mit einem kirchlichen Festkalender verbunden, der Verknüpfungen mit katholischer Festkultur und ihrer zeitlichen Rhythmisierung enthält (vgl. folgende Seite). Hauptfeste des liturgischen Jahres lassen sich als Teilaspekte angliedern und über die Schuljahre hinweg aus verschiedenen Perspektiven betrachten. Zudem kann eine ökumenische bzw. interreligiöse Öffnung erfolgen. Der Festkalender wird ergänzt mit Hinweisen zur Feier der Firmung, die geeignete Anbindungen an diejenigen Jahrgangsstufen ermöglichen, auf welche die (Erz-)Diözesen die Firmspendung festgelegt haben. Pädagogischer Ausgangspunkt für den Unterricht sind die Schüler in ihren Entwicklungsphasen: Aus den einzelnen Lernbereichen werden in lebensgeschichtlich angemessener Weise jene Unterrichtselemente thematisiert, welche die Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen in ihrer Erfahrungswelt und begrifflichen Unterscheidungsfähigkeit erfassen können. Sie werden dadurch in die Lage versetzt, die religiösen Inhalte verständig auf ihre Lebenssituation zu beziehen und auch die Begegnung mit zunächst fremden Glaubenserfahrungen als Anregung zu erleben. Der vielgestaltigen Unterrichtssituation entspricht eine Pluralität religionspädagogischer Perspektiven und Methoden, die von den jeweiligen Lernkontexten und Lerntypen her zu wählen sind. Insgesamt wird eine abwechslungsreiche Unterrichtsgestaltung angestrebt, welche die Selbsttätigkeit und das lebendige religiöse Fragen der jungen Menschen anregt, ihre Wahrnehmungs-, Urteils- und Ausdrucksfähigkeit fördert und meditative Phasen einbezieht. Die Unterstufe knüpft am anschaulichen und handlungsorientierten Unterricht der Grundschule an. Gemäß dem erhöhten Wahrnehmungs- und Deutungsvermögen der Jugendlichen kommen in der Mittelstufe problementfaltende und diskursive Arbeitsformen hinzu. Zur Vorbereitung auf Studium oder Beruf kennzeichnet die Oberstufe ein methodisch eigenständiges Erschließen und Präsentieren von Themen sowie eine zunehmend wissenschaftspropädeutische Zusammenschau, woraus sich ertragreiche Anknüpfungen für die Seminare ergeben. In aufbauendem Lernen und in altersgemäßer Weise eignen sich die Gymnasiasten diejenigen Kenntnisse, Fertigkeiten und Haltungen einer religiösen Grundbildung an, die sie darin unterstützt, den Glauben von seiner Mitte her zu verstehen und ihn in Wertschätzung zu leben. Solche Kernbereiche, zu deren Absicherung auch kirchliche Richtlinien für Bildungsstandards dienen, können über den Unterricht und die Schulzeit hinaus fortwirken und eine Grundlage für lebenslanges religiöses Lernen und mündiges Christsein bieten.

Kirchlicher Festkalender und Firmung

Lernen entlang der Biographie

Pluralität der Methoden und Selbsttätigkeit der Schüler

Religiöse Grundbildung

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Religionsunterricht und Lebenszeugnis Der Religionsunterricht gewinnt dadurch besonderes Profil, dass seine grundlegenden Inhalte letztlich im Glauben verwurzelt sind, ihre Aneignung an die überdachte Lebensentscheidung des Einzelnen gebunden ist und die Erfahrung der Glaubensgemeinschaft benötigt. Deshalb ist das persönliche Zeugnis der Lehrkräfte als Ansprechpartner und

Als Christen Rede und Antwort stehen

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„Brückenbauer“ von wesentlicher Bedeutung, darüber hinaus die aufgeschlossene Haltung der Eltern und die Unterstützung durch die Kirche. So stellt sich im schulischen Bereich und in seinen Beziehungsfeldern die immer wieder neue Herausforderung, die in den Worten der Bibel gründet: Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt... (1 Petr 3,15).

Kirchenjahr und Verknüpfung mit Themenkreisen

Kirchlicher Festkalender Am liturgischen Jahreskreis entlang ergeben sich Verbindungen zwischen einzelnen Themenkreisen und christlichen Festen. In den Jahrgangsstufen 5 und 6 ist die Einbeziehung von Weihnachten, Ostern und Pfingsten fest vorgesehen. Außer den angeführten Vorschlägen sind weitere Anknüpfungen möglich, so dass die jungen Menschen abwechslungsreich von christlicher Festkultur und Spiritualität erfahren. Weihnachtsfestkreis • (lokales) christliches Brauchtum, z. B. Allerheiligen, Advent, Weihnachten • Advent als Bußzeit: Selbstbesinnung; ggf. Hilfswerk Adveniat • Propheten im Advent: Jesaja (7,13f.; 11,1-3), Jeremia (23,5-8); Fasten als Chance der Besinnung auf das Wesentliche, Konsumkritik • Weihnachten: Messiaserwartung zur Zeit Jesu, z. B. Johannes der Täufer; Geburt Jesu in der Darstellung der Evangelien; christliche Festgestaltung • Erscheinung des Herrn: Weihnachten für die ganze Welt; Sternsingeraktion

K 5.4 K 6.2

Osterfestkreis • Fastenzeit: Leiderfahrung und Passion Christi in der Tradition (Kreuzweg, Passionsspiele, Karfreitagsliturgie); ggf. Hilfswerk Misereor • Ostern – Freude über die Auferstehung: Feier der Osternacht, Brauchtum • Ostern im Horizont von Pessach: Vergleich der Festinhalte und -gestaltung • Pfingsten als „Geburtstag“ der Kirche; Auftrag für weltweite Mission • Pfingsten: Geistsendung und Erneuerung; ggf. Hilfswerk Renovabis

K 6.4 K 6.4 K 9.2 K 6.5 K 8.4

Feste im Jahreskreis (sowie Heiligen- und Patronatsfeste) • Verkündigung des Herrn: Berufung Marias in den Dienst der Offenbarung • Dreifaltigkeitssonntag: Gott der Eine und Dreieine • Fronleichnam: Verehrung der Eucharistie, christusbezogene Frömmigkeit • Peter und Paul: zentrales Apostelfest der Kirche • Erntedankfest: Arbeit und Ernte als Geschenk des Schöpfers, Dank und Verantwortung als Grundhaltungen • Kirchweihfest: Pfarrei als Gemeinschaft und Heimat, lokale Traditionen • Sonntag der Weltmission: Vorstellung von Projekten des Hilfswerks Missio • Allerheiligen/Allerseelen: spirituelle Wurzeln, christliche Trauertraditionen • Christkönigsfest: Königtum Jesu als Korrektiv weltlicher Machtausübung • Kirchenpatrone: ihr Leben und Wirken; regionales und lokales Brauchtum

Firmung und Verknüpfung mit Themenkreisen

K 5.2 K 8.2 K 9.1

K 10.4 K 7.5 K 7.3 K 6.5 K 8.1 K 5.5 K 6.2 K 10.2 K 10.3 K 7.4

Feier der Firmung Während ihrer Gymnasialzeit empfangen die Schüler zumeist die Firmung als das „Sakrament der Mündigkeit“. Dabei kommt den (Erz-)Diözesen und den Heimatpfarreien herausragende Bedeutung zu. Zusammen mit der pfarrlichen Firmkatechese erschließt der Religionsunterricht biblische und sakramententheologische Grundlagen. Diese lassen sich altersgemäß an Themenkreise der Jahrgangsstufen 5 mit 8 anbinden. • Begeisterung für Jesus steckt an: Berufungsgeschichten, Geisterfahrung und Geistsendung als Ursprung der Kirche; Symbolik des Firmsakramentes: Besiegelung, Handauflegung, Salbung; jugendgemäße Mitfeier der Liturgie; Bewusstsein der Mitgliedschaft in der Kirche, Stärkung durch die lebendige Glaubensgemeinschaft (> K 5.4, K 6.5, K 7.3, K 8.4)

Fachprofile

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Evangelische Religionslehre

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Evangelische Religionslehre Das Selbstverständnis des Faches Der evangelische Religionsunterricht hat im Fächerkanon der Schule die Aufgabe, der Kommunikation der Schüler mit der christlichen Tradition in der gegenwärtigen Welt zu dienen. Mit dem Religionsunterricht nimmt die Kirche Bildungsverantwortung in der pluralen Gesellschaft am Ort der Schule wahr. Sie tut dies in konfessioneller Deutlichkeit und ökumenischer Offenheit. Der Religionsunterricht geschieht unter den Gegebenheiten und Bedingungen der Schule und wird von Kirche und Staat gemeinsam verantwortet. Aus dieser Aufgabe ergeben sich folgende Ziele: • Der Religionsunterricht informiert und orientiert über die christliche Tradition und ihre jüdischen Wurzeln, über die Kirche in Geschichte und Gegenwart, über Fragen der Ökumene und des interreligiösen Dialogs sowie über philosophische und außerchristliche Deutungen von Mensch und Welt. Er will den Schülern Wege zu einem lebensbezogenen Umgang mit der biblischen Überlieferung eröffnen. • Der Religionsunterricht bringt Fragen und Herausforderungen unserer Zeit zur Sprache; er will Schüler zur Auseinandersetzung mit christlichem Glauben und Handeln anregen und sie ermutigen, vom Evangelium her Perspektiven für die eigene Orientierung zu entwickeln. Bei den damit verbundenen Lernprozessen sind die religiöse Entwicklung und Sozialisation der Schüler zu beachten. • Der Religionsunterricht fördert die Selbständigkeit der Schüler; er will sie hinführen zu einem vor Gott verantwortlichen achtsamen Umgang mit Mensch und Welt. Er bietet den Schülern im Rahmen der schulischen Möglichkeiten Lebenshilfe und Begleitung an. Dazu gehört auch, im Leben der Schule Raum zu schaffen für Innehalten und Feiern, für Gebet und Gottesdienst. Der Religionsunterricht unterstützt von seinem christlichen Menschenbild her soziales und kommunikatives Lernen; er fördert Toleranz und Empathie. • Der Religionsunterricht bringt die biblische Botschaft nicht nur als historisch Gegebenes zur Sprache, sondern will zugleich offen sein für die persönliche Anrede Gottes an den Menschen. Er will Wege zum Glauben eröffnen und Schülern dabei helfen, ihren Ort in der Gemeinschaft der Christen zu bestimmen. Die Schüler sollen, auch im Umgang mit bedrückenden Lebenserfahrungen, zu einem Leben aus der Hoffnung des christlichen Glaubens ermutigt werden. Der Religionsunterricht ist heute geprägt von einer Vielfalt an Konzeptionen und Methoden. Seiner Aufgabe entspricht ein mehrdimensionales Lernen und Lehren. In der spannungsvollen Einheit von Wirklichkeitserfahrung und Glaubensauslegung begegnen sich im Unterricht Lernende und Lehrende als Personen mit einer je eigenen Geschichte. Dass der Religionsunterricht im Vertrauen auf Gott geschehen kann, schließt die Bejahung der menschlichen Grenzen allen Lehrens und Lernens ebenso ein wie die Möglichkeit, immer wieder neu anzufangen. Beitrag des Faches zur gymnasialen Bildung und Persönlichkeitsentwicklung Der evangelische Religionsunterricht erschließt jungen Menschen die religiöse Dimension der Wirklichkeit. Er begleitet die Schüler bei ihrer Sinnsuche, bei ihrem Fragen nach Gott und der Welt und hilft ihnen, religiös sprachfähig zu werden. Dabei bietet er kirchlich Beheimateten und Distanzierten gleichermaßen die Möglichkeit, mit der christlichen Tradition ins Gespräch zu kommen, unterschiedliche Glaubens- und Werthaltungen kennenzulernen und zu verstehen, ihre Grundlagen und ihre sinnstiftende Funktion zu reflektieren und so einen persönlichen Standort zu finden und zu vertreten. Die Grundlage des evangelischen Religionsunterrichts ist das biblische Verständnis von Gott, Mensch und Welt, wonach Gott jedem Menschen das Leben schenkt und ihn in seiner Einmaligkeit und Endlichkeit annimmt, ihn in der Geschichte begleitet, ihm

Gespräch mit der christlichen Tradition

Informieren und Orientieren

Fragen und Antworten

Lebenshilfe

Wege zum Glauben

Religiöse Dimension der Wirklichkeit

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Biblisches Verständnis von Gott, Mensch und Welt

20

Ev

Fachprofile

2

Evangelische Religionslehre

Begleitung beim Erwachsenwerden

Studierfähigkeit

Religiöse Kompetenzen

Freiheit und Hoffnung eröffnet, ihn an die Gemeinschaft verweist, zur Verantwortung in der Welt beruft und ihm durch Vergebung immer wieder neue Wege eröffnet. Neben der Botschaft von der Liebe und Barmherzigkeit Gottes müssen auch Erfahrungen des Bösen, der Abgründigkeit der Welt und der Verborgenheit Gottes zur Sprache gebracht werden, die sich menschlicher Erklärung entziehen. Unauflösbare Spannungen und offene Fragen gehören nach christlicher Vorstellung zum menschlichen Leben ebenso wie die Erfahrung des Scheiterns. Die jungen Menschen sollen ermutigt werden, diese Spannungen nicht auszublenden, sondern sie wahrzunehmen und mit ihnen umzugehen. Im evangelischen Religionsunterricht am Gymnasium werden die Schüler auf ihrem Weg von der Kindheit zum frühen Erwachsenenalter begleitet. Jede Person soll dabei als Kind Gottes gewürdigt werden, mit ihren individuellen Prägungen und Begabungen, ihren religiösen Vorstellungen und ihrer Suche nach verlässlicher Orientierung. Der Religionsunterricht trägt zur altersgemäßen persönlichen Entwicklung bei, indem er bei der Ablösung vom Kinderglauben und bei der Ausbildung von reflektierten, individuell entwickelten Gottesvorstellungen und Werthaltungen Hilfe anbietet und den Schülern dazu verhilft, sich in einer pluralen Gesellschaft zu orientieren. Die Frage nach Entwürfen für das eigene Leben kann im Seminarfach vertieft werden. In höheren Jahrgangsstufen unterstützt der Religionsunterricht ein zunehmend differenziertes, vertieftes und kritisches Verständnis unterschiedlicher Weltdeutungen. Er fordert zur multiperspektivischen Auseinandersetzung mit Antworten unterschiedlicher Disziplinen auf die großen Menschheitsfragen heraus. Er leistet wissenschaftspropädeutische Arbeit, indem er dazu anleitet, mit biblischen und anderen geistesgeschichtlich wichtigen Texten sachgemäß und methodisch reflektiert umzugehen und eigene Standpunkte argumentativ in einen Diskurs einzubringen; hier bieten sich vielfältige Anknüpfungsmöglichkeiten für das Seminarfach an. Im Religionsunterricht geht es darum, die religiösen Voraussetzungen zu vermitteln und zu stärken, die für die Mündigkeit der Schüler von Bedeutung sind. In folgenden Bereichen spielt religiöse Kompetenz eine wichtige Rolle: • im Bereich der persönlichen Lebensgeschichte Die Begegnung mit reflektierten Glaubensvorstellungen soll die Schüler anregen, sich im Kontext ihrer Lebensgeschichte mit den eigenen Lebensmöglichkeiten, Fähigkeiten und Grenzen auseinanderzusetzen und ein verantwortungsfähiges Selbst zu entwickeln. • im Bereich der religiösen Praxis Indem die Schüler unterschiedliche religiöse Ausdrucksformen und Rituale kennen lernen, können sie sich ihrer religiösen Prägungen bewusst werden und Erfahrungen mit Spiritualität machen. Zugleich sollen sie fähig werden, sich in der Vielfalt religiöser und religionsähnlicher Erscheinungen zurechtzufinden sowie solche Phänomene von einer christlichen Perspektive aus zu beurteilen und einen eigenen Standpunkt einzunehmen. • im kulturellen Bereich In der Begegnung mit den vielfältigen geschichtlichen Einflüssen des Evangeliums auf Kultur und Gesellschaft sowie in der Begegnung mit nichtchristlichen Religionen und Kulturen sollen die Heranwachsenden fähig werden, den Zusammenhang zwischen Religion und Kultur zu bedenken und so ihre Wahrnehmungs- und Urteilsfähigkeit zu schulen. • im sozialen und ethischen Bereich Ausgehend vom befreienden Charakter der christlichen Botschaft sollen die Schüler über Lebensformen und eine ethische Praxis, die dem Glauben gemäß sind, nachdenken. Dabei sollen sie die Bereitschaft entwickeln, Verantwortung für Einzelne wie für die Gemeinschaft zu übernehmen und sich für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung einzusetzen.

Fachprofile

Ev

Evangelische Religionslehre

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• im Bereich des Politischen Indem der evangelische Religionsunterricht den Blick der Schüler für Fragen sozialer und globaler Gerechtigkeit weitet und historische Zusammenhänge klärt, aber auch indem er die Auseinandersetzung mit anderen Weltanschauungen fördert, leistet er einen wesentlichen Beitrag zur politischen und interkulturellen Bildung. • im Bereich der Ästhetik Der Religionsunterricht vermittelt ästhetische Kompetenz, indem er die Jugendlichen zum genaueren und sensibleren Wahrnehmen anregt, indem er ihre Kreativität weckt und ihre ästhetische Urteilsfähigkeit stärkt. Dies kann geschehen im eigenen Gestalten sowie im Umgang mit vielfältigen religiösen Sprach- und Ausdrucksformen, z. B. in Architektur, Literatur, Musik, Bildender Kunst, Theater, Film und Medien. Zusammenarbeit mit anderen Fächern In besonderer Weise sieht sich das Fach Evangelische Religionslehre dem Fach Katholische Religionslehre verbunden. In den Jahrgangsstufen 5 mit 10 sind darum Themenbereiche ausgewiesen, die sich als ganze oder in einzelnen Teilen für eine Kooperation mit dem katholischen Religionsunterricht eignen. Im Erproben verschiedener Möglichkeiten der Kooperation können Gemeinsamkeiten entdeckt und unterschiedliche konfessionelle Zugänge und Entwicklungen bedacht werden. Dies dient einem besseren Verständnis der eigenen Konfession ebenso wie der Einübung ökumenischer Gesprächsfähigkeit. Auf Grund seiner dialogischen Offenheit ist der Religionsunterricht auf fächerübergreifendes Denken und Kooperieren angelegt. Seine Auseinandersetzung mit Kultur und Kulturen, mit nichtchristlichen Religionen und Weltanschauungen, mit naturwissenschaftlichen, politischen und sozialen Entwicklungen weisen ihn als ein in hohem Maße anknüpfungsfähiges Fach aus, das im Dialog mit anderen Fachgebieten einen eigenständigen Beitrag leistet. Mit seiner Orientierung an der christlichen Tradition bietet er einen Standpunkt an, von dem aus ein offenes Gespräch möglich wird bei der Suche nach der Wahrheit und dem richtigen Weg für den Einzelnen und die Gemeinschaft. Ziele und Inhalte Folgende Ziele und Inhalte bestimmen den evangelischen Religionsunterricht: • Annäherung an ein evangelisches Verständnis Gottes und des Menschen • sachgemäßer Umgang mit der Bibel und zentralen christlichen Traditionsbildungen • Zugänge zur Bedeutung von markanten kirchengeschichtlichen Ereignissen und Personen • Auseinandersetzung mit existenziellen Glaubens- und Sinnfragen • Begegnung mit Kirche in ihrer Realität und ihren vielgestaltigen Möglichkeiten • Begegnung mit nichtchristlichen Religionen und Weltanschauungen • Auseinandersetzung mit grundlegenden ethischen Orientierungen und Leitlinien • Zugänge zu religiöser Kunst und Spiritualität • Verständnis für Rolle und Bedeutung religiöser, insbesondere christlicher Traditionen in der Gesellschaft, z. B. in der Bildenden Kunst und in der modernen Literatur Dem evangelischen Religionsunterricht entspricht ein Lehren und Lernen, das von Offenheit, Neugier, gemeinsamem Suchen und Ausprobieren und von Diskussion geprägt ist. Das setzt Gruppen und Räume voraus, in denen sich Nachdenken und Urteilen, affektives Erleben, soziales Lernen, kreative und praktische Tätigkeit entfalten können. Das Bemühen um ein ganzheitlich orientiertes und oft nicht abprüfbares „Lebenswissen“ spielt im Religionsunterricht neben den als Grundwissen ausgewiesenen kognitiven, operationalisierbaren Zielen und Inhalten eine wesentliche Rolle. Zum ganzheitlichen Lernen tragen auch Exkursionen und Projekte, Begegnungen mit außerschulischen Personen und Gruppen, Einsatz unterschiedlicher Medien, Klassenlektüren, Orientierungstage sowie Schulgottesdienste, Meditationen und andere Formen religiösen Lebens an der Schule bei.

Ökumenische Kooperation

Interdisziplinärer, interkultureller und interreligiöser Dialog

Fachwissen und Lebenswissen

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Religiöses Leben

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Eth

1

Fachprofile Ethik

Ethik Orientierungshilfe

Verfassungsauftrag

Gymnasialtypische Aufgaben des Ethikunterrichts

Motivation förderndes Lernen

Selbstverständnis des Faches Das Fach Ethik unterstützt die Suche junger Menschen nach einer verlässlichen moralischen Orientierung in der Welt von heute. Es basiert auf der Grundsituation, dass Menschen für ihr Handeln auch eine ethische Entscheidungskompetenz benötigen. Ethik greift dabei auf Entwürfe zurück, in denen bewährte lebenspraktische Einsichten in einer langen Entwicklungslinie mit Hilfe philosophischer Denkweisen eine neue Deutung und Legitimierung erfahren haben. Die Jugendlichen können diese Entwürfe und Theorien mit den von ihnen selbst entwickelten Vorstellungen vergleichen und dabei entdecken, dass auch ihre eigenen Gedanken sich im Ansatz mit bestimmten Denktraditionen berühren. Überlegungen zu Moralprinzipien, die andere Menschen angestellt haben, können so zum Maßstab für eigene Überlegungen und damit zu einer Orientierungshilfe für das eigene Leben werden. Der Ethikunterricht in der Schule orientiert sich in seiner grundlegenden Zielsetzung an den sittlichen Grundsätzen, wie sie in der Verfassung des Freistaates Bayern und im Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland niedergelegt sind. Im Übrigen berücksichtigt er die Pluralität der Bekenntnisse und Weltanschauungen. Insbesondere orientiert er sich bezüglich seiner inhaltlichen Rahmenbedingungen an den Aussagen der Bayerischen Verfassung in Artikel 131 und den Festlegungen des Grundrechtekatalogs im Grundgesetz. Für Schüler, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen, ist der Ethikunterricht Pflichtfach (Art. 47 Abs. 1 BayEUG). Beitrag des Faches zur gymnasialen Bildung und Persönlichkeitsbildung Der Bildungs- und Erziehungsauftrag des Gymnasiums besteht in der Vermittlung einer vertieften allgemeinen Bildung, die für ein Hochschulstudium vorausgesetzt wird. Diese wird im Fach Ethik durch eine systematische Beschäftigung mit den für die heutige Zeit relevanten Themen der Ethik angestrebt. Das Fach Ethik fördert insbesondere den reflektierten Zugang zu den sittlich bedeutsamen Gegebenheiten der Welt, vermittelt eine vertiefte Sprachkompetenz im ethischen Argumentieren und unterstützt die Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung in Entscheidungs- und Handlungssituationen. Dazu gehören vor allem auch Weltoffenheit und Aufgeschlossensein für alles Wahre, Gute und Schöne. Das Ethische ist in diesem Sinn traditionell Teil des gymnasialen Bildungsauftrages. Die Schule thematisiert im Ethikunterricht die Frage nach dem guten Leben vor dem Hintergrund sittlicher Einsichten, sofern diese sich als vernünftig begründbar erweisen. Zur Voraussetzung für vernünftiges Urteilen gehört die wirklichkeitsgemäße Wahrnehmung der den Menschen umgebenden Welt, da Vernunft ihre sprachliche Wurzel im Vernehmen der Realität hat. Moralisches Lernen ist in allen Jahrgangsstufen sowohl kognitives als auch die Motivation förderndes Lernen. Dies bedeutet, dass die Schüler im Ethikunterricht nicht nur verstehen sollen, welche Werte und Normen gelten und warum sie gelten, sondern auch lernen, dass für ein gelingendes Leben das Engagement für diese Werte und Normen notwendig ist. Die Beschäftigung mit der Sinnfrage bezüglich der Motivation für ein an Werten orientiertes Leben hat deshalb im Ethikunterricht einen besonders hohen Stellenwert. Hier spielt auch die Einübung in den Perspektivenwechsel eine wichtige Rolle. Die Schüler sollen nicht nur die eigene Position bezüglich eines Themas formulieren können, sondern sich auch die emotionalen Konsequenzen für eine fremde handelnde Person vorstellen und ausdrücken können.

Fachprofile Ethik

Der Ethikunterricht strebt ein werteinsichtiges Urteilen und Handeln der Schüler an und will auf diese Weise ihre personale Entwicklung fördern. Die Achtung vor der Würde des Menschen ist deshalb unverzichtbare Grundlage des Ethikunterrichts. Er will in den einzelnen Jugendlichen das Bewusstsein stärken, dass sie als Person zu einer eigenverantwortlichen Lebensgestaltung befähigt und aufgerufen sind. Die Erziehung zur Toleranz, zur Selbstbeherrschung, zur Achtung der Überzeugungen Andersdenkender sowie zur Übernahme von Verantwortung sind weitere Beispiele dieser Orientierung. Der Ethikunterricht will auf diese Weise auch einen Beitrag zur Gewissensbildung der Schüler leisten. Er stellt deshalb auch Fragen nach der Verbindlichkeit des Gewissens. Dabei ist zu berücksichtigen, dass das Fach Ethik in der Schule stets auf den grundlegenden Beitrag des Elternhauses zur Moralerziehung angewiesen bleibt und diesen auch in seinem pädagogischen Anspruch zu berücksichtigen hat. Im Ethikunterricht werden Situationen und Probleme aus dem unmittelbaren Erfahrungsbereich der Schüler in Alltag, Familie und Schule thematisiert, Handlungsalternativen geprüft und gemeinsam mit den Schülern Vorschläge zum rationalen Umgang mit Konflikten entwickelt. Dabei weitet sich im Lauf der Schulzeit der Blick auf größere Zusammenhänge und wichtige ethische Probleme und Antworten. Um das eigene Welt- und Menschenbild zu erweitern, zu überprüfen und zu festigen, erhalten die Schüler Informationen über Weltanschauungen und Religionen. Aufbauend auf diesen Kenntnissen werden grundlegende Fragen menschlicher Existenz, wie die Frage nach dem Sinn des Lebens, nach Freiheit, Gerechtigkeit und Glück vertieft behandelt. Die Schüler erwerben im Lauf der Gymnasialzeit ein breitgefächertes Wissen über Bedingungen und Probleme des Zusammenlebens von Menschen. Es soll ihnen ermöglichen, fremdes Verhalten besser zu verstehen, eigenes reflektiert einzuschätzen sowie gegebenenfalls zu korrigieren. Daneben regt der Ethikunterricht zur Auseinandersetzung mit den ethischen Aussagen wichtiger Autoren über die Bedingungen eines moralisch verantwortbaren Lebens an. Die Lektüre geeigneter Texte dient der Vertiefung und kritischen Prüfung jener Aussagen. Fächerübergreifende Zusammenarbeit Der Ethikunterricht stützt sich vielfach inhaltlich auf einen interdisziplinären und fächerverbindenden Ansatz und greift bei der Entwicklung von Fragen und Antworten zum guten Leben auf Aussagen der Anthropologie, der Psychologie, der Philosophie, der Theologie, der Biologie und anderer wissenschaftlicher Disziplinen zurück. Er stellt somit die Fragen nach dem Menschen und seinem Leben im Sinn eines ganzheitlichen Verständnisses. Gerade die interdisziplinären Fragen geben Gelegenheit zu einem fächerübergreifenden Lernen im Ethikunterricht. Aus dieser Fülle von Vorstellungen und Erkenntnissen ergeben sich, wenn die Schüler im Unterricht ihre eigenen Gedanken und Erfahrungen einbringen, verschiedene Möglichkeiten der Verarbeitung: von der Wahrnehmung sprachlicher und bildlicher Mitteilungen über das Verstehen und Interpretieren von Texten bis zur Anbahnung eines philosophischen Dialogs. Inhalte und Ziele Der Ethikunterricht knüpft sowohl an ethisch bedeutsame Themen der einzelnen Fächer als auch an Erfahrungen der Schüler an. Auf dieser Grundlage werden Fragen beispielsweise nach dem Status von Werten, Normen und ihrer Geltung und Begründung gestellt. Der Ethikunterricht berücksichtigt, dass Selbst- und Fremdwahrnehmung in Spannung zueinander stehen. Wahrnehmung, Entscheidung und Handlung stellen die drei grundlegenden Schritte der ethischen Grundsituation dar. Dabei geht es nicht nur um das Faktische, das bereits Existierende, sondern vor allem um dasjenige, was erst durch menschliches Handeln Wirklichkeit wird. In diesem Sinne liegt auf jedem Menschen Verantwortung, die er

Eth

2

Pädagogische Aufgaben

Grundlegende Themenfelder

Interdisziplinarität

Wahrnehmen, Entscheiden, Handeln

23

24

Eth

3

Fachprofile Ethik

Grundwissen

Lernbereiche

in sich wahrnimmt, aber auch in den äußeren Folgen seines Handelns und in der Reaktion anderer Menschen erkennt. In der pluralistischen Gesellschaft kommt dem Ethikunterricht die Aufgabe zu, die Schüler mit unterschiedlichen Positionen der Ethik vertraut zu machen, die Voraussetzungen für ein verantwortbares Handeln in Freiheit darstellen. Besondere Bedeutung kommt dabei auch der Behandlung von Themenfeldern der angewandten Ethik (Bereichsethiken wie Medizinethik, Wirtschaftsethik, Umweltethik) zu, weil sich in ihnen der Verantwortungsbezug besonders anschaulich vermitteln lässt, zugleich aber im Sinn eines nachhaltigen Lernens Elemente der bisher gelernten allgemeinen Ethik in neuen Zusammenhängen wieder benötigt werden. Die Schüler sollen die in den jeweiligen Jahrgangsstufen als Grundwissen ausgewiesenen Kenntnisse, Fertigkeiten und Haltungen zur Verfügung haben, damit nachhaltiger Lernerfolg gewährleistet ist. Der Ethiklehrplan basiert auf Lernbereichen, die durch ihre unterschiedliche Gewichtung und Verknüpfung die jeweilige Jahrgangsstufe charakterisieren. Im Einzelnen greift der Lehrplan Ethik auf folgende Schwerpunkte zurück: Schwerpunkt I: Der Einzelne und die Gemeinschaft Schwerpunkt II: Urteils- und Handlungskompetenz Schwerpunkt III: Religionen und ihre Ethik Schwerpunkt IV: Bereichsethiken und interdisziplinäre Fragen Jgst. 5.1 5.2 5.3 5.4 6.1 6.2 6.3 7.1 7.2 7.3 7.4 8.1 8.2 8.3 8.4 9.1 9.2 9.3 9.4 9.5 10.1 10.2 10.3 10.4 11.1 11.2 12.1 12.2

Themen Schwerpunkte Wahrnehmung und Wirklichkeit I Bedürfnisse und Regeln II, IV Freiheit, Entscheiden und Handeln II, III, IV Spielen und Lernen IV Gemeinschaftsfeld Familie I Ich und die anderen II, I Judentum und Christentum III, I Erwachsen werden I Konflikte und ihre Regelung IV, II Menschenbild und Ethik des Islam III Feste und ihre Bedeutung für die Gemeinschaft IV, III Wege zur Sinnfindung im Alltag IV, I Verantwortung für sich und andere I, II, IV Ethisch argumentieren II Umweltethik IV, II Gewissen und Handeln I, IV Religiöse Sinndeutungen des Lebens III Familie, Geschlechterrolle, Partnerschaft I, IV Arbeit IV, II Friedensethik IV, II Philosophisch-ethische Deutungen des Menschen II Religionsphilosophie und vergleichende Betrachtung der Weltreligionen III Ethik des wirtschaftlichen Handelns IV, II Medizinethik IV, II Theorie und Praxis des Handelns II, IV Freiheit und Determination I, II Recht und Gerechtigkeit I, II Sinnorientierung und Lebensgestaltung I, IV

Fachprofile

D

Deutsch

1

Deutsch „Die Grenzen meiner Sprache bedeuten die Grenzen meiner Welt.“ (Ludwig Wittgenstein) Selbstverständnis des Faches Das Selbstverständnis des Faches Deutsch gründet in der Sprache, die Menschsein ausmacht, und in der Literatur. Sprache ist Voraussetzung für Kommunikation und Kultur; sie befähigt zu selbstbestimmtem und verantwortungsbewusstem Handeln und zur künstlerischen Gestaltung menschlicher, gesellschaftlicher, philosophischer und ästhetischer Wirkungszusammenhänge als einem wesentlichen Teil unserer kulturellen Überlieferung und Gegenwart. Der Deutschunterricht am Gymnasium ermöglicht durch die intensive Beschäftigung mit Sprache und Literatur kommunikative Kompetenz, kulturelle und ästhetische Bildung sowie Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Er strebt die Erweiterung, Differenzierung und Vertiefung des Vermögens an, die deutsche Sprache in mündlicher und schriftlicher Form als Mittel der Darstellung und Verständigung sowie als Medium und Gegenstand des Denkens und der Erkenntnis zu begreifen und zu gebrauchen. Er verhilft den Schülern dazu, mit Informationen umzugehen, Phantasie auszubilden und Probleme kreativ zu lösen. Damit schafft der Deutschunterricht wesentliche Voraussetzungen für den Unterricht und den Lernerfolg in allen Fächern und Jahrgangsstufen. Auf Grund der intensiven Beschäftigung mit der deutschen Sprache und der Auseinandersetzung mit wertbezogenen Fragen von Individuum, Gesellschaft und Welt in literarischen und nicht-literarischen Texten bestimmt das Fach Deutsch die Persönlichkeitsbildung wesentlich mit, fördert vernetztes Denken und erfüllt vielfältige fächerübergreifende und integrative Funktionen. Neben der Sprachkompetenz sind Haltungen wie Selbstreflexion, Aufgeschlossenheit für Literatur, kulturelle Identität, Verständnis und Verantwortungsbereitschaft für Mensch und Welt Leitziele des Faches. Die fachspezifischen Bildungsstandards der KMK bilden in Verbindung mit dem Grundwissen im Fach Deutsch einen sicher verfügbaren Bestand an anwendungsbezogenen Kenntnissen, Fachbegriffen und grundlegenden Fertigkeiten, der den Schülern ein Instrumentarium für selbständiges, problemlösendes Arbeiten an die Hand gibt. Die Sicherung des nachhaltigen Lernens und die individuelle Förderung der Schüler werden auch durch entsprechende Formen der Evaluation unterstützt. Als Fach, das die deutsche Sprache, anspruchsvolle Sach- und Gebrauchstexte, problemreflektierende und philosophische Texte, deutsch- und fremdsprachige Literatur, auch von weltliterarischem Rang, sowie Medien und grundlegende Methoden zum Gegenstand hat, trägt Deutsch – auch in den Seminaren – entscheidend zur Bildung der Schüler bei. Beitrag des Faches zur gymnasialen Bildung und Persönlichkeitsentwicklung Eine wesentliche Aufgabe des Deutschunterrichts ist es, die Schüler bei der Ausbildung ihres mündlichen und schriftlichen Sprachvermögens zu fördern. Sie lernen, in Wort und Schrift verständlich, sach-, situations- und adressatengerecht sowie stilsicher zu formulieren und Sprache als gestaltbares Medium zu verstehen. Im Verlauf der Gymnasialzeit erlangen sie auf der Basis gefestigter orthographischer, grammatischer und stilistischer Kenntnisse sowie eines ausdifferenzierten Wortschatzes Sicherheit und Geläufigkeit im Sprechen und Schreiben sowie im Erfassen und Verstehen sprachlicher Äußerungen – als Grundlage für den Unterricht in allen Fächern und zugleich für die Auseinandersetzung mit Mensch und Welt. Systematische Sprachbetrachtung festigt und erweitert die mündliche und schriftliche Sprachfertigkeit und vermittelt Einsichten in die Entwicklung und Struktur der deutschen Sprache.

Ziele

Bildungsstandards

Gegenstände

Sprachvermögen

25

26

D

Fachprofile

2

Deutsch

Sprechen und Kommunizieren

Schreiben

Lesekompetenz

Literatur und Sachtexte

Medien

Durch verschiedene Formen des Sprechens und Kommunizierens gewinnen die Schüler zunehmend Sicherheit beim Erzählen, Informieren, Argumentieren und Diskutieren sowie beim Referieren und mündlichen Vortragen. Sie begreifen, dass mündliche Kommunikation das bewusste und konzentrierte Zuhören ebenso erfordert wie das Einhalten von Regeln. Systematisch und gezielt erlernen die Schüler die Grundlagen einer praxisbezogenen Rhetorik und werden befähigt, vor einem Publikum frei, adressaten- und themenbezogen zu sprechen. Vorlesen, Vortragen und Gestalten sind besonders geeignet, Sprachbewusstsein zu erzeugen, die Bedeutung und Wirkung von Sprache erfahrbar zu machen, Imaginationsfähigkeit auszubilden sowie die inhaltliche und motivliche wie die sprachlichästhetische Qualität von Literatur zu erfassen. Aus dem Deutschunterricht erwächst eine Vielzahl motivierender Schreibanlässe, die auf den Adressaten Bezug nehmen und in unterschiedlichen Formen realisiert werden können. Beim informierenden, gestalterischen und erörternden Schreiben sowie beim Schreiben als interpretative Auseinandersetzung mit Texten greifen die Schüler Schreibmuster und -traditionen auf, variieren aber auch Vorlagen und formulieren frei. Dabei lernen sie, Gedanken zusammenhängend zu entwickeln, sich sach- und situationsgemäß zu äußern, Meinungen zu begründen und argumentativ darzustellen, Thesen zu beurteilen, mit Sprache kreativ-spielerisch umzugehen und sie als persönliches Ausdrucksmittel zu begreifen und anzuwenden. Besonderer Wert wird auf eine geschlossene, planvoll gegliederte sprachliche Darstellung und die Bewältigung formaler Anforderungen gelegt. Schreiben stellt dabei einen Prozess dar, der – in verschiedenen Formen und mittels unterschiedlicher Medien – das Planen, Formulieren, Korrigieren und Überarbeiten umfasst. Ein wesentliches Ergebnis des gymnasialen Deutschunterrichts ist Geläufigkeit im Schreiben, auch im Hinblick auf Studium und Beruf. Die schriftlichen Leistungserhebungen im Fach Deutsch überprüfen unter Beachtung des Prinzips der Progression die Beherrschung der wesentlichen Grundformen des Schreibens in der jeweiligen Jahrgangsstufe. Die Schüler bilden ihre Lesekompetenz aus, indem sie vielfältige Strategien des Lesens und Verstehens von Texten und von medialen Darstellungen erwerben. Besonderes Gewicht wird dabei auf die Eigenständigkeit des Vorgehens und auf ein breites Repertoire an Methoden gelegt. Entnommene Informationen verknüpfen die Schüler mit Vorwissen und verarbeiten sie produktiv. Sie nutzen Angebote von Schulbibliotheken, öffentlichen Bibliotheken und ggf. auch Hochschulbibliotheken. Die Schüler lernen das Spektrum deutschsprachiger und – in Übersetzungen – auch fremdsprachiger Literatur kennen, außerdem die Vielfalt anspruchsvoller Sach- und Gebrauchstexte. Bei der Beschäftigung mit literarischen Formen und Gattungen sowie Stoffen und Motiven der Weltliteratur erwerben die Schüler Wissen, legen Erkenntniskategorien an und bilden Werthaltungen sowie ästhetische Urteilskraft aus. Die Auseinandersetzung mit literarischen Epochen und Strömungen macht zudem die historische Dimension von Texten deutlich. Die Schüler entwickeln im Umgang mit Sachtexten und Sachbüchern ihre Fähigkeit, den Informationsgehalt und die Argumentation zu analysieren und zu bewerten. Insbesondere in den Jahrgangsstufen 11 und 12 erschließen sie auch deren gesellschaftliche, ethische und philosophische Relevanz. Die Begegnung mit Texten wird in allen Jahrgangsstufen vom Prinzip der differenzierten, individuellen Leseförderung geleitet; der Zusammenarbeit mit dem Elternhaus und außerschulischen Bildungseinrichtungen kommt dabei große Bedeutung zu. Der selbstbestimmte Umgang mit Medien fördert die Entwicklung einer eigenständigen und reflektierten Einstellung zu ihnen und verhilft Schülern dazu, deren Angebote und Möglichkeiten verantwortungsbewusst, sachgerecht, sinnvoll und kreativ zu nutzen. Elektronische Medien werden als Werkzeug mit zunehmender Geläufigkeit und geprägt von Gestaltungswillen und Formbewusstsein eingesetzt.

Differenziertes Wahrnehmen, Denken und Sprechen befähigen zur Aneignung von Welt und prägen die Einstellung zu ihr. Wer die Sprache beherrscht, durchschaut auch leichter deren Missbrauch. Indem der Deutschunterricht die Schüler in die Lage versetzt, die Welt durch Sprache zu erschließen, Identität zu entwickeln und sich kultureller Traditionen wie gegenwärtiger Entwicklungen bewusst zu werden, stellt er eine entscheidende Voraussetzung dafür dar, sich in komplexen Zusammenhängen zu orientieren. Das Beherrschen der deutschen Sprache in Wort und Schrift als grundlegendes Element der Persönlichkeitsbildung ermöglicht Selbstbestimmung, Offenheit, Toleranz und Teilhabe am kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Geschehen der Zeit. Darüber hinaus verhilft es zu Urteilsfähigkeit und Distanznahme, unverzichtbaren Eigenschaften einer reifen Persönlichkeit. Im Rahmen der ästhetischen Bildung schult der Deutschunterricht die Wahrnehmungsund Ausdrucksfähigkeit. Er stärkt die Erlebnisfähigkeit sowie die Kreativität, vermittelt Maßstäbe und Qualitätsbewusstsein und leitet zu angemessenem Verhalten an. Die Beschäftigung mit Literatur ist in besonderer Weise geeignet, Hilfestellung bei der Selbstfindung zu leisten und Verständnis für andere Positionen und Perspektiven zu fördern, auch dadurch, dass in literarischen Werken zentrale Fragen menschlicher Existenz aufgeworfen werden. Der Deutschunterricht leistet so einen Beitrag zur Werteerziehung. Die Auseinandersetzung mit Werken aus unterschiedlichen Epochen und Kulturkreisen vermittelt neben einer fundierten literarischen Bildung, die Bedingung für die Teilnahme am kulturellen Leben ist, Grundmuster menschlicher Erfahrungen sowie Zugänge zu verschiedenen Weltsichten. Am Ende der Gymnasialzeit verfügen die Schüler über differenziertes sprachliches, literarisches und kulturelles Wissen, sind mit zentralen Techniken geistigen Arbeitens und grundlegenden Formen sprachlichen Ausdrucks vertraut und schätzen den Wert von Literatur. Zusammenarbeit mit anderen Fächern Durch die intensive Beschäftigung mit der deutschen Sprache in Wort und Schrift schafft das Fach Deutsch die wesentliche Grundlage für den Unterricht in allen anderen Fächern. Dabei bleibt Sprachförderung auch Aufgabe des gesamten gymnasialen Unterrichts. In besonderer Weise ist das Fach Deutsch geeignet, aktuelle Themen aufzugreifen. Es versetzt Schüler damit in die Lage, unterschiedlichste Wissensbereiche zu erschließen und an öffentlichen Diskursen teilzuhaben. Der Deutschunterricht befähigt zum geistigen Arbeiten, indem er Techniken des Wissenserwerbs und der Wissensverarbeitung vermittelt, die in Schule, Studium und Beruf von zentraler Bedeutung sind: das sichere Umgehen mit Medien sowie das zielgerichtete Anwenden von Methoden. Im Rahmen der ästhetischen Bildung arbeitet das Fach Deutsch vor allem mit den Fächern zusammen, denen hierbei ebenfalls besonderes Gewicht zukommt. Auf Grund des komplexen Erziehungs- und Bildungsauftrags sowie des integrativen Charakters des Faches ergeben sich unter thematischen und methodischen Aspekten mit allen gymnasialen Unterrichtsfächern vielfältige Möglichkeiten der fächerübergreifenden Zusammenarbeit, wobei dem Fach Deutsch oftmals eine Leitfunktion zukommt.

Fachprofile

D

Deutsch

3

Sprachliche Bildung

Ästhetische Bildung

Literarische Bildung

Sprachförderung

Geistiges Arbeiten

Leitfach Deutsch

27

28

D

Fachprofile

4

Deutsch

Ziele und Inhalte

sprachliche Kompetenz erweitern und vertiefen

• • • • • • • •

Leben gestalten

soziale Kompetenz festigen

• ästhetische Sensibilität entwickeln • am kulturellen Leben teilhaben und es mitgestalten • ästhetische Urteilskraft ausbilden

Gespräche führen Meinungen begründen argumentieren Reden halten Rollen spielen erzählen berichten und beschreiben informieren

Sprechen Schreiben Sprache betrachten sich mit Texten auseinandersetzen Medien nutzen und reflektieren Methoden kennen und anwenden

• Medien gezielt nutzen • Methoden überlegt einsetzen • Informationen beschaffen und auswerten • Ergebnisse präsentieren

sich als Teil der Gesellschaft begreifen

kulturelle und ästhetische Bildung erweitern • Sprache und ihr System erfassen, beschreiben und reflektieren • sprachliche Ästhetik herstellen

Werthaltungen aufbauen

• Wissen aneignen, organisieren und aufbereiten • Werthaltungen entwickeln • kategoriales Denken schulen • • • • •

erzählen beschreiben und berichten poetische Texte erschließen nichtpoetische Texte analysieren gesellschaftliche, literarische und philosophische Probleme erörtern • gestalterisch arbeiten

Identität entwickeln

Urteilsvermögen ausbilden

Fachprofile Klassische Sprachen

Klassische Sprachen Selbstverständnis der Fächer In der modernen Welt hat die rasche Verbreitung von Informationen in nahezu allen Bereichen erheblich an Bedeutung gewonnen. Um diese Vielzahl von jederzeit abrufbaren Daten verstehen, ordnen und bewerten zu können, brauchen junge Menschen ein breites und fundiertes Orientierungswissen, das von der Kenntnis der Ursprünge und Grundzüge europäischen Denkens getragen ist. Dieses Wissen um unsere Wurzeln und die zentralen, historisch gewachsenen Grundlagen der europäischen Kultur und Geistesgeschichte erwerben die Schüler vor allem im Unterricht der klassischen Sprachen Latein und Griechisch. Die Geschichte und Idee Europas wird in ihren Anfängen durch den eng begrenzten Raum, den wir als Griechenland kennen, geprägt. Literatur, Wissenschaften, Geschichtsschreibung und Philosophie der Griechen bilden die Fundamente der europäischen Kultur; auch die Grundlagen einer demokratischen Staatsverfassung wurden hier entwickelt. Die Römer haben zentrale Errungenschaften des griechischen Kulturkreises in vielen Bereichen zum Maßstab des eigenen Denkens und Handelns gemacht, modifiziert und durch eigenständige Entwicklungen wie das bis heute wirkende Römische Recht erweitert. Infolge der Ausdehnung der römischen Herrschaft über weite Teile Europas lebt die lateinische Sprache in vielen europäischen Sprachen fort; seit Jahrhunderten tradiert und vermittelt sie abendländisch-christliches Denken. Ziele und Wirkung Die Fächer Latein und Griechisch schulen durch die Analyse und Übersetzung originalsprachiger Sätze und Texte logisches und kombinatorisches Denken und schaffen ein ausgeprägtes Sprachbewusstsein, das den Schülern auch im Deutschen und beim Erwerb weiterer Fremdsprachen zugutekommt. Gründlichkeit, Ausdauer, Systematik, Blick für Zusammenhänge und Genauigkeit im Detail sind dabei ebenso wichtig wie der kreative Umgang mit Sprache und Stil sowie der Mut zu eigener Problemlösung. Das Erschließen von Texten, das genaue Erfassen ihres gedanklichen Gehalts und die sprachlich korrekte Ausdrucksfähigkeit stellen grundlegende Schlüsselqualifikationen dar, die im altsprachlichen Unterricht der Unter-, Mittel- und Oberstufe sowie in den Seminaren gefördert werden. Neben der Vermittlung sprachlicher Kompetenzen bieten die klassischen Sprachen einen intensiven Literaturunterricht, der die Schüler mit grundlegenden Werken der Antike und des Christentums vertraut werden lässt. Bei der Lektüre und Interpretation anspruchsvoller literarischer Schriften lernen sie die wichtigsten Formen und Gattungen kennen, die nicht nur die europäische Literatur bis in die Gegenwart prägen. Die Beschäftigung mit zentralen Texten aus den Bereichen Geschichtsschreibung, Politik, Philosophie, Recht, Naturwissenschaft, Dichtung, Religion und Mythologie sowie die Auseinandersetzung mit ihrer Rezeptions- und Wirkungsgeschichte schafft bei den Jugendlichen ein vertieftes Verständnis für die Vielfalt der antiken Geisteswelt. Zugleich wird es ihnen ermöglicht, mit den Denkmodellen der Antike in einen geistigen Dialog zu treten, diese Modelle reflektiert zu bewerten und die gewonnenen Erkenntnisse für Gegenwart und Zukunft fruchtbar zu machen. Die Einsicht in die kunstvolle Gestaltung literarischer Werke und die Beschäftigung mit antiker Kunst generell schärfen das ästhetische Urteilsvermögen. Indem sich die Schüler mit wesentlichen Fragen und zentralen Themen des Menschseins auseinandersetzen und verschiedene Antworten und Standpunkte kennenlernen, entwickeln sie ein fundiertes Wertebewusstsein. Dies ermöglicht ihnen eine Orientierung für die Gestaltung ihres eigenen Lebens und verschafft ihnen eine tragfähige Basis dafür, die Herausforderungen in Studium, Beruf und Gesellschaft erfolgreich zu bestehen.

Orientierungswissen

Grundlagen Europas

Fortwirken des antiken Denkens

Analysefähigkeit und Sprachbewusstsein

Textverständnis

Literarische Bildung

Aktualität der Antike

Ästhetik

29

Persönlichkeitsbildung

30

L

Fachprofile

1

Latein

Latein Das Fachprofil Latein ist in Ergänzung zum Fachprofil Klassische Sprachen zu lesen.

Fundament europäischer Kultur

Basissprache Europas

Historische, politische und philosophische Bildung

Orientierungswissen

Literatur und Rhetorik

Sprachkompetenz

Bedeutung des Faches Der Lateinunterricht fördert durch intensive Beschäftigung mit der lateinischen Sprache und Literatur die Einsicht, dass die griechisch-römische Antike ein wichtiges Fundament der europäischen Kultur ist und in vielen Bereichen bis in die Gegenwart fortwirkt. Indem das Fach eine Brücke zwischen Antike und Moderne spannt, trägt es entscheidend dazu bei, ein Bewusstsein europäischer Identität zu schaffen, und erzieht allgemein zu Weltoffenheit und einem vorurteilsfreien Umgang mit fremden Kulturkreisen. Viele Fragen und Themen, mit denen sich die Jugendlichen und jungen Erwachsenen anhand der lateinischen Texte befassen, sind von zeitloser Gültigkeit und betreffen ihre eigene Erfahrungswelt. Die Suche nach Antworten und Lösungen veranlasst sie, sich mit tradierten Werten auseinanderzusetzen, dabei eigene Überzeugungen zu entwickeln und immer wieder neu zu überdenken. Das Erlernen des Lateinischen vermittelt den Schülern zudem grundlegende sprachliche und damit verbunden kognitive Fähigkeiten, die ihnen in anderen Fächern sowie in Studium und Beruf zugutekommen. Vor allem in den romanischen Sprachen, die sich auf der Basis des Lateinischen entwickelt haben, können sie ihre Kenntnisse des lateinischen Wortschatzes und der Grammatik mit großem Nutzen anwenden. Beitrag des Faches zur gymnasialen Bildung und Persönlichkeitsentwicklung Die Begegnung mit antiken, mittelalterlichen und neuzeitlichen lateinischen Texten macht die Schüler mit der antiken Kultur und Zivilisation, mit den Ursprüngen und Werten des Christentums und neuen Denkansätzen in der europäischen Geisteswelt vertraut. Sie beschäftigen sich mit mythologischen Grundthemen und Motiven in Literatur und Kunst und entwickeln so ein Bewusstsein für deren Fortwirken in der europäischen Tradition. Bei der Analyse geschichtlicher Prozesse der Antike und der sich verändernden Verfassungsstrukturen lernen sie zentrale Inhalte der politischen Bildung kennen. Die Lektüre von Texten aus den Naturwissenschaften und dem Recht ermöglicht ihnen einen Einblick in die Entstehung dieser auch heute wichtigen Wissensbereiche. Im Bereich der Philosophie gewinnen sie einen Überblick über die grundlegenden philosophischen Richtungen der Antike, ihre Fragestellungen und ihre wichtigsten Vertreter. Indem die Heranwachsenden bedeutende Themen, Denkweisen und Theorien sowie ihre Rezeption von der Antike bis in die Gegenwart kennen lernen, eignen sie sich ein breites Orientierungswissen an, das ihnen hilft, die Fülle an verfügbaren Informationen angemessen einzuordnen und zu bewerten. Sie entdecken vielfältige Anknüpfungspunkte zu anderen Fächern und erlangen ein Gespür für die komplexen Zusammenhänge der heutigen Lebenswelt. Schon im Anfangsunterricht ist sprachliches Arbeiten mit inhaltlicher Erschließung verbunden, so dass wesentliche Aspekte der Textbetrachtung geübt werden. Durch schrittweises Heranführen an die Lektüre von Originaltexten sensibilisiert der Lateinunterricht die Lernenden für die unterschiedlich hohe sprachliche Dichte und die Vielfalt literarischer Ausdrucksformen. Sie entwickeln ein Bewusstsein für die Überzeugungs- und Manipulationskraft der Sprache und für den praktischen Wert rhetorischer Fähigkeiten. Die im Lateinunterricht geübte intensive Sprach- und Textarbeit fördert die Lesekompetenz der Schüler und leitet sie durch den ständigen Vergleich mit dem Deutschen zu einem bewussten Umgang mit ihrer eigenen Sprache an. Die Systematik der lateinischen Grammatik vermittelt ihnen ein Verständnis für das Zusammenwirken sprachlicher Elemente und für das Funktionieren von Sprache an sich. Im Lauf der Zeit lernen sie, mit einer großen Zahl von Fremdwörtern sicher umzugehen, so dass sie sich in der Begriffswelt der modernen Medien und der wissenschaftlichen Fachsprachen gut zurechtfinden und ihre

Kenntnisse in vielen Bereichen nutzen können. Auch einige grundlegende im Lateinunterricht vermittelte Lernstrategien können sie ebenso wie ihr sprachliches und literarisches Wissen in anderen Fächern einsetzen. Bereits die ersten Lateinstunden wecken die Neugier der Schüler angesichts einer zunächst fremd und fern anmutenden Welt. Sie erkennen, dass die lateinische Sprache einen wichtigen Schlüssel zum Verstehen dieser Welt darstellt; dadurch werden Interesse und Freude am Erwerb der neuen Fremdsprache gefördert. Im Dialog mit antiken Texten und durch den Vergleich mit dem Denken und den Lebensformen der Antike können die Kinder und Jugendlichen Bezüge zu ihrer eigenen Lebenswelt herstellen und gewinnen Interesse an sprach- und kulturübergreifenden Sichtweisen der Gegenwart. Durch die Vermittlung von Lern- und Arbeitstechniken, die den systematischen Erwerb der lateinischen Sprache erleichtern, soll eine positive Einstellung zum Lernen aufgebaut und verstärkt werden. Die immer komplexeren Aufgaben, besonders beim Übersetzen, verlangen von den Schülern, Zusammenhänge herzustellen und schwierige Gedankengänge nachzuvollziehen. Dabei suchen sie nach eigenständigen und kreativen Lösungswegen und stellen sich Herausforderungen immer wieder von Neuem. Zugleich entwickeln sie Konzentration und Ausdauer. Die Lektüre lateinischer Originaltexte führt die begonnenen Lernprozesse in vielfacher Weise fort. Die Heranwachsenden üben, erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten bei der Erschließung von Texten und in der Auseinandersetzung mit Themen einzubringen. Indem sie z. B. ein lateinisches Theaterstück inszenieren oder einen Römertag gestalten, sind die Schüler gefordert, in der Gemeinschaft auf ein Ziel hinzuarbeiten, Verantwortung in der Gruppe und für die gemeinsame Aufgabe zu übernehmen, aber auch Kompromissbereitschaft zu zeigen. Die Beschäftigung mit der römischen Literatur und Kunst weckt in den Schülern zudem den Sinn für das ästhetisch Schöne und die Freude am verständigen Lesen anspruchsvoller literarischer Texte. Durch die thematische Vielfalt der lateinischen Lektüre bekommen sie Gelegenheit, in den verschiedensten Bereichen – wie z. B. in Geschichte, Politik, Dichtung, Religion – fremde Standpunkte zu überzeitlichen Fragen kennen zu lernen und in der Auseinandersetzung mit diesen eine eigene Haltung einzunehmen und überzeugend zu vertreten. Die Erschließung philosophischer Texte entspricht dem Interesse der jungen Menschen an Grundproblemen menschlicher Existenz und ihrer Aufgeschlossenheit gegenüber Fragen der Lebensgestaltung. Die Einsicht in zentrale ethische Werte leistet eine wichtige Hilfestellung bei der Entwicklung eines eigenen Lebenskonzepts. Dies stärkt wiederum das Selbstbewusstsein der jungen Erwachsenen und wirkt somit einer unkritischen Ausrichtung am jeweils herrschenden Zeitgeist entgegen. Zusammenarbeit mit anderen Fächern Auf Grund des breit gefächerten Spektrums an Themen eignet sich das Fach Latein in allen Jahrgangsstufen sowie in den Seminaren gut für eine Zusammenarbeit mit anderen Unterrichtsfächern. Im sprachlichen wie literarischen Bereich können die Schüler zu den Fächern Deutsch und Griechisch sowie zu den modernen Fremdsprachen vielfache Bezüge herstellen. Historische und (staats-)politische Themenstellungen lassen sich mit den Fächern Geschichte bzw. Sozialkunde erarbeiten. Die breite Rezeption antiker literarischer Stoffe und Motive in Kunst und Musik bietet Möglichkeiten für gemeinsame Projekte mit diesen Fächern. In der Auseinandersetzung mit Fragen der individuellen Lebensgestaltung und bei der Beschäftigung mit Philosophie und antiken Wertbegriffen ergeben sich Berührungspunkte vor allem mit dem Religions- bzw. Ethikunterricht und mit den Naturwissenschaften.

Fachprofile

L

Latein

2

Fremde und eigene Welt

Lernen lernen

Problemlösendes Denken

Antike gestalten

Ästhetische Bildung

Überzeitliche Fragestellungen

Werteerziehung

Antike und Gegenwart

31

L

Fachprofile

3

Latein

Systematische Sprachund Textarbeit

Selbständiges Arbeiten

Originallektüre

Interpretation literarischer Texte Werke der Weltliteratur

Vernetztes Denken

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Öffnung nach außen

Ziele und Inhalte Jahrgangsstufen 5 (L1) bzw. 6 (L2) mit 8: Spracherwerbsphase (Grundlegung) • systematischer Erwerb des lateinischen Grundwortschatzes und der lateinischen Grammatik • Erfassen und Analysieren sprachlicher Strukturen, dadurch Förderung strukturierten Denkens • angemessene Übersetzung lateinischer Texte und Lesestücke, dadurch Förderung der Ausdrucksfähigkeit im Deutschen • Erfassen inhaltlicher Strukturen lateinischer Texte, Erkennen thematischer Zusammenhänge • Kennenlernen erster literarischer Formen und Themen • Einblick in wesentliche Aspekte der Kultur und Zivilisation der griechisch-römischen Antike, Erkennen ihrer Bedeutung für die Gegenwart • Herstellen vielfältiger Bezüge zu modernen Fremdsprachen • Aneignung und Einüben von grundlegenden Lern- und Arbeitsstrategien (z. B. Organisation des Lernens, Umgang mit Arbeitsmitteln, Lerntechniken im Bereich von Grammatik und Vokabular, Techniken zur Übersetzung und Erschließung fremdsprachiger Texte) Jahrgangsstufe 8: Spracherwerbs- und Übergangsphase (Weiterentwicklung) • Ende der Lehrbuchphase und Beginn der Übergangslektüre • weitgehend selbständige Erweiterung des Wortschatzes, Techniken der Wortschatzarbeit • Übersetzung und Erschließung lateinischer Lektüretexte, zunehmend auch im Original • Erfassen komplexerer sprachlicher und inhaltlicher Zusammenhänge, dadurch Förderung des Abstraktionsvermögens Jahrgangsstufen 9 mit 12 (mit Seminar W und P): Lektüreunterricht (Festigung und Vertiefung) • selbständige Festigung und lektürebegleitende Erweiterung des Wortschatzes • sicheres Verwenden von Wortkunde und Wörterbuch • Übersetzung auch anspruchsvoller lateinischer Texte in gutes Deutsch • Anwenden wesentlicher Verfahren der Texterschließung und -interpretation • Einordnen der Themen und Aussagen lateinischer Texte in größere Zusammenhänge • Nutzen v. a. fachbezogener Medien zur Beschaffung und Präsentation von Informationen • Kennenlernen antiker Gattungen – z. B. Epigramm, Epos, Rede, Lyrik, Brief, Geschichtsschreibung, Roman – und Erfassen ihrer Bedeutung für die europäische Literatur • Beschäftigung mit der Gedanken- und Wertewelt der Antike und ihrer Rezeption anhand der Lektüre zentraler Autoren, z. B. Caesar, Martial, Ovid, Cicero, Catull, Petron, Vergil, Livius, Horaz, Seneca • Kennenlernen bedeutender lateinischer Autoren und ihrer Werke von der Spätantike bis in die Neuzeit, z. B. Augustinus, Erasmus von Rotterdam • Auseinandersetzung mit sozialen, politischen und philosophisch-ethischen Fragestellungen • Erkennen der zeitlosen Gültigkeit grundlegender Fragen des menschlichen Daseins (z. B. politische Gemeinschaft, Macht, Verantwortung, persönliche Lebensführung, Liebe und Tod) • Reflexion über die eigene Lebensgestaltung vor dem Hintergrund antiker Lebensmodelle Die Beschäftigung mit Themen, Autoren und Werken verschiedener Epochen schult die Fähigkeit der Schüler, Inhalte durch Vergleich und Kontrast aufeinander zu beziehen und in einen größeren Kontext einzuordnen, so dass ein aus vielen Facetten zusammengesetztes Bild der antiken Welt entsteht. Auf dem hierbei vermittelten Grundwissen, das Kenntnisse, Fertigkeiten und Haltungen umfassen kann und für die Jahrgangsstufen 5 mit 10 ausgewiesen ist, baut der Unterricht in den jeweils nachfolgenden Jahren auf. Der Einsatz von Realien, der Besuch von Ausgrabungsstätten und Museen, die Gestaltung von Studientagen und Studienfahrten oder die Teilnahme an Wettbewerben öffnen den Unterricht nach außen und runden die Begegnung mit der Antike und der lateinischen Sprache von der Unterstufe bis zur Oberstufe ab.

Fachprofile

Gr

Griechisch

1

Griechisch Das Fachprofil Griechisch ist in Ergänzung zum Fachprofil Klassische Sprachen zu lesen. Bedeutung des Faches Griechisch versteht sich als ein Schlüsselfach europäischen Denkens und europäischer Kultur. Ziel des Griechischunterrichts ist es, den Schülern über eine sprachliche und inhaltliche Auseinandersetzung mit griechischen Texten gemeinsame Fundamente Europas bewusstzumachen und ihnen die große Nähe, aber auch die Fremdheit der antiken Welt zu verdeutlichen. Das Kennenlernen der kulturellen Ursprünge und ihrer Wirkung bis in die Gegenwart hilft ihnen, die eigene Kultur als Ergebnis einer langen Tradition zu verstehen. Das Verständnis der gemeinsamen Grundlagen fördert bei den heranwachsenden Menschen die Bereitschaft, an der kulturellen Integration der Völker Europas mitzuwirken. Die Beschäftigung mit zeitlosen Fragen des menschlichen Lebens, die in der griechischen Literatur thematisiert werden, leistet einen wichtigen Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung der Jugendlichen. Das Fach wird als 3. Fremdsprache unterrichtet. Beitrag des Faches zur gymnasialen Bildung und Persönlichkeitsentwicklung Im Griechischunterricht werden die Schüler nicht nur an die Ursprünge von Literatur und Theater, von Politik und Demokratie, sondern auch von Wissenschaft und Philosophie sowie von Kunst und Architektur in Europa herangeführt. Die Jugendlichen können durch die unmittelbare Begegnung mit dem Griechischen ein ästhetisches Empfinden für die Schönheit von Sprache, Literatur und Kunst entwickeln, das ihnen Orientierung bietet. Durch die Arbeit mit griechischen Texten wird die sprachliche Kompetenz erweitert. Das Erschließen und Bestimmen einzelner Formen und syntaktischer Strukturen verfestigt und vertieft das grammatische Basiswissen, die Suche nach einer möglichst adäquaten Übersetzung fördert die Ausdrucksfähigkeit im Deutschen, die sprachliche Kreativität und die Fähigkeit zu Abstraktion und Transfer. Texte aus mehreren Jahrhunderten verdeutlichen die fortschreitende Entwicklung der griechischen Sprache von den konkreten Bildern der griechischen Mythen bis hin zur abstrakten Terminologie der Philosophie. Dadurch erkennen sie den Zusammenhang von Sprache und Denken und entwickeln eine Sensibilität für sprachliche Prozesse, die sie befähigen kann, sich auch mit gegenwartssprachlichen Tendenzen bzw. dem Informations- und Manipulationspotential von Sprache intensiv auseinanderzusetzen. Die gelesenen Texte ermöglichen von Anfang an eine Begegnung mit Grundfragen menschlichen Daseins, wie z. B. der Frage der Philosophen vor Sokrates nach dem Ursprung der Welt, mit dem Ringen des Sokrates um ethisch verantwortungsvolles Handeln und mit dem Verhältnis von Individuum und Staat in der dramatischen Dichtung. Diese Themen können im Griechischunterricht auf Grund der zeitlichen Distanz zunächst sachlich und frei von aktuellen Wertungen erfasst werden. In einer konstruktiven Diskussion lassen sie sich dann inhaltlich erweitern und für die Gegenwart fruchtbar machen. Durch die Beschäftigung mit der ersten Literatur Europas vermittelt der Griechischunterricht Einblick in Stilmuster und Literaturformen, die für spätere Zeiten maßgeblich wurden, wie z. B. die Tragödie zur Zeit der athenischen Klassik. Die Kenntnis von Figuren, Motiven und Themen griechischer Literatur und Kunst erleichtert das Verständnis späterer Entwicklungen in diesen Bereichen. Die Jugendlichen können das Entstehen verschiedener politischer Verfassungen, bis hin zur Demokratie, in einer historischen Kommunikation mitverfolgen und heutige Ausprägungen besser verstehen. Auch negative Erfahrungen mit Tyrannei oder radikaler Demokratie finden ihren Niederschlag bereits in der politischen Geschichtsschreibung des Thukydides oder in der platonischen Staatsphilosophie.

Fundament Europas

Kulturelle Tradition

Ästhetik

Sensibilität für Sprache

Philosophische Fragestellungen

Literatur und ihr Fortwirken 33

Politisches Grundlagenwissen

34

Gr

Fachprofile

2

Griechisch

Wertorientierung und Verantwortung

Weltdeutung

Grundlage der wissenschaftlichen Fachsprachen

Interesse am Kulturgeschehen

Griechenland und Bayern

Durch die ethischen, gesellschaftlichen und politischen Fragestellungen werden die Jugendlichen dazu angeregt, in der Auseinandersetzung mit tradierten Vorstellungen eine sinnvolle persönliche Wertorientierung zu finden. Diese wird immer wieder reflektierend überprüft und differenziert, um die Ausbildung einer tragfähigen Wertehierarchie zu fördern, wie sie bei jungen Erwachsenen im Hinblick auf die eigene Lebensplanung notwendig ist. Dabei nimmt das Prinzip Verantwortung – für sich selbst und die Mitmenschen – eine entscheidende Position ein. Indem die Heranwachsenden die Veränderung des griechischen Weltbildes vom Mythos zum Logos, d. h. von einer durch Mythen geprägten zu einer zunehmend von der Vernunft gesteuerten Weltsicht, mitverfolgen, lernen sie verschiedene Möglichkeiten der Weltdeutung kennen. Von entscheidender Bedeutung ist, dass gerade in der griechischen Literatur und Philosophie zum ersten Mal die Welt als Ganzes in das Blickfeld der Dichter und Denker getreten ist. Bereits im 6. Jh. v. Chr. suchen die sog. Naturphilosophen, die voll Staunen einzelne Erscheinungen beobachten, nach einem System, das diesen Phänomenen zugrundeliegt. Vor diesem Hintergrund wird dann durch die Sophisten und Sokrates der Mensch als Individuum zum Gegenstand intensiver Reflexion. Somit begreifen die Jugendlichen, dass die dem Menschen eigene Fähigkeit, Fragen zu stellen, die Grundlage jeglicher Forschung und des damit verbundenen Fortschritts darstellt. Zusammenarbeit mit anderen Fächern Griechisch bietet eine Fülle von Anknüpfungspunkten an andere Fächer: So greift der Sprachunterricht auf Kenntnisse und eingeübte Arbeitstechniken aus bereits bekannten Fremdsprachen zurück. Gleichzeitig leistet er auch seinerseits einen wesentlichen Beitrag zu einem vertieften sprachlichen Basiswissen, das sowohl in den anderen Fremdsprachen als auch im Deutschen nutzbar gemacht werden kann. Für das Verständnis der internationalen wissenschaftlichen Fachsprachen, die in ihrer Terminologie zu einem beträchtlichen Teil auf das Griechische zurückgreifen, werden im Griechischunterricht wichtige Grundlagen gelegt. Da die im Griechischunterricht behandelten Themen und Werke für die Kultur und Geisteswelt Europas grundlegend sind, lassen sich zahlreiche inhaltliche Bezüge zu anderen Unterrichtsfächern herstellen. Ergänzend zum griechischen Sprach- und Literaturunterricht ist – auch in fächerübergreifender Zusammenarbeit – eine Vielzahl von Projekten denkbar, bei denen nach Möglichkeit auch Eltern bzw. die interessierte Öffentlichkeit einbezogen werden sollten: Innerhalb des schulischen Rahmens lassen sich Ausstellungen, Diskussionsrunden, Vorträge, literarische Kreise, Übersetzungszirkel, Dia- und Multimediapräsentationen organisieren. Über den schulischen Rahmen hinausgehend bieten sich Theaterfahrten, Museums- und Ausstellungsbesuche sowie Stadtführungen und Fahrten vor dem thematischen Hintergrund der Antikenrezeption an. Auf Grund der engen historischen Beziehungen sollte besonderer Wert auf die Verbindung von Griechenland und Bayern im 19. Jahrhundert und ihr Fortwirken gelegt werden. Studienfahrten und Schüleraustausch ermöglichen vielfältige Begegnungen mit dem antiken und dem modernen Griechenland vor Ort. Das Fortleben des Altgriechischen im Neugriechischen wird im Unterricht bzw. durch schulische Projekte in geeigneter Form thematisiert. Ziele und Inhalte Jahrgangsstufen 8 und 9 Spracherwerbsphase, kulturgeschichtliches Grundwissen Jahrgangsstufe 10 Autorenlektüre: Platon, Dialoge; Xenophon, Memorabilien; Herodot, Historien; Homer, Odyssee

an Originale angelehnte, adaptierte Texte Originaltexte aus verschiedenen literarischen Gattungen

Jahrgangsstufen 11 und 12

Fachprofile

Gr

Griechisch

3

themenorientierte Lektüre: Originaltexte verschiedener Die Selbstfindung des Menschen Gattungen und Epochen

Auf dem in der Spracherwerbsphase und dem Lektüreunterricht vermittelten Grundwissen, das Kenntnisse, Fertigkeiten und Haltungen umfasst und für die Jahrgangsstufen 8 mit 10 ausgewiesen ist, baut der Unterricht in den jeweils nachfolgenden Jahren, auf. In der Spracherwerbsphase lernen die Schüler den schöpferischen Reichtum der griechischen Sprache kennen. Da das Griechische, ähnlich wie das Deutsche, über vielfältige Möglichkeiten der Wortzusammensetzung verfügt, ist der zu erlernende Grundwortschatz vergleichsweise gering, die Schüler sollen dafür die Fähigkeit entwickeln, die Bedeutung neuer Wörter aus bereits bekannten Bestandteilen zu erschließen. Auch in der Formenlehre werden sie im Sinne eines ökonomischen Lernens dazu angeleitet, die Vielfalt von Einzelformen systematisch auf eine begrenzte Zahl von Bauelementen zurückzuführen. Schon in den Jahrgangsstufen 8 und 9 eröffnet sich ein Einblick in die Entstehungsgeschichte so verschiedener, die europäische Kultur bis heute prägender Bereiche wie Literatur, Religion und Mythologie, Philosophie und Ethik, Politik, Gesellschaft und Geschichte, Mathematik, Naturwissenschaften und Medizin, Architektur, Bildende Kunst, Theater und Sport. Im Lektüreunterricht, der mit der Jahrgangsstufe 10 einsetzt, werden die im Sprachunterricht eingeübten Fähigkeiten und Kenntnisse erweitert und vertieft. Der Schwerpunkt liegt nun auf einer thematisch ausgerichteten Lektüre und Interpretation inhaltlich anspruchsvoller und kunstvoll gestalteter Texte, durch welche die Schüler einen Zugang zu den geistigen Leistungen der Griechen auf den verschiedensten Gebieten gewinnen. Durch die regelmäßige Interpretation der gelesenen Texte werden Methoden der systematischen Analyse, gedanklichen Gliederung und Darstellung anspruchsvoller Sachverhalte eingeübt. In den Mittelpunkt treten typisch griechische Denkmuster und Ausdrucksformen in Literatur, Philosophie, Wissenschaft und Kunst, die im Lateinischen und im Christentum stets weitergelebt haben, in der Renaissance auch im Original wiederentdeckt wurden und bis heute eine intensive Rezeption erfahren. Eine besondere Bedeutung kommt dabei Grundfragen menschlichen Daseins zu, die in der Antike exemplarisch aufgeworfen wurden und bis in die Gegenwart von entscheidender Bedeutung geblieben sind, z. B.: • Ist der Mensch frei oder determiniert (Homer, Ilias und Odyssee; Herodot, Historien)? • Welche Rolle spielt innere bzw. äußere Freiheit für den Menschen (Homer, Ilias und Odyssee; Herodot, Historien; Thukydides, Der Peloponnesische Krieg; Sophokles, Antigone; Platon, Dialoge)? • Welche Konsequenzen hat das Infragestellen absoluter ethischer Werte für das menschliche Zusammenleben (Sophisten; Platon, Dialoge)? • Führt das theoretische Wissen um richtiges Handeln zu einem entsprechenden Verhalten in der Praxis (Platon, Dialoge)? • Worin besteht menschliches Glück (Lyrik; Herodot, Historien; Platon, Apologie)? • Worin liegen die Möglichkeiten und Grenzen einer rein rationalen Wissenschaft (Vorsokratiker)? • Welche Staatsform ist die beste? Wie sehen die Wurzeln des Phänomens „Demokratie“ aus (Herodot, Historien; Platon, Politeia; Thukydides, Der Peloponnesische Krieg)? • Ist der Widerstand gegen einen Unrechtsstaat gerechtfertigt (Sophokles, Antigone)? • Worin liegen die Gefahren einer schrankenlosen Machtpolitik für Frieden und Gerechtigkeit unter Menschen und Völkern (Thukydides, Der Peloponnesische Krieg)? • Inwieweit kann bei der Darstellung politischer bzw. geschichtlicher Vorgänge Objektivität erreicht werden (Herodot, Historien; Thukydides, Der Peloponnesische Krieg)?

Spracherwerbsphase

Quellen der europäischen Kultur

Lektüreunterricht

Interpretation literarischer Texte

Grundfragen menschlicher Existenz

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36

Fachprofile

1

Moderne Frendsprachen

Moderne Fremdsprachen Sprachenvielfalt in Europa und der Welt

Sprachkompetenz

Interkulturelle Kompetenz

Mehrsprachigkeit Synergieeffekte

Bilingualer Unterricht

Selbstverständnis der Fächer Geographische Distanz hat in der modernen Welt an Bedeutung verloren; die vielsprachige Menschheit lebt in einem „globalen Dorf“. Für eine friedliche Verständigung ist es unabdingbar, dass möglichst viele Menschen über Sprachenkenntnisse und interkulturelle Kompetenz verfügen. Diese zentralen Qualifikationen erwerben die Schüler vor allem im Unterricht der modernen Fremdsprachen. Sie bereiten sich somit auf Herausforderungen in Studium, Beruf und Gesellschaft sowie ihre Teilhabe am kulturellen Leben vor, um Zukunft auch im internationalen Kontext mitgestalten zu können. Beitrag der Fächer zur gymnasialen Bildung und Persönlichkeitsentwicklung Wer eine fremde Sprache lernt, verändert sich; er überschreitet die Grenzen seiner muttersprachlichen Welt, macht sich mit fremden Lauten vertraut und erweitert seinen Horizont. Die Schüler erschließen sich mit dem Erlernen einer Fremdsprache ein neues sprachliches System mit anderen Ausdrucksmitteln und Strukturen. In der Begegnung mit einer Vielfalt von Texten gewinnen sie Einsicht in die Funktion und Wirkungsweise von Sprache; sie sollen für sprachliche und künstlerische Gestaltungsmittel sensibilisiert werden, Sinn für Ästhetik entwickeln und sich zu eigener sprachlicher Produktion anregen lassen. Die Erfahrung anderer kultureller Gegebenheiten und Denkweisen eröffnet ihnen neue Sichtweisen der Wirklichkeit. Beim Erlernen von modernen Fremdsprachen spielen das Erfassen sprachlicher Strukturen, der kreative Umgang mit Sprache, die Schulung von Gedächtnis und Konzentrationsfähigkeit sowie aufbauendes Lernen, Sorgfalt und Ausdauer eine wichtige Rolle. Die Schüler lernen, eine fremde Sprache zu verstehen und sich in dieser differenziert auszudrücken, und sie erwerben dabei die Grundlagen zum Verständnis der fremden Sprachgemeinschaft sowie die Voraussetzung für interkulturelle Handlungsfähigkeit. Bedingt dadurch verändert sich die Weltsicht der Schüler in zweierlei Hinsicht: im Blick auf die Unterschiede zwischen der fremden und der eigenen Kultur, aber auch und insbesondere in der Bewusstmachung von Gemeinsamkeiten. Sie sollen so die Bereitschaft entwickeln, Menschen aus anderen Sprach- und Kulturgemeinschaften zu akzeptieren und zu respektieren. Damit leistet der Unterricht in den modernen Fremdsprachen auch einen wichtigen Beitrag zur Friedenserziehung. Zusammenarbeit mit anderen Fächern Die modernen Fremdsprachen arbeiten eng zusammen, gerade auch im gemeinsamen Bemühen um Mehrsprachigkeit der Schüler. Mit dem Transfer von Kenntnissen, Fertigkeiten und Methoden erzielen die Schüler raschere Fortschritte beim Erlernen weiterer Fremdsprachen. Eine enge Abstimmung mit dem Fach Deutsch und den Klassischen Sprachen ist wichtig im Hinblick auf Strukturen und Funktionsweisen von Sprache sowie den Umgang mit Texten, insbesondere in der Begegnung mit Literatur. Im Umgang mit Film, Funk und Fernsehen bietet sich eine Zusammenarbeit der modernen Fremdsprachen mit dem Fach Deutsch und den musischen Fächern an. Weitere Schnittstellen ergeben sich mit Fächern aus dem gesellschaftswissenschaftlichen und dem naturwissenschaftlichen Bereich: Bei der Bearbeitung fremdsprachiger Sachtexte verknüpfen die Schüler ihre sprachlichen Fertigkeiten mit fachlichen Kenntnissen. Eine spezifische Ausprägung dieses interdisziplinären Lernens stellt der bilinguale Unterricht dar, der dem Prinzip des Perspektivenwechsels zwischen der eigenen Kultur und der des anderen Sprachraums in besonderer Weise Rechnung trägt. Im Fremdsprachenunterricht erwerben die Schüler die dafür notwendigen sprachlichen Kenntnisse und Fertigkeiten. Ziele und Inhalte Interkulturelle Kommunikations- und Handlungskompetenz auf der Grundlage sicherer sprachlicher Fertigkeiten und fundierter Kenntnisse sowie der Akzeptanz anderer Lebenswei-

Fachprofile Moderne Frendsprachen

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sen und Kulturen sind die übergeordneten Lernziele in den modernen Fremdsprachen. Darauf beziehen sich die folgenden Lernbereiche, die im Unterricht miteinander verknüpft sind: Lernbereich Sprache: Die Schüler sollen differenzierte kommunikative Fertigkeiten in der mündlichen und schriftlichen Sprachanwendung erwerben. Dies erfordert kontinuierlichen und systematischen Wortschatzerwerb, gründliche Ausspracheschulung und solide Grammatikarbeit. Die sprachlichen Mittel sind dabei kein Selbstzweck, sondern Grundlage für den selbständigen und korrekten Gebrauch der Fremdsprache; sie müssen in immer neuen Anwendungssituationen gefestigt und wiederholt werden. Die Beschreibung der Lernziele im Bereich der kommunikativen Fertigkeiten orientiert sich zur nationalen bzw. internationalen Vergleichbarkeit an den Bildungsstandards der KMK und am Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen. Sprachreflexion im Sinne der innersprachlichen Betrachtung von Strukturen, aber auch als Vergleich mit anderen Fremdsprachen, mit den Klassischen Sprachen, dem Deutschen und ggf. anderen Muttersprachen der Schüler sowie sprachgeschichtliche Einblicke unterstützen den Lernfortschritt und die Entwicklung ihres Sprachbewusstseins. Lernbereich Umgang mit Texten und Medien: Die Schüler lernen, Texte vielfältiger Art unter verschiedenen Gesichtspunkten zu erschließen und zu kommentieren, und sie entwickeln eine individuelle Lesekompetenz. Neben der Arbeit mit schriftlichen Texten, bei denen auch die Anwendung unterschiedlicher Lesestrategien trainiert wird, beschäftigen sie sich mit Hörtexten, Filmen bzw. Filmausschnitten sowie mit Cartoons, Photos und anderen visuellen und graphischen Darstellungen. Von Anfang an werden die Schüler durch altersgemäße Lesestoffe an die Begegnung mit Literatur herangeführt; so sollen sie Freude am Umgang mit Literatur entwickeln sowie zur Auseinandersetzung mit Wertvorstellungen und Fragen der sprachlichen Ästhetik angeregt werden. Die Interaktion von Leser und Text steht im Mittelpunkt; handlungs- und produktionsorientierte, die Kreativität anregende Methoden sowie formalanalytische Verfahren ergänzen sich gegenseitig und tragen zur intellektuellen wie ästhetischen Bildung bei. Mit dem Verfassen von fremdsprachigen Texten zu vielfältigen Kommunikationsanlässen, die adressatengerecht und sprachlich-stilistisch angemessen gestaltet sein sollen, bereiten sich die Schüler auf die unterschiedlichsten Situationen in Studium, Beruf und Privatleben vor. Dabei schulen sie ihre sprachpraktischen Fertigkeiten sowie ihre Fähigkeit zu logischer Gedankenführung und klarer Strukturierung; gleichzeitig werden sie angeregt, ihre Phantasie zu entfalten. Lernbereich Interkulturelles Lernen und Landeskunde: Kommunikation in einer Fremdsprache setzt nicht nur sprachliche Kenntnisse und Fertigkeiten voraus, sondern auch Wissen über gesellschaftliche und kulturelle Gegebenheiten. Die Schüler erwerben daher Kenntnisse über Geographie, Geschichte, Alltagsleben, Gesellschaft, Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Philosophie und Kunst der zielsprachlichen Kulturen. Themen von globaler Bedeutung werden aus der Perspektive der jeweiligen Zielkulturen behandelt, aber auch im fächerübergreifenden Zusammenwirken in Bezug zu anderen Kenntnissen und Erfahrungen gesetzt. Auf der Basis dieses Orientierungswissens und in der Auseinandersetzung mit anderen, zum Teil fremden Denkweisen und Traditionen sollen die Schüler andere Werte und Normen anerkennen sowie Achtung vor anderen Kulturen entwickeln. Durch Perspektivenwechsel und Vergleichen lernen sie Gemeinsamkeiten und Unterschiede kennen und gelangen so auch dazu, die eigene Kultur zu reflektieren und eigene Wertvorstellungen sowie Vorurteile zu hinterfragen. Lernbereich Lernstrategien und Methoden selbständigen Arbeitens: Partnerschaftliche Arbeitsformen, eine zunehmend selbständige Anwendung individuell geeigneter Methoden des Sprachenlernens wie auch die Reflexion über Lernprozesse und -fortschritte – etwa durch Nutzen des Europäischen Portfolios der Sprachen – bahnen eigenverantwortliches Lernen an und erlauben in wachsendem Maße die Übertragung von Lernerfahrungen auf

Kommunikation

Europäische Standards

Sprachbewusstsein

Lesekompetenz Hörverstehen Literatur

Texterstellung

Wissen über die Zielkulturen

Verstehen der Zielkulturen 37

Teamfähigkeit

Fachprofile

3

Moderne Frendsprachen

Lebenslanges Lernen

andere Bereiche. Sie legen so den Grundstein für lebenslanges Lernen und ermöglichen Mehrsprachigkeit. Die Schüler erwerben Medien- und Präsentationskompetenz, indem sie lernen, Informationen zu beschaffen, reflektiert auszuwerten und situations- und adressatengerecht in der Fremdsprache vorzustellen.

Gestufter Kompetenzerwerb in der Spracherwerbsphase

Die Schüler erwerben mit dem Erlernen der ersten Fremdsprache im Gymnasium, aufbauend auch auf den in der Grundschule vermittelten Fähigkeiten, Grundlagen für ihre Sprachlernkompetenz und ihr Sprachbewusstsein. Anhand altersgemäßer Themen und Methoden soll die Freude der Schüler an der Begegnung mit fremden Sprachen und Kulturen gefördert werden. Bei einer in Jahrgangsstufe 6 einsetzenden zweiten Fremdsprache können sie auf die beim Erlernen der ersten Fremdsprache erworbenen Kenntnisse, Fertigkeiten und Einstellungen zurückgreifen. Am Ende der Jahrgangsstufe 9 sollen sie in der ersten und zweiten modernen Fremdsprache gleichermaßen über grundlegende Kenntnisse und Kompetenzen in allen Lernbereichen verfügen. In den Folgejahren vertiefen und erweitern sie diese und übertragen sie auf neue Inhalte. Im Fall einer dritten modernen Fremdsprache können sie Sprachkenntnisse und Lerntechniken aus der ersten und zweiten Fremdsprache nutzen und dank ihrer altersgemäß höheren Abstraktionsfähigkeit schnelle Lernfortschritte erzielen. So erwerben sie in der ersten, zweiten und dritten modernen Fremdsprache bis zum Ende der Jahrgangsstufe 10 in unterschiedlicher Breite und Vertiefung die für die Arbeit in den Jahrgangsstufen 11 und 12 notwendigen sprachpraktischen, inhaltlichen und methodischen Voraussetzungen. Im themenorientierten Unterricht der Oberstufe sowie in den Seminaren bereiten sie sich durch wissenschaftspropädeutisches Arbeiten auf das anschließende Studium bzw. die Berufstätigkeit vor. Belegen die Schüler eine spätbeginnende Fremdsprache ab Jahrgangsstufe 10, so ist ihnen auf der Grundlage ihrer bereits vorhandenen Fremdsprachenkenntnisse ein effizienter, verstärkt eigenverantwortlicher Spracherwerb möglich. Die Schüler sollen die in den jeweiligen Jahrgangsstufen als Grundwissen ausgewiesenen zentralen Kenntnisse, Fertigkeiten und Haltungen jederzeit zur Verfügung haben, damit nachhaltiger Lernerfolg gewährleistet ist.

Themenorientiertes Arbeiten in der Oberstufe

Grundwissen

Authentische Materialien

Anwendungsbezug und Kreativität

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Kriterienorientierte Bewertung

Besonderheiten der modernen Fremdsprachen Im Unterricht sollen die Schüler grundsätzlich die Zielsprache verwenden. Zum Einhalten einer lexikalischen und grammatischen Progression ist in der Grundphase eine Orientierung des Unterrichts an den zugelassenen Lehrwerken hilfreich; das Lehrbuch ist jedoch nicht dem Lehrplan gleichzusetzen. Zur Förderung von interkulturellem Lernen und situationsgerechtem Sprachhandeln begegnen die Schüler vom ersten Lernjahr an – ggf. auch ergänzend zum Lehrbuch – motivierenden authentischen Materialien. Übungsformen und Leistungserhebungen sollen so vielfältig sein, dass sie im Lauf eines Schuljahres die vom Lehrplan geforderten unterschiedlichen Kenntnisse und Fertigkeiten sowie das Grundwissen einbeziehen. Aufgabenformen, die punktuelle Lernleistungen überprüfen, können im Einzelfall sinnvoll sein, jedoch werden von Anfang an regelmäßig und in zunehmendem Maße komplexere Aufgaben gestellt, bei denen die Schüler unterschiedliche Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten anwenden und die Fremdsprache in anwendungsbezogenen Situationen gebrauchen. Hörverstehen und Sprechen haben von Beginn an einen hohen Stellenwert in Übungsformen und Leistungserhebungen, von Einzel- über Partner- bis hin zu Gruppenprüfungen. Im Bereich der Sprachmittlung üben die Schüler das sinngemäße, freiere Dolmetschen und Übertragen in die bzw. das Zusammenfassen in der jeweils anderen Sprache. Die Übersetzung in die Fremdsprache hingegen wird nur punktuell und gezielt kontrastiv eingesetzt. Kriterienorientierte sowie transparente Korrektur und Bewertung, differenziert je nach Aufgabenform, kommunikativer Zielrichtung, Anspruchsniveau und der jeweiligen Lernstufe, begleiten die sprachlichen Äußerungen der Schüler und dienen der Sicherung ihres Lernfortschritts, nach Maßgabe der geltenden Richtlinien für den Unterricht in den modernen Fremdsprachen am bayerischen Gymnasium.

Fachprofile

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Englisch

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Englisch Das Fachprofil Englisch ist in Ergänzung zum Fachprofil Moderne Fremdsprachen zu lesen, das für alle modernen Fremdsprachen gilt. Bedeutung des Faches Im Englischunterricht erwerben die Schüler Sprachkenntnisse, die angesichts der zunehmenden politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Verflechtung der Länder Europas und der Welt eine immer größere Bedeutung gewinnen: Englisch wird als Mutter- und Nationalsprache sowie als Zweit- und Amtssprache von über einer Milliarde Menschen verwendet und spielt als weltweit führende Verkehrssprache (lingua franca) im Rahmen internationaler Zusammenarbeit und globalen Wettbewerbs eine herausragende Rolle als Mittel der Verständigung. In der berufsorientierten Kommunikation nimmt Englisch als internationale Konferenz- und Verhandlungssprache eine Schlüsselrolle ein. Fachwissenschaftlicher Austausch, insbesondere im technologisch-naturwissenschaftlichen Bereich, findet weitgehend in englischer Sprache statt. Dadurch wird eine differenzierte Sprachkompetenz im Englischen zur unverzichtbaren Voraussetzung für die Ausbildung und die Studierfähigkeit der Abiturienten. Im Englischunterricht der Oberstufe werden daher auch Sachtexte aus wirtschafts- und naturwissenschaftlichen Themenbereichen einbezogen, um die Schüler auf den Gebrauch des Englischen als internationale Wissenschaftssprache vorzubereiten. Einen wichtigen Beitrag hierzu leistet auch der bilingual erteilte Unterricht als spezifische Ausprägung fächerübergreifenden Lernens. Englisch ist jedoch nicht nur internationales Kommunikationsmedium, sondern auch eine Kultursprache, die den Zugang zur englischsprachigen Welt in ihrer kulturellen Vielfalt eröffnet. Durch die Vermittlung differenzierter soziokultureller Kenntnisse leistet der Englischunterricht einen Beitrag zur gymnasialen Bildung. Im Zentrum stehen dabei das United Kingdom und die USA; exemplarische Einblicke in weitere Länder bzw. Kulturräume der englischsprachigen Welt erweitern die Perspektive und machen die Rolle des Englischen als Weltsprache bewusst. Die Betrachtung der historischen und aktuellen Entwicklungen im europäischen Nachbarland Großbritannien und in den USA als Weltmacht mit einflussreichen Beziehungen zu Europa, insbesondere auch der Erfahrungen dieser Nationen als Immigrationsländer, trägt zur Entwicklung einer differenzierten Weltsicht bei. Dies hilft den Schülern, sich in einer zunehmend komplexen Welt zu orientieren. Die englische Sprache durchdringt unsere Alltagswelt und beeinflusst, besonders in den Bereichen der Werbung, der Unterhaltungsmedien und der Jugendkultur, die Haltungen und Einstellungen der Schüler. Die Rolle des Englischen als Welt- und Verkehrssprache sowie die damit verbundenen sprachlichen und kulturellen Einflüsse bewusst und der Reflexion zugänglich zu machen, ist eine wichtige Aufgabe des Englischunterrichts am Gymnasium. Indem der Unterricht Sensibilität im Umgang mit sprachlicher und kultureller Vielfalt vermittelt und zum Nachdenken über die eigene Situation und Lebensweise anregt, leistet er einen wesentlichen Beitrag zur Persönlichkeitsbildung der Jugendlichen. Ziele und Inhalte Englisch wird am Gymnasium als erste oder zweite Fremdsprache und ggf. als Seminar in den Jahrgangsstufen 11 und 12 angeboten. Entsprechend der Sprachenfolge sind die Ziele und Akzentsetzungen des Unterrichts unterschiedlich ausgeprägt. Ist Englisch erste Fremdsprache, hat der Unterricht – aufbauend auf den in der Grundschule erworbenen Kenntnissen und Fertigkeiten der Schüler – Modellfunktion für das Erlernen weiterer Fremdsprachen: Die Vermittlung einer grundlegenden Sprachlernkompetenz (v. a. durch Arbeitstechniken und Lernstrategien, Nutzung des Europäischen Portfolios der Sprachen), die Schaffung von Sprachbewusstsein (v. a. durch Sprachvergleich mit der Muttersprache) und die Förderung positiver Grundeinstellungen für das interkulturelle Lernen (v. a. durch

Internationale Verkehrssprache

Perspektiven für Studium und Beruf

Bilingualer Unterricht

Kultursprache

Orientierung in der modernen Welt

Persönlichkeitsbildung

Sprachenfolge und Mehrsprachigkeit 39

40

E

Fachprofile

2

Englisch

Lernfortschritt durch Transfer Kommunikative Kompetenz

Wortschatz

Standards und Zertifikate

Förderung der Ausdrucksfreude

Soziokulturelle Kenntnisse und interkulturelle Einsichten

Persönliche Kontakte

Texte

Musik, Film, Theater

Literatur

gezieltes Einbeziehen der Kulturen der Zielsprache, aber auch anderer Herkunftskulturen der Schüler) bereiten auf den Erwerb weiterer Fremdsprachen vor. Ist Englisch zweite Fremdsprache, baut der Unterricht auf die sprachlichen und methodischen Vorkenntnisse aus der vorhergehenden Fremdsprache auf und nutzt diese gezielt für Transfermöglichkeiten. Dadurch werden raschere Lernfortschritte ermöglicht. In einem praxis- und anwendungsorientierten Englischunterricht erwerben die Schüler die nötigen Kompetenzen, um vielfältige mündliche und schriftliche Kommunikationssituationen in Studium, Beruf und Privatleben sicher und flexibel zu bewältigen. Von besonderer Bedeutung für das Englische ist hierbei neben dem Erlernen von Aussprache und Intonation sowie der Beherrschung grammatischer Strukturen der Erwerb eines umfangreichen und differenzierten Wortschatzes, unter besonderer Berücksichtigung von Kollokationen und idiomatischen Wendungen. Der Unterricht orientiert sich an der Standardsprache, wobei britisches und amerikanisches Englisch in gleicher Weise als Sprachnorm akzeptiert werden. Im Rahmen des Hörverstehens begegnen die Schüler zudem wichtigen regionalen und sozialen Varianten des Englischen. Die Rückbindung der sprachlichen Leistungen an europäische Standards, die im Lehrplan für jede Jahrgangsstufe ausgewiesen sind, ermöglicht den Schülern, ihre sprachliche Kompetenz einzuschätzen, und erleichtert ihnen den Erwerb von Sprachzertifikaten (z. B. die Zertifikate des Cambridge Institute). Durch eine Vielfalt von Themen, Situationen und Sprechanlässen soll der Englischunterricht den Schülern Gelegenheit bieten, sich möglichst unbefangen in der Fremdsprache zu äußern. Eine methodisch vielfältige und schülerzentrierte Unterrichtsgestaltung, die den Mitteilungsbedürfnissen der Schüler entgegenkommt und sie die Anwendung des Englischen als sinn- und bedeutungsvoll erfahren lässt, sowie die Behandlung von Themen und Texten, die die Schüler persönlich ansprechen und Raum für eigenständige Äußerungen bieten, sind besonders geeignet, die Ausdrucksfreude zu fördern. Um mit englischsprachigen Partnern auf einer breiten Basis kommunizieren zu können, müssen die Schüler neben sprachlichen Kompetenzen auch über differenzierte soziokulturelle Kenntnisse verfügen, die die Grundlage bilden für ein Verständnis anderer Lebensweisen in ihrer kulturellen und historischen Bedingtheit. Indem sie sich mit anderen Lebensgewohnheiten und Traditionen, mit Geschichte, Kultur und mit den gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Verhältnissen in den Zielländern auseinandersetzen, werden sie zur Reflexion eigener Verhaltensnormen angeregt; sie lernen, stereotypen Vorstellungen kritisch gegenüberzutreten und anderen Wertvorstellungen offen und unvoreingenommen zu begegnen. Internationale Kontakte, z. B. in Form von Schüleraustausch oder Schulpartnerschaft, bieten Möglichkeiten der persönlichen Begegnung, in denen die Schüler ihre Sprach- und Kulturkenntnisse in realen Situationen anwenden können. Die Nutzung elektronischer Medien, z. B. bei Aktivitäten wie E-Mail-Projekten, begünstigt die Ziele interkulturellen Lernens. Im Englischunterricht lernen die Schüler auch, mit einer Vielfalt von Sach- und Gebrauchstexten sowie Texten der englischsprachigen Literatur – in altersgemäßer Progression und Themenauswahl – bewusst und zunehmend selbständig umzugehen. Ausschnitte aus Rundfunk- und Fernsehsendungen sowie die Einbeziehung von Musik, Film und Theater vermitteln ein möglichst authentisches Bild englischsprachiger Kulturen; dabei lernen die Schüler auch wichtige englischsprachige Medien kennen. Durch die Auswahl geeigneter Lektüren bzw. literarischer Texte soll die Freude am Lesen geweckt und aufrechterhalten werden. Die Möglichkeit der Verknüpfung von landeskundlichen Themen und Literatur soll dabei intensiv genutzt werden. Die Einsicht in die gesellschaftliche und historische Bedingtheit sowie die überzeitliche Bedeutung von Literatur (z. B. Shakespeare) fördert ein tieferes Literaturverständnis.

Fachprofile

F

Französisch

1

Französisch Dieses Fachprofil ist in Ergänzung zum Fachprofil Moderne Fremdsprachen zu lesen, das für alle modernen Fremdsprachen gilt. Bedeutung des Faches Die Weltsprache Französisch ist Muttersprache vieler Menschen, Amtssprache in zahlreichen Ländern und Verkehrssprache in den Vereinten Nationen, in der Europäischen Union, im Europarat und in weiteren internationalen Organisationen. Französischkenntnisse ermöglichen den Schülern die Kommunikation mit unserem Partnerland Frankreich und dessen überseeischen Gebieten, unseren anderen französischsprachigen Nachbarn und der Frankophonie in ihrer kulturellen Vielfalt. Schüler mit Französischkenntnissen verstehen und erlernen zudem leichter andere, insbesondere weitere romanische Sprachen. Von der französischen Kultur sind in Europa seit dem Mittelalter richtungweisende Impulse ausgegangen. Gotik, Absolutismus und Aufklärung, Menschenrechte und Code Napoléon, Realismus, Impressionismus, Avantgarde und Nouvelle Vague sind Beispiele dafür, in welch entscheidendem Maß Frankreich die europäische Kultur- und Geistesgeschichte geprägt hat. Große französische Schriftsteller wie Molière, Descartes, Voltaire, Rousseau, Hugo, Balzac, Flaubert und Sartre sowie viele andere haben prägend zur gemeinsamen europäischen Identität beigetragen. Von französischen Philosophen und Forschern stammen bedeutende Theorien und Erkenntnisse im Bereich der Wissenschaften; Frankreich nimmt eine wichtige Rolle in Technologie und Wirtschaft wahr. Im Unterricht können die Schüler die Ausstrahlung Frankreichs in Vergangenheit und Gegenwart nacherleben, indem sie sich mit ausgewählten Werken und Persönlichkeiten aus Literatur, Theater und Film, Wissenschaft und Philosophie, Bildender Kunst, Musik und Architektur beschäftigen. Gleichzeitig treten ihnen Spannungen unserer Zeit unmittelbar vor Augen, indem sie sich beispielsweise mit Problemen gesellschaftlicher Randgruppen, Fragen der „Einen Welt“ und Erfahrungen Frankreichs und Kanadas als Immigrationsländer auseinandersetzen. Sie erfahren Bedeutsames über Geschichte, Kultur und Gesellschaft Frankreichs, lernen Belgien, die französischsprachige Schweiz, Québec, ein Land des Maghreb und weitere frankophone Gebiete kennen. Sie vergleichen Gewohnheiten im Bereich von Familie und Alltagsleben mit ihren eigenen Erfahrungen und begegnen Traditionen und Phänomenen, in denen sich die spezifisch französische Ausprägung in Kultur und Zivilisation besonders deutlich zeigt, etwa in der Pflege und Wertschätzung der eigenen Sprache und in der öffentlichen Rolle von Schriftstellern, Künstlern oder Philosophen. Die Geschichte Europas vom frühen Mittelalter bis zur Gegenwart ist zu einem großen Teil auch die des wechselvollen deutsch-französischen Verhältnisses. In Europa hat die deutsch-französische Zusammenarbeit die historische und in der Weltgeschichte bisher wohl einmalige Aufgabe übernommen, Vorbild und Antrieb für einen neuen Typ internationaler Beziehungen zu sein. Das Ergründen und Verstehen dieses komplexen Verhältnisses in exemplarischen Bereichen ist daher ein wichtiges Anliegen des Unterrichts. Die Schüler sollen das in Frankreich herrschende Deutschlandbild sowie die Vorstellungen über Frankreich in Deutschland hinterfragen und den Prozess der europäischen Einigung auch vor diesem Hintergrund verstehen. Im Bereich des interkulturellen Lernens werden vielfältige Brücken zu Frankreich und der Frankophonie geschlagen, und die Schüler erwerben wertvolles Wissen für ihre Teilhabe am gesellschaftlich-kulturellen Leben. Die Beschäftigung mit der französischen Sprache und Kultur unterstützt sie in ihrer Persönlichkeitsentwicklung, trägt wesentlich zu ihrer ästhetischen Bildung bei und kann ihnen zudem Anregungen für eine sinnvolle Gestaltung ihrer Freizeit liefern. Die im Französischunterricht erworbenen Kenntnisse können ihnen auch auf Reisen und in ihrem späteren Berufsleben von großem Nutzen sein. Im Elysée-Vertrag von 1963 haben Deutschland und Frankreich sich dazu verpflichtet, das Erlernen der Sprache des Partners besonders zu fördern. Partnerschaften und Fördermaßnahmen auf verschiedenen Ebenen im schulischen sowie im außerschulischen Bereich,

Partnersprache Französisch Frankreich und die Frankophonie Mehrsprachigkeit Europäisches Erbe

Literatur, Philosophie, Wissenschaft und Kunst

Die deutsch-französische Zusammenarbeit und Europa

41

F

Fachprofile

2

Französisch

Perspektiven für Studium und Beruf

Bilingualer Unterricht

Förderung der Ausdrucksfreude Literatur, Musik, Film

Lebensbezug

Persönliche Kontakte

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Lebenslanges Lernen

Sprachzertifikate

insbesondere die Aktivitäten des Deutsch-französischen Jugendwerks, ermöglichen den Schülern Begegnungen mit Jugendlichen aus dem Nachbarland. Auch intensiviert sich gerade im Bildungsbereich die deutsch-französische Zusammenarbeit durch die zunehmende Einrichtung gemeinsamer Studiengänge und von Hochschulpartnerschaften. Frankreich ist der wichtigste Handelspartner Deutschlands; Bayern kooperiert eng mit Québec und Regionen des Grand Sud (Südfrankreich). Diese Beziehungen erfassen Wirtschaft, Kultur und Politik, sodass die Schüler mit soliden Französischkenntnissen ihre beruflichen Perspektiven auch im Hinblick auf den Weltmarkt erheblich erweitern. Aufenthalte und Praktika im französischsprachigen Ausland können den Schülern interessante Einblicke in das Arbeitsleben und weiterführende Kontakte vermitteln. Auch können Französischlernende mit dem bilingualen Unterricht viele Zusatzqualifikationen für Studium und Beruf erwerben, an einigen Gymnasien auch gleichzeitig die deutsche Hochschulreife und das französische Baccalauréat („Abi-Bac“). Ziele und Inhalte Entsprechend der Sprachenfolge sind die Ziele und Akzentsetzungen des Französischunterrichts (erste, zweite, dritte oder spätbeginnende Fremdsprache, Seminare) unterschiedlich ausgeprägt. Bei Französisch als erster Fremdsprache erwerben die Schüler – auch modellhaft für das Erlernen weiterer Fremdsprachen – eine grundlegende Sprachkompetenz, Sprachbewusstsein sowie positive Grundeinstellungen für das interkulturelle Lernen. Ist Französisch zweite, dritte oder spätbeginnende Fremdsprache, so nutzen die Schüler gezielt ihre sprachlichen und methodischen Vorkenntnisse und können so rasche, motivierende Lernfortschritte erzielen. Die von den Schülern produktiv zu erlernende sprachliche Ausgangsnorm ist das français standard. Zudem üben sie sich im Verstehen wichtiger sozialer und regionaler Varianten des Französischen. Damit sie das Französische von Anfang an möglichst unbefangen verwenden, werden manche grammatische Phänomene entweder gänzlich lexikalisch vermittelt oder aber nach ihrer Einführung als Wortschatzeinheiten in einer späteren Jahrgangsstufe als Kapitel der Grammatik systematisiert. Vielfältige Themen, praxis- und anwendungsbezogene Situationen, motivierende Sprech- und Schreibanlässe, handlungsorientierte und schülerzentrierte Methoden sollen die Schüler zu eigenen Äußerungen ermutigen, ihre Kreativität wecken und ihre Freude am Französischen fördern. In Ergänzung zum Lehrwerk begegnen sie von Anfang an in altersgemäßer Progression und Themenauswahl authentischen Texten, gerade auch anhand von Beispielen aus der Literatur, beschäftigen sich mit dem französischen Film und begegnen klassisch-traditioneller und moderner Musik aus dem französischen Sprachraum. Die Tradition des französisch-belgischen Comics (bande dessinée) spielt eine wichtige Rolle. Die Schüler erwerben solide soziokulturelle Kenntnisse über Frankreich sowie – in Auswahl – die französischsprachige Welt; authentische Dokumente machen die Lebenswirklichkeit in Frankreich und anderen französischsprachigen Ländern transparent. So werden die Schüler zum Umgang mit französischen Originaltexten ermutigt; die zunehmende Sicherheit im Lesen und Hören des Französischen und Kontakte mit französischsprachigen Jugendlichen, die sie im Schüleraustausch, auf Studienfahrten oder via Brief bzw. Internet knüpfen können, sollen ihnen – auch unter Nutzung des Europäischen Portfolios der Sprachen – Anreiz sein zu einer selbständigen Beschäftigung mit der französischen Sprache und Kultur. Im Anschluss an die Spracherwerbsphase fördert der themenorientierte, unterschiedliche kulturelle und gesellschaftliche Aspekte zunehmend verknüpfende Unterricht in der Oberstufe und in den Seminaren exemplarisch ein vertieftes Literaturverständnis sowie die Weiterentwicklung landeskundlicher wie interkultureller und methodischer Kompetenzen und motiviert für ein lebenslanges Lernen. Die Schüler erwerben so die nötigen Kompetenzen, um vielfältige mündliche und schriftliche Kommunikationssituationen in Privatleben, Studium und Beruf sicher und flexibel in französischer Sprache zu bewältigen. Sie verfügen damit auch über die sprachlichen Voraussetzungen für den Erwerb der vom französischen Staat verliehenen, weltweit gültigen Zertifikate DELF (Diplômes d‘Études en Langue Française).

Fachprofile

It

Italienisch

Italienisch Dieses Fachprofil ist in Ergänzung zum Fachprofil Moderne Fremdsprachen zu lesen, das für alle modernen Fremdsprachen gilt. Bedeutung des Faches Italienisch ist die Muttersprache der Bürger Italiens, der Einwohner der Südschweiz (Tessin) und von Teilen Istriens. Zudem gewinnt es als Verkehrssprache innerhalb der Europäischen Union an Bedeutung. Das Italienische wird außerdem von zahlreichen Emigranten in der ganzen Welt weiter gepflegt. Seit Jahrhunderten ist Italien Ziel und Inspirationsquelle für Reisende. Es beherbergt mehr Stätten, die von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurden, als jedes andere Land. Italien ist durch seine wirtschaftliche und politische Bedeutung eine der führenden Industrienationen und durch den prägenden Einfluss vieler seiner kulturellen Errungenschaften ein bedeutendes europäisches Partnerland und, nicht zuletzt durch die geographische Nähe, der wichtigste Handelspartner Bayerns. Von Anfang an wurde der europäische Integrationsprozess von Italien mitgestaltet. Mit dem Italienischen erlernen die Schüler eine Sprache, die sie in vielfältigen Zusammenhängen anwenden können. Zudem sind die erworbenen Kenntnisse für sie hilfreich beim Erlernen weiterer, insbesondere romanischer Sprachen und leisten somit einen Beitrag zur Mehrsprachigkeit. Eine Vielzahl von Städte- und Schulpartnerschaften ermöglicht intensive Begegnungen durch Austauschprogramme und die Teilnahme an europäischen Bildungsprojekten, wodurch die Schüler – auch unter Nutzung des Europäischen Portfolios der Sprachen – zur selbständigen Beschäftigung mit der italienischen Sprache und Kultur angeregt werden. Zahlreiche deutsche Hochschulen kooperieren mit italienischen Universitäten. Die im Italienischunterricht erworbenen Kenntnisse ermöglichen den Erwerb von Sprachzertifikaten, die bei Bewerbungen um Studienplätze, Praktika oder Arbeitsstellen hilfreich sind, und eröffnen interessante berufliche Perspektiven. Ziele und Inhalte Italienisch wird im Wahlpflichtbereich als dritte Fremdsprache, als neu einsetzende spätbeginnende Fremdsprache und ggf. als Seminar in den Jahrgangsstufen 11 und 12 angeboten. Im Italienischunterricht erwerben die Schüler eine über Alltagssituationen hinausgehende, allgemeine Kommunikationsfähigkeit. Die Nähe von Lautung und Schreibung erleichtert den Einstieg und führt rasch zu Erfolgserlebnissen. Durch die Begegnung mit Italien und der kulturellen Vielfalt seiner Regionen vertiefen die Jugendlichen ihre Allgemeinbildung. Sie beschäftigen sich mit gesellschaftlichen und politischen Inhalten und setzen sich mit historischen und aktuellen Werthaltungen und Ideen auseinander. Dies wird gestützt durch vielfältige Kontakte mit italienischen Muttersprachlern, nicht zuletzt mit den in Bayern lebenden Italienern. Die Auswahl der Themen berücksichtigt die Interessen der Jugendlichen und soll sie für die Begegnung mit Italienern und für den Reichtum in Kunst, Kultur und Lebensart Italiens empfänglich machen und begeistern. Die bedeutende Rolle Italiens in der europäischen Kultur eröffnet Möglichkeiten des fächerübergreifenden Arbeitens, etwa im Bereich der Kunst und Philosophie der Renaissance (z. B. Leonardo da Vinci, Michelangelo, Machiavelli), der Oper (z. B. Verdi), des Filmschaffens (z. B. Fellini, Visconti) bis hin zu aktuellen Entwicklungen in Design und Architektur. Die Schüler begegnen klassischen wie modernen Autoren der italienischen Literatur (z. B. Dante, Petrarca, Goldoni, Manzoni, Pirandello, Montale, Ginzburg, Eco) und gewinnen einen Einblick in deren wichtigste Epochen im Kontext der Weltliteratur. Durch den Erwerb grundlegenden historischen, geographischen und politischen Wissens erhalten die Schüler in enger Verbindung mit Einblicken in die italienische Alltagsrealität und wachsenden Sprachkenntnissen eine breite interkulturelle Kompetenz. Im landeskundlichen Unterricht, der die besondere Beziehung Bayerns zu Italien in einem Europa der Regionen berücksichtigt, gewinnen sie ein differenziertes und vorurteilsfreies Bild Italiens jenseits von Tourismus und Klischees.

Partnersprache Italienisch

Weltkulturerbe

Rolle Italiens in Europa

Mehrsprachigkeit Partnerschaften

Zertifikate Berufsperspektiven

Kommunikationsfähigkeit

Aktuelle Fragestellungen Begegnung mit italienischer Kultur

Italienische Literatur 43

Interkulturelle Kompetenz

Ru

Fachprofile Russisch

Russisch Dieses Fachprofil ist in Ergänzung zum Fachprofil Moderne Fremdsprachen zu lesen, das für alle modernen Fremdsprachen gilt.

Bedeutendste slawische Sprache UNO-Amtssprache Weltweite Verkehrssprache

Wissenschaftssprache Berufsperspektiven

Schlüssel zu slawischen Sprachen Mehrsprachigkeit

Gymnasiale Bildung

Soziokulturelle Kenntnisse Interkulturelle Einsichten und Erfahrungen

Russische Literatur

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Sprachzertifikate

Bedeutung des Faches Russisch ist die am weitesten verbreitete slawische Sprache und der Schlüssel zur slawischen Welt. Als Amtssprache der Russischen Föderation reicht das Verbreitungsgebiet des Russischen von der Ostsee bis zum Pazifik. Es ist auch eine der fünf Amtssprachen der Vereinten Nationen. Das kyrillische Alphabet, dessen sich das Russische bedient, wird mit geringfügigen Abwandlungen z. B. auch in der Ukraine und Bulgarien verwendet. Innerhalb Europas ist Russisch die meistgesprochene Muttersprache. Deshalb spielt sie von allen slawischen Sprachen die größte Rolle am Gymnasium. Russisch dient in vielen Gegenden der Welt – auch in Deutschland – als Mittel der Verständigung, da es die am häufigsten gesprochene Emigrantensprache ist. Als Wissenschaftssprache hat Russisch großes Gewicht, weil Russland ein in sehr hohem Maße innovatives Land auf technischem Gebiet ist. Russischkenntnisse sind unabdingbar für alle, die auf dem russischen Markt erfolgreich tätig werden wollen. Mit dem Russischen erlernen die Schüler eine Sprache, die sie – auch unter Nutzung des Europäischen Portfolios der Sprachen – in vielfältigen beruflichen und privaten Zusammenhängen, z. B. auch im Kontakt mit in Deutschland lebenden Emigranten, anwenden können. Russischkenntnisse erleichtern nicht nur das Erlernen anderer slawischer Sprachen wie Polnisch, Tschechisch, Slowakisch, Slowenisch oder Kroatisch, sondern auch das Verstehen slawischer Begriffe und Kulturen im deutschen Sprachraum (z. B. der Sorben). Der Russischunterricht eröffnet den Zugang zu den Kulturräumen Ost- und Südosteuropas sowie Nord- und Mittelasiens. Durch die Begegnung mit Russland vertiefen die Jugendlichen ihre gymnasiale Allgemeinbildung. Ihnen wird ein unmittelbarer Zugang zu Menschen und Lebensweisen, zu kulturellen und politischen Traditionen, zu Wirtschaftsräumen und Reiseregionen eröffnet, der sich sonst nicht leicht erschließen lässt. Ziele und Inhalte Russisch wird im Wahlpflichtunterricht als dritte Fremdsprache, als neu einsetzende spätbeginnende Fremdsprache sowie ggf. als Seminar in den Jahrgangsstufen 11 und 12 angeboten. Interkulturelles Lernen ist wesentlicher Bestandteil des Russischunterrichts und der damit verbundenen Austauschmaßnahmen und Begegnungen. Um die „russische Seele“ in möglichst vielen Nuancen kennenzulernen, erhalten die Schüler einen vertieften Einblick in unterschiedliche landeskundliche Themen wie z. B. Familien- und Schulalltag, Feste und Bräuche, Bedeutung der Russisch-Orthodoxen Kirche, gesellschaftliche Gepflogenheiten, typische Gesten oder die Ausbildung russischer Jugendlicher. Es werden vor allem solche Aspekte thematisiert, die sich von den entsprechenden landeskundlichen Aspekten in Deutschland unterscheiden und Russland seine Besonderheit verleihen; enge – auch historische – Verbindungen werden genauso herausgestellt. Im Russischunterricht beschäftigen sich die Jugendlichen mit Autoren, die zu den Klassikern der Weltliteratur gehören (z. B. Puschkin, Gogol, Dostojewskij, L. N. Tolstoj, Tschechow, Achmatowa), aber auch mit den Werken zeitgenössischer Autoren (z. B. Solschenizyn, Brodskij). Die Auswahl der Themen berücksichtigt die Interessen der Jugendlichen und zielt darauf ab, sie für den Kontakt mit Russen und russischsprachigen Personen sowie für Kultur und Lebensart Russlands empfänglich zu machen und zu begeistern. Die im Lauf einer Jahrgangsstufe erworbenen Fertigkeiten und Kenntnisse im sprachlichen Bereich entsprechen bestimmten Stufen offiziell anerkannter russischer Sprachzertifikate, die eine Hochschulzugangsberechtigung im russischsprachigen Raum verleihen.

Fachprofile

Sp

Spanisch

Spanisch Dieses Fachprofil ist in Ergänzung zum Fachprofil Moderne Fremdsprachen zu lesen, das für alle modernen Fremdsprachen gilt. Bedeutung des Faches Spanisch ist Muttersprache vieler Menschen, offizielle Sprache in zahlreichen Ländern, Arbeitssprache in internationalen Organisationen und somit eine der meist gesprochenen Sprachen der Welt. Spanischkenntnisse eröffnen den Schülern den Zugang zum spanischen Sprachraum, der von wachsender wirtschafts- und geopolitischer Bedeutung ist. Besonders in den USA steigt der Anteil der spanischsprachigen Bevölkerung. Mit Spanischkenntnissen erhalten die Schüler die Möglichkeit zur intensiven Auseinandersetzung mit Denk- und Lebensweisen in der spanischsprachigen Welt, deutlich über Klischees oder auch rein touristische Interessen hinaus. Im Spanischunterricht erfahren die Schüler Grundlegendes über Kulturräume, in denen seit Jahrhunderten interkulturelle Begegnung mit ihren Chancen und Risiken gelebt wird und von denen die Welt wichtige Impulse erfahren hat: Sie lernen die Epoche der arabischen Herrschaft auf der iberischen Halbinsel und ihre Bedeutung für Spanien und Europa kennen, begegnen präkolumbischen Hochkulturen, entwickeln ein Bewusstsein für das wechselseitige Verhältnis zwischen Europa und Hispanoamerika und gewinnen weitere Einblicke in Geographie, Gesellschaft, Politik, Wirtschaft und andere Bereiche der Kulturen Spaniens und – in Auswahl – Hispanoamerikas. Im Bereich des Bildungswesens bestehen enge Beziehungen zwischen Deutschland und spanischsprachigen Ländern: Partnerschaften auf vielen Ebenen bieten den Schülern Begegnungsmöglichkeiten; Kooperationen mit Hochschulen und Universitäten im spanischen Sprachraum eröffnen ihnen zahlreiche Perspektiven. Gerade auch in Folge des Ausbaus der Wirtschaftsbeziehungen Deutschlands mit Spanien und Hispanoamerika können Spanischkenntnisse beruflich von großem Nutzen sein. Sie erleichtern zudem das Erlernen weiterer romanischer Sprachen. Ziele und Inhalte Spanisch wird im Wahlpflichtbereich als dritte Fremdsprache, als neu einsetzende spätbeginnende Fremdsprache sowie als Seminar angeboten. Dank der engen Beziehungen zwischen Lautung und Schreibung können die Schüler Aussprache und Orthographie schnell erlernen. Ihre bereits vorhandenen Sprachkenntnisse sind ihnen von großem Nutzen bei der Aneignung des Wortschatzes und der Strukturen des Spanischen und ermöglichen einen raschen, motivierenden Lernfortschritt. Die steile Progression stellt einerseits hohe Anforderungen an Arbeitshaltung und Selbständigkeit der Schüler, andererseits kann sie – auch unter Nutzung des Europäischen Portfolios der Sprachen – deren Freude an der spanischen Sprache und an der Weiterentwicklung ihrer Kommunikationsfähigkeit und ihrer interkulturellen Kompetenz fördern. Die Schüler begegnen journalistischen Texten ebenso wie inhaltlich ansprechenden und ästhetisch reizvollen Beispielen einer Literatur von Weltgeltung. Am Beispiel einzelner Länder und im Spiegel von Medien, Filmschaffen, Kunst und Literatur setzen sie sich in je altersgemäßer Weise mit aktuellen Phänomenen auseinander und lernen auch deren historische Hintergründe kennen. Bekannte Figuren – von Don Quijote bis hin zu Carmen – und herausragende Persönlichkeiten wie Moctezuma und Malinche, Vargas Llosa und García Márquez, Velázquez, Goya, Picasso und Frida Kahlo lassen Erbe und Gegenwart dieser vielfältigen Kulturräume plastisch werden. Die von den Schülern produktiv zu erlernende sprachliche Form soll dem peninsularen Spanisch oder aber einem der hispanoamerikanischen Standards entsprechen. Im rezeptiven Bereich begegnen die Schüler Varianten aus dem gesamten spanischen Sprachraum. Mit den im Unterricht erworbenen Fertigkeiten verfügen sie auch über die für den außerschulischen Erwerb der offiziellen spanischen Sprachzertifikate D.E.L.E. (Diplomas de Español como Lengua Extranjera) notwendigen sprachlichen Voraussetzungen.

Weltsprache Spanisch

Schlüssel zum Weltkulturerbe

Kontakte Berufsperspektiven Mehrsprachigkeit

Motivierender Lernfortschritt

Kommunikationsfähigkeit

Aktuelle Fragestellungen

45

Sprachzertifikate

Chi

Fachprofile Chinesisch

Chinesisch Dieses Fachprofil ist in Ergänzung zum Fachprofil Moderne Fremdsprachen zu lesen, das für alle modernen Fremdsprachen gilt.

Welt- und Amtssprache der UNO

Schlüssel zu einer Vielzahl ost- und südostasiatischer Sprachen Weltmacht China

Mehrsprachigkeit Berufsperspektiven Gymnasiale Bildung

Interkulturelle Einsichten und Erfahrungen Soziokulturelle Kenntnisse

Chinesische Literatur

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Sprachzertifikat

Bedeutung des Faches Chinesisch ist die meist gesprochene Muttersprache der Welt und Amtssprache der Vereinten Nationen; neben Englisch und Spanisch wird es voraussichtlich in naher Zukunft eine der drei Weltsprachen sein. Sprache und Schrift der Chinesen sind Schlüssel zur gesamten ost- und südostasiatischen Welt: Die mehrere Jahrtausende alte chinesische Schrift hat zahlreiche Schrift- und Sprachgefüge geprägt, z. B. in Japan, Vietnam, Thailand und Korea. Heute wird Chinesisch nicht nur in der Volksrepublik China, auf Taiwan und in Singapur gesprochen, sondern z. B. auch in Malaysia, in Thailand und auf den Philippinen – wo jeweils relativ große chinesische Bevölkerungsgruppen leben –, und nicht zuletzt auch in Europa und in den USA, da es hier eine zusehends anwachsende Zahl chinesischsprachiger Emigranten gibt. Die Bedeutung Chinas in der Welt erfordert eine konstruktive Auseinandersetzung mit diesem Land; bedeutende ökonomische, ökologische und politische Verflechtungen machen einen differenzierten Einblick in Chinas Traditionen und in die Lebens- und Denkweise seiner Bevölkerung unabdingbar. Entsprechende Kenntnisse sind deshalb von herausragender Bedeutung; dabei ist das Erlernen der chinesischen Sprache gerade für deutsche Schüler im Hinblick auf berufliche Perspektiven besonders attraktiv, da noch immer nur relativ wenige Deutsche über Chinesischkenntnisse verfügen. Durch die Begegnung mit China vertiefen die Jugendlichen ihre gymnasiale Allgemeinbildung. Ihnen wird ein Zugang zu Menschen, Wirtschaftsräumen und Reiseregionen eröffnet, der sich sonst nur schwer erschließen lässt. Ziele und Inhalte Chinesisch wird im Wahlpflichtunterricht als neu einsetzende spätbeginnende Fremdsprache sowie als Seminar in der Oberstufe angeboten. Interkulturelles Lernen ist wesentlicher Bestandteil des Chinesischunterrichts und der damit verbundenen Schülerbegegnungen. Um die chinesische Lebenswelt in Tradition und Gegenwart möglichst nuanciert kennenzulernen, erhalten die Schüler einen vertieften Einblick in landeskundliche Themen wie z. B. Familien- und Schulalltag, Feste und Bräuche, sie befassen sich aber auch mit unterschiedlichen Kunstformen wie Film oder Kalligraphie, mit der Bedeutung der klassischen Philosophen Konfuzius und Laozi sowie mit Literatur und Gesellschaftssystem der Moderne, auch im Hinblick auf historische wie aktuelle Verbindungen zu Deutschland und dem Westen allgemein. Im Chinesischunterricht beschäftigen sich die Jugendlichen anhand vereinfachter Originaltexte mit Werken, die zur Weltliteratur gehören (z. B. Sprüche des Konfuzius, Gedichte des Tang-Dichters Li Bai, Ming-Romane oder Erzählliteratur des 20. Jahrhunderts, etwa von Lu Xun), aber auch mit den Werken zeitgenössischer Autoren (z. B. des Lyrikers Gu Cheng oder des Nobelpreisträgers Gao Xingjian). Die Auswahl der Themen berücksichtigt die Interessen der Jugendlichen und zielt darauf ab, sie für den Kontakt mit Chinesen und chinesischsprachigen Personen sowie für Kultur und Lebensart Chinas zu sensibilisieren. Der Sprachunterricht orientiert sich an den im Gemeinsamen europäischen Referenzrahmen definierten Standards. Die im Lauf von drei Jahrgangsstufen erworbenen Fertigkeiten und Kenntnisse im sprachlichen Bereich sollen zum selbständigen Weiterlernen motivieren, sodass ein Erreichen des offiziellen chinesischen Sprachzertifikats Hanyu Shuiping Kaoshi (HSK) ermöglicht wird, welches eine Zugangsberechtigung zu Chinas Hochschulen verleiht.

Fachprofile

M

Mathematik

1

Mathematik Selbstverständnis des Faches Die Mathematik hat sich über Jahrtausende als gemeinsame Kulturleistung der Menschheit entwickelt. Sie erfasst Aspekte der Wirklichkeit und erarbeitet Begriffe, Theorien, Strukturen und Modelle. Unter Wahrung ihrer Eigenständigkeit bietet sie Ideen und Methoden zur Lösung von Problemen aus unterschiedlichsten Disziplinen an; sie liefert als dynamische Wissenschaft wesentliche Beiträge zur Beschreibung und Gestaltung unserer Welt. Mathematik ist traditionell ein charakteristischer Teil der Sprache der Naturwissenschaften und der Technik. Aber auch in Wirtschaft und Politik sowie in den Sozialwissenschaften bilden mit mathematischen Methoden gewonnene Aussagen häufig die Grundlage für Entscheidungen von weitreichender Bedeutung. Die zentrale Aufgabe des Mathematikunterrichts am Gymnasium ist es daher, den Schülern neben konkreten mathematischen Kenntnissen und Arbeitsweisen auch allgemeinere Einsichten in Prozesse des Denkens und der Entscheidungsfindung zu vermitteln, die für eine aktive und verantwortungsbewusste Mitgestaltung der Gesellschaft von Bedeutung sind. Dabei wird den jungen Menschen deutlich, dass Mathematik ein hilfreiches Werkzeug zur Analyse und zur Erkenntnisgewinnung sein kann, das letztlich auf menschlicher Kreativität beruht, und dass die Mathematik auch wegen ihrer ästhetischen Komponente einen Wert an sich darstellt. Beitrag des Faches zur gymnasialen Bildung und Persönlichkeitsentwicklung Kennzeichen mathematischer Arbeitsweise sind präziser Sprachgebrauch, Entwicklung klarer Begriffe, folgerichtige Gedankenführung und Argumentation, systematisches Vorgehen sowie das Erfassen von Zusammenhängen. Durch Übung in diesen Arbeitsweisen erfahren die Schüler eine intensive Schulung des Denkens und des Abstraktionsvermögens. Sie lernen verschiedene Formen mathematischer Betrachtungs- und Vorgehensweisen kennen, wodurch sich geistige Beweglichkeit und Offenheit für unterschiedliche Fragestellungen und Sichtweisen weiterentwickeln. Beim Entdecken von Gesetzmäßigkeiten sowie beim Vergleichen und Reflektieren von Lösungswegen bilden sich Denk- und Handlungsstrategien heraus. Die Überprüfung und die Wertung von Ergebnissen sowie von eingesetzten Methoden unterstützen die Entwicklung der Urteilsfähigkeit der Gymnasiasten. Die exakte, systematische Analyse einer Fragestellung, wie sie bei den meisten mathematischen Problemen nötig ist, fördert die Fähigkeit, sich fundiert und unvoreingenommen eine eigene Meinung zu bilden. Daneben wird durch die Beschäftigung mit mathematischen Fragestellungen die Bereitschaft zu geistiger Betätigung ausgebildet und die Konzentrationsfähigkeit gefördert. Das Lösen mathematischer Probleme erfordert Ausdauer, Durchhaltevermögen und Zielstrebigkeit – Eigenschaften, die nicht nur im täglichen Leben, sondern auch für die erfolgreiche Beschäftigung mit moderner Wissenschaft erforderlich sind. Hierbei sowie beim Zeichnen und Konstruieren lernen die Schüler, sorgfältig und genau zu arbeiten. Beim Aufstellen und Begründen von Vermutungen oder bei experimenteller Beschäftigung mit Geometrie entwickeln sich Kreativität und Phantasie. Zusammenarbeit mit anderen Fächern Die Mathematik steht aufgrund ihrer Universalität in enger Beziehung zu einer Vielzahl von anderen Disziplinen. Sie ist unverzichtbares Hilfsmittel für Naturwissenschaften, Technik und Wirtschaft, spielt aber auch in den Geisteswissenschaften wie z. B. der Psychologie, Soziologie, Pädagogik oder in der Medizin eine wichtige Rolle. Dementsprechend sind auch in der Schule die Verknüpfungen von Mathematik mit anderen Fächern vielfältig.

Mathematik als Kulturleistung

Mathematik und Anwendung

Aufgabe des Unterrichts

Schulung des Denkens

Entwicklung des Urteilsvermögens

Persönlichkeitsbildung und Arbeitstugenden

Universalität

47

48

M

Fachprofile

2

Mathematik

Naturwissenschaften

Gesellschaftswissenschaften

Selbstwert und Anwendung

Freude an Mathematik wecken

Inhaltliche Themenstränge

Fachspezifische Arbeitsweisen

Insbesondere liegt eine enge Zusammenarbeit zwischen Mathematik und Physik bei einer Fülle von Themen nahe. Auch mit Biologie und Chemie bieten sich gemeinsame Unterrichtsvorhaben an. Mit dem Fach Informatik hat die Mathematik u. a. die Leitidee des Algorithmus gemeinsam. In der Zusammenarbeit mit den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern stehen Diagramme und Graphiken sowie statistische Methoden im Vordergrund; das Fach Wirtschaft und Recht greift zudem etwa auf Elemente der Funktionenlehre zurück. Neben konkreten thematischen Verbindungen können Einblicke in die Geschichte der Mathematik und in die Biographien von Mathematikerinnen und Mathematikern Anknüpfungspunkte zu anderen Disziplinen aufzeigen. Ziele und Inhalte Gymnasiasten lernen mathematische Gegenstände und Sachverhalte, ausgedrückt in Sprache, Formeln und graphischen Darstellungen, als eine deduktiv geordnete Welt kennen. Sie sollen die Fähigkeit erwerben, Fragestellungen aus unterschiedlichen Bereichen sachgerecht zu bearbeiten und Ergebnisse adäquat zu beurteilen. Ihnen soll bewusstwerden, dass viele Probleme unserer Zeit einen rationalen Zugang besitzen, dass mathematische Denk- und Vorgehensweisen Anwendung in den meisten Wissenschaften, den unterschiedlichsten Berufsfeldern und nicht zuletzt in unserem Alltag finden. Ziel ist es, Mathematik als eine lebendige Wissenschaft möglichst vielen jungen Menschen verständlich zu machen sowie Gespräche darüber anzuregen. Der Unterricht soll Freude an der Beschäftigung mit mathematischen Themen wecken und die Neugier der Schüler erhalten. Um diese Ziele zu erreichen, ist es nötig, dass sich die Kinder und Jugendlichen mit unterschiedlichen mathematischen Inhalten intensiv auseinandersetzen. Im Unterricht werden dabei über die Jahrgangsstufen hinweg vier Themenstränge entwickelt: • Zahlen: sukzessive Erweiterung des Zahlenbereichs, Eigenschaften von Zahlen; Rechenregeln und Rechengesetze; Alltagsgrößen; Erkennen von Größenordnungen • Funktionen: Diagramme, Formeln und Terme als Funktionspropädeutik; Funktionsbegriff, Funktionenvielfalt; Termumformungen, Gleichungslehre; Differential- und Integralrechnung • Geometrie: Entwicklung des räumlichen Vorstellungsvermögens; ebene und räumliche Grundformen, Lagebeziehungen; Flächen- und Rauminhalte • Stochastik: Erfassen des Zufalls in Modellen, Entwickeln eines zunehmend abstrakten Wahrscheinlichkeitsbegriffs, Umgehen mit statistischen Daten Im Mathematikunterricht erwerben die Schüler Kompetenzen, wie sie auch in den KMKBildungsstandards für das Fach Mathematik herausgestellt werden. Die Schüler lernen Arbeitsweisen kennen, die weit über das Fach hinaus Bedeutung haben, und wenden sie an: • mathematisches Modellieren: Sachverhalte auf mathematische Konzepte zurückführen, dabei Zusammenhänge erkennen; Ergebnisse interpretieren und reflektieren • Begriffe definieren; Zusammenhänge hinterfragen und ergründen; Vermutungen und Hypothesen aufstellen, begründen und beweisen bzw. widerlegen; Aussagen verallgemeinern, an Beispielen spezifizieren und konkretisieren • mathematische Lösungsverfahren und Hilfsmittel problemgerecht auswählen sowie flexibel anwenden; Lösungswege dokumentieren und verständlich darstellen • Sprache sachgerecht und präzise verwenden, mathematische Fachsprache angemessen einsetzen; mathematische Formulierungen deuten; über Mathematik reden und mit mathematischen Texten umgehen können • Daten aus Tabellen und graphischen Darstellungen entnehmen, diese interpretieren und beurteilen, eigene Ergebnisse auch graphisch darstellen • zeichnen und konstruieren; technische Geräte sachgerecht handhaben (Zeichengeräte, elektronische Hilfsmittel); Medien sinnvoll einsetzen Sowohl im Hinblick auf die Inhalte als auch auf die mathematischen Arbeitsweisen entwickeln sich die Kenntnisse, Fähigkeiten und Einsichten der Schüler während der Gymnasialzeit deutlich weiter.

In der Unterstufe stehen Fertigkeiten im praktischen Rechnen im Vordergrund, wie sie in vielen Alltagssituationen nötig sind. Eine lebensnahe Gestaltung des Unterrichts trägt dazu bei, dass die Schüler Aspekte ihrer Erfahrungswelt aus neuer Sicht wahrnehmen und verstehen. Jahrgangsstufe 5

Jahrgangsstufe 6

natürliche und ganze Zahlen, rationale Zahlen, Prozentgeometrische Grundbegriffe, rechnung, Häufigkeiten, Größen, Flächeninhalt Volumen

Fachprofile

M

Mathematik

3

Jahrgangsstufen 5 mit 7

Jahrgangsstufe 7 Terme, lineare Gleichungen, Auswerten von Daten, Figurengeometrie

Ein wichtiges Anliegen in den Jahrgangsstufen 8 mit 10 ist die Schulung des Abstraktionsvermögens. Die Jugendlichen lernen, Sachverhalte zu analysieren, zu strukturieren und Gesetzmäßigkeiten zu entdecken. Es bieten sich vielfältige Möglichkeiten, eigenständiges Begründen anzuregen. Jahrgangsstufe 8

Jahrgangsstufe 9

Jahrgangsstufe 10

funktionale Zusammenhänge, lineare Gleichungssysteme, Laplace-Experimente, Kreis, Strahlensatz und Ähnlichkeit

reelle Zahlen, Parabeln, quadratische Gleichungen, Zufallsexperimente, Pythagoras, Sinus, Kosinus und Tangens, Prisma, Zylinder, Pyramide und Kegel

exponentielles Wachstum, Logarithmus, bedingte Wahrscheinlichkeit, Kreiszahl π, Kugel, Fortführung der Trigonometrie, Ausbau der Funktionenlehre

Die vertieften Kenntnisse und Fähigkeiten, die in den Jahrgangsstufen 11 und 12 erworben werden, bilden wichtige Voraussetzungen für viele Studiengänge und Berufsausbildungen. Eigenständiges Arbeiten steht hier noch deutlicher im Vordergrund. Für interessierte Jugendliche bietet sich die Möglichkeit, Mathematik auch als Seminar zu wählen.

Jahrgangsstufen 8 mit 10

Jahrgangsstufen 11 und 12

Jahrgangsstufen 11 und 12 Differential- und Integralrechnung, spezielle Funktionstypen, Koordinatengeometrie im Raum, Vertiefung der Wahrscheinlichkeitsrechnung, Einblick in die beurteilende Statistik Kennzeichen eines erfolgreichen Mathematikunterrichts ist eine Unterrichtsatmosphäre, die es begünstigt, dass die Schüler sich von mathematischen Fragestellungen angesprochen fühlen. Das bedeutet insbesondere, dass Prinzipien wie kumulatives, vernetzendes Lernen, systematisches Wiederholen sowie Lernen aus Fehlern umgesetzt werden. Die verschiedenen Unterrichtsinhalte müssen über die Jahre hinweg bewusst aufeinander bezogen und miteinander verknüpft behandelt werden. Dadurch wird den jungen Menschen ihr persönlicher Lernzuwachs verdeutlicht, wodurch auch ihre Motivation wächst. Die in den Vorjahren erworbenen Kenntnisse müssen regelmäßig wiederholt und in den laufenden Unterricht sinnvoll integriert werden, sodass den Schülern deren Bedeutung für den weiteren Lernerfolg einsichtig wird. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Festigung des Grundwissens gelegt, das Kenntnisse, Fertigkeiten und Haltungen umfassen kann und für die einzelnen Jahrgangsstufen ausgewiesen ist. Dem Praxisbezug und dem Lernen in sinnstiftenden Kontexten muss genügend Zeit eingeräumt werden; allerdings ist eine rein anwendungsbezogene Vorgehensweise wegen der Komplexität vieler Aufgabenstellungen und des besonderen Gefüges der mathematischen Teildisziplinen in der Regel nicht sinnvoll. Das Berücksichtigen von Vorerfahrungen sowie ein altersgemäßes Anknüpfen an die Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen sind unerlässlich. Beim Aufbau von flexibel einsetzbarem Wissen und von Problemlösefähigkeit spielt die Art der bearbeiteten Aufgaben eine wichtige Rolle. Nötig ist das Einbeziehen variantenreicher Beispiele, die sich im Hinblick auf die Art der Fragestellung, den Kontext, den Schwierigkeitsgrad, die Neuartigkeit und die „Offenheit“ unterscheiden. Gleichzeitig kommt der Variation von Unterrichtsmethoden unter Einbeziehung offener Unterrichtsformen große Bedeutung zu. Entdeckendes, experimentelles Herangehen an Problemstellungen und die Förderung der selbständigen Beschäftigung von Schülern mit Mathematik tragen zum Erreichen der Bildungsziele des Gymnasiums bei.

Unterrichtsgestaltung

Praxisbezug

Aufgabenkultur 49

Methodenvielfalt

Inf

1

Fachprofile Informatik

Informatik Informationsgesellschaft

Aufgabe des Unterrichts

Umgang mit Information

Ordnungsprinzipien

Abstraktionsfähigkeit

Urteilsvermögen

Teamarbeit Soziale Kompetenzen

50

Arbeitsstil

Selbstverständnis des Faches Durch die schnelle Entwicklung der Informationstechnologie und die weltweite Vernetzung steht heute jedem der Zugang zu einer gewaltigen Menge von Daten offen. Gleichzeitig kommen überall im beruflichen und privaten Leben, in Wissenschaft und Wirtschaft komplexe Systeme zur Informationsverarbeitung zum Einsatz. Ihre Leistungsfähigkeit und der Ausbau ihrer Möglichkeiten bestimmen oft die Weiterentwicklung in Wirtschaft, Technik und modernen Wissenschaften. Die wesentliche Aufgabe des Informatikunterrichts am Gymnasium ist es daher, den Schülern ein systematisches, zeitbeständiges und über bloße Bedienerfertigkeiten hinausgehendes Basiswissen über die Funktionsweise, die innere Struktur sowie die Möglichkeiten und Grenzen informationstechnischer Systeme zu vermitteln. Dadurch wird ihnen deren sinnvolle, kompetente und verantwortungsbewusste Nutzung und Beurteilung ermöglicht. Als zukünftige Entscheidungsträger müssen die Gymnasiasten mit den Denkweisen vertraut gemacht werden, die den Informations- und Kommunikationstechniken zugrunde liegen, um deren prinzipielle Chancen und Risiken richtig einschätzen zu können. Beitrag des Faches zur gymnasialen Bildung und Persönlichkeitsentwicklung Im Informatikunterricht lernen die Schüler grundlegende Konzepte von Informations- und Kommunikationssystemen kennen, die sich durch Allgemeingültigkeit auszeichnen und auch in Zukunft nicht an Bedeutung verlieren werden. Dazu gehören Kenntnisse über die Methoden der Aufbereitung, Speicherung, Weiterverarbeitung und Übertragung von Information, die eine Interpretation und adäquate Beurteilung von Daten etwa in Bezug auf Zuverlässigkeit, Vollständigkeit oder Sicherheit ermöglichen. Die Schüler lernen im Informatikunterricht Ordnungsprinzipien kennen, die zur Orientierung in einer hoch komplexen, vernetzten Welt beitragen und die bei der Erschließung der schnell fortschreitenden Entwicklungen in der Informationstechnologie, aber auch in vielen anderen Bereichen helfen. Dies gilt etwa für das Verständnis von Abläufen und Datenflüssen zwischen Institutionen oder für das Erfassen der Struktur von Produktionsabläufen. In der Informatik verwendete Techniken (wie das Strukturieren, das systematische Zerlegen komplexer Systeme in überschaubare Teile, das Formalisieren und Interpretieren) fördern bei den Schülern die Abstraktionsfähigkeit und das schnelle Erfassen logischer Zusammenhänge. Bei der Arbeit mit abstrakten Modellen, die bei der Konstruktion und Analyse von Informatiksystemen eine entscheidende Rolle spielen, üben die Schüler in besonderem Maß, eine Situation von verschiedenen Standpunkten aus zu beurteilen. Dies schult die Konzentration auf das Wesentliche und fördert ein flexibles, eigenständiges, zielgerichtetes Lösen von Problemstellungen. Da jedes Modell die Realität nur vereinfacht darstellt, ist bei allen Anwendungsbeispielen der Informatik eine systematische Überprüfung und kritische Beurteilung der Ergebnisse sowie des gewählten Modells nötig. Dies fördert die Fähigkeit der Gymnasiasten zu konstruktiver Kritik. Bei der Beschäftigung mit zunehmend komplexeren, umfangreichen Aufgabenstellungen erfahren die Schüler, dass für deren Lösung Partner- und Teamarbeit oft von entscheidendem Vorteil sind und dass dabei die Zuverlässigkeit des Einzelnen gefordert ist. Außerdem wird die Bereitschaft der Jugendlichen gestärkt, Verantwortung zu übernehmen und die eigenen Ansichten und Ideen vor anderen zu vertreten. Die häufige Arbeit am Computer kommt der Freude der Kinder und Jugendlichen am kreativen Gestalten und am Experimentieren entgegen. Gleichzeitig werden die für den erfolgreichen Einsatz des Computers nötige Sorgfalt und Genauigkeit von Anfang an eingefordert und geübt.

Zusammenarbeit mit anderen Fächern Die enge Verzahnung der Informatik mit Anwendungen in verschiedenen Bereichen, z. B. Wirtschaft, Wissenschaft oder auch Verwaltung, impliziert die Zusammenarbeit mit anderen Fächern. Im Informatikunterricht werden bei der Auswahl von Beispielen daher immer wieder Inhalte aus anderen Fächern aufgegriffen, etwa aus der Mathematik, Physik, Biologie, Sozialkunde und aus Wirtschaft und Recht. Diese Verzahnung mit anderen Fächern wird bereits in der Unterstufe an der Einbindung des Informatikunterrichts in das Fach Natur und Technik deutlich. Insbesondere die gemeinsamen Projekte mit dem jeweils anderen Schwerpunkt zeigen den gegenseitigen Gewinn auf, der sich aus einer engen Zusammenarbeit ergibt. Denkweisen und Verfahren der Informatik kommen in anderen Fächern vielfältig zur Anwendung. Dabei erweist es sich als Vorteil, dass im Informatikunterricht das Prinzip des jeweiligen Verfahrens vermittelt und reflektiert wird. Das algorithmische Denken findet sich in der Mathematik bei Konstruktionsbeschreibungen, in Deutsch beim Beschreiben von Vorgängen und in der Physik bei Simulationen wieder; die Fähigkeit zur Modellbildung wird im Wirtschaftsunterricht z. B. bei der Arbeit mit dem Kreislauf- und Marktmodell gefordert. Der Informatikunterricht in der Unterstufe unterstützt zudem den Einsatz von Informatiksystemen zur Förderung von Lernprozessen in anderen Fächern. Insbesondere übernimmt die Informatik einen wesentlichen Teil an informationstechnischer Grundbildung (ITG), zielt aber bei der Vermittlung übertragbarer Einsichten und von Verständnis deutlich über Anwenderfertigkeiten hinaus. Ziele und Inhalte Information ist der zentrale Begriff im Informatikunterricht. Daraus resultieren Themen wie die Darstellung, Verarbeitung, Übersendung und Interpretation von Informationen. Bei der Darstellung von Informationen wie auch bei der Analyse von Informationssystemen spielt die Modellierung, bei der Ausschnitte der Wirklichkeit zielgerichtet vereinfacht und strukturiert dargestellt werden, eine wesentliche Rolle. Die Lernenden erkennen, dass die Erstellung eines Modells den wichtigsten Arbeitsschritt zwischen der Problemerfassung und der Umsetzung auf einem Softwaresystem darstellt und für das Verständnis informatischer Abläufe entscheidend ist. An vielfältigen praktischen Beispielen sehen sie, dass bei der Vereinfachung der betrachteten Zusammenhänge einerseits die für den jeweiligen Zweck wesentlichen Aspekte erhalten bleiben müssen, andererseits unwesentliche Gesichtspunkte nicht mehr in Erscheinung treten dürfen. Die Schüler erfahren, dass je nach Art des Anwendungszusammenhangs unterschiedliche Betrachtungsweisen notwendig sind, und lernen dementsprechend im Lauf des Unterrichts verschiedene Modellierungstechniken kennen. Die wichtigsten Eigenschaften und Funktionen eines Systems werden von den Schülern in graphischen Darstellungen exakt und anschaulich festgehalten, sodass sie diese auch mit ihren Mitschülern besprechen können. Sie verwenden die Fachsprache in altersgemäßer Weise; diese erlaubt es ihnen, die wesentlichen Erkenntnisse unabhängig von kurzlebigen technischen Strömungen oder speziellen Produkten zu formulieren. Erstellte Modelle werden von den Schülern mit einem Informatiksystem realisiert, die Ergebnisse werden diskutiert und überprüft. Dabei erwerben die Schüler sukzessive ein breites Spektrum an Denk- und Beschreibungsschemata und lernen Strategien kennen, die im Lauf der Zeit die Bearbeitung auch komplexer und vernetzter Problemstellungen erlauben. Im Schwerpunkt Informatik des Fachs Natur und Technik wird eine gemeinsame Basis aus Wissen und Fähigkeiten unter Einbeziehung unterschiedlichster Vorkenntnisse hergestellt, die die Schüler aus dem privaten und schulischen Bereich bereits mitbringen. Die Kinder beschäftigen sich mit altersgemäßen Aufgabenstellungen aus ihrer Erfahrungswelt. Sie gestalten Graphik-, Text- und Multimediadokumente, strukturieren Information, ordnen sie und beschäftigen sich mit Hypertextstrukturen sowie mit elektronischer Post. Zudem erhalten die Schüler erste Einblicke in die automatische Informationsverarbeitung. Die Analyse der bearbeiteten Dokumente zeigt ihnen, dass diese jeweils aus bestimmten

Fachprofile

Inf

Informatik

2

Anwendungsbezug der Informatik

Natur und Technik

Informatik in anderen Fächern

Informatik und ITG

Modellbildung

Modellierungstechniken

Methodenkompetenz Unterstufe

51

52

Inf

Fachprofile

3

Informatik

Jahrgangsstufe 9 (NTG)

Jahrgangsstufe 10 (NTG)

Jahrgangsstufen 11 und 12

Einsatz von Rechnern

Projektorientiertes Arbeiten

Objekten mit charakteristischen Eigenschaften bestehen. Mit dieser Sichtweise können die Kinder unabhängig von der jeweils verwendeten Software eine Vielzahl von Phänomenen im Zusammenhang mit Informatiksystemen verstehen. Das Vorgehen ist altersgemäß spielerisch und handlungsorientiert, aber trotzdem genau und systematisch. Es wird der Grundstein für den Aufbau angemessener Modelle und für die Verwendung einer klaren, effizienten Fachsprache in späteren Jahrgangsstufen gelegt. Am Naturwissenschaftlich-technologischen Gymnasium werden in der Mittelstufe die im Anfangsunterricht eingeführten Grundlagen aufgegriffen, vertieft und ergänzt. In der Jahrgangsstufe 9 gewinnen die Schüler mit der funktionalen Modellierung einen ersten Zugang zur Formalisierung und Strukturierung von größeren, als Ganzes kaum überschaubaren Prozessen. Statische Datenmodellierung hilft ihnen bei der Verwaltung sehr großer, komplexer Datenmengen. Bereits in dieser Jahrgangsstufe gewinnen außerdem Fragestellungen an Bedeutung, die gesellschaftlich relevante Aspekte wie die Wechselwirkungen zwischen Informatiksystemen, Individuum und Gesellschaft betreffen. Mit der objektorientierten Modellierung werden in Jahrgangsstufe 10 die verschiedenen Modellierungstechniken verbunden. Bei der Beschreibung und Strukturierung von Abläufen lernen die Schüler Grundprinzipien von Automaten, Algorithmen und Programmen aus objektorientierter Sicht kennen. Sie untersuchen systematisch die Kommunikation bzw. Interaktion zwischen Objekten und verwenden Generalisierung sowie Spezialisierung als Konzepte zur Beschreibung von Verwandtschaftsbeziehungen. Die Jugendlichen erkennen, dass sich die Vorgehensweise und die Grundideen der objektorientierten Modellierung auch auf viele Situationen des Alltags gewinnbringend anwenden lassen. Aufbauend auf dem vorausgegangenen Informatikunterricht eignen sich die Schüler in den Jahrgangsstufen 11 und 12 weiterführende Konzepte und Methoden der Informatik an. Den Schwerpunkt bildet zunächst die Untersuchung dynamischer Informationsstrukturen. Dabei lernen die Jugendlichen das für größere Softwaresysteme unverzichtbare Prinzip der Rekursion kennen. Bei der Planung und arbeitsteiligen Durchführung eines größeren Softwareprojekts wenden sie Konzepte der praktischen Softwareentwicklung an. Hierbei erwerben sie auch auf den Alltag übertragbare Kenntnisse über die Organisation und Synchronisation von Abläufen. Ein fundiertes Verständnis für die prinzipielle Funktionsweise eines Rechners gewinnen die Schüler durch die genauere Beschäftigung mit dem Vorgang der Kommunikation mit der Maschine. Überlegungen zu den Grenzen der maschinellen Berechenbarkeit unterstützen sie bei der realistischen Einschätzung der tatsächlichen Möglichkeiten der Informationstechnologie, wie sie für ein selbstbestimmtes Leben und Arbeiten in unserer Informationsgesellschaft notwendig ist. Für interessierte Jugendliche bietet sich die Möglichkeit, Informatik auch als Seminar zu wählen. Handlungs- und problemorientiertes Arbeiten steht im Informatikunterricht im Vordergrund. Deshalb spielt der Einsatz von Rechnern und Netzen eine wichtige Rolle. Im Unterricht erarbeitete Modelle werden von den Schülern umgesetzt und praktisch erprobt, die Ergebnisse beurteilt. Die jeweils verwendeten Softwaresysteme stellen hierbei lediglich hilfreiche Werkzeuge dar. Projektorientiertes Arbeiten nimmt einen breiten Raum ein. Alle neu zu erlernenden Konzepte und Methoden sollen den Schülern möglichst im Rahmen von selbständiger, praktischer Arbeit begegnen, um ausreichendes Problembewusstsein sicherzustellen und gleichzeitig die vielfältigen Verknüpfungen und Anwendungen der erlernten Konzepte aufzuzeigen. Am Ende der Jahrgangsstufen 9 und 10 werden die erworbenen Kenntnisse jeweils bei der Bearbeitung eines komplexeren Anwendungsbeispiels wiederholt, vertieft und vernetzt. Die Schüler arbeiten dabei in Gruppen an einer Aufgabenstellung, die es erlaubt, verschiedene zuvor erlernte Methoden einzusetzen und zu beurteilen. In der Jahrgangsstufe 11 übernehmen die Schüler zudem verstärkt Verantwortung für die Planung, Durchführung und das Gelingen eines größeren Softwareprojekts. Sie entwickeln hierbei Einstellungen und Kompetenzen weiter, die sie insbesondere auf die Anforderungen einer modernen Berufswelt vorbereiten.

Fachprofile Physik

Ph

1

Physik Selbstverständnis des Faches In der Physik werden Naturphänomene sowie Aufbau und Eigenschaften der Materie und des Universums modellhaft beschrieben. Das Wechselspiel von Modellbildung und experimentellen Untersuchungen ist kennzeichnend für die physikalische Forschung. Ihre Methoden der wissenschaftlichen Erkenntnisgewinnung sind beispielhaft für die anderen Naturwissenschaften. Als Grundlage technischer Entwicklungen in Medizin, Arbeitswelt, Ökologie, Kommunikation usw. beeinflussen physikalische Erkenntnisse und Vorgehensweisen maßgeblich das Leben jedes Einzelnen sowie die regionalen und globalen gesellschaftlichen Strukturen; sie berühren damit auch ethische Fragestellungen. Grundlegende Ergebnisse der physikalischen Forschung bilden die Basis für den Physikunterricht. Die Darstellung der Inhalte im Unterricht erfolgt auf unterschiedlichen Abstraktionsebenen, von der Beschreibung der Phänomene bis hin zur abstrakten mathematischen Formulierung der Modelle. Die Schüler wachsen in einer hochtechnisierten Welt auf, deren Errungenschaften zu einem großen Teil auf den Erkenntnissen der Naturwissenschaften beruhen. Dem Physikunterricht kommt die Aufgabe zu, den Heranwachsenden durch Vermittlung naturwissenschaftlicher Grundkenntnisse geeignete Orientierungshilfen mit auf den Weg zu geben. Viele Kinder und Jugendliche interessieren sich für Naturerscheinungen und deren Erklärungen. Eine der wichtigsten Aufgaben des Physikunterrichts ist es daher, die Freude an Naturphänomenen und die Neugier auf deren Erklärungen aufzugreifen und in ein dauerhaftes Interesse an naturwissenschaftlichen Fragestellungen weiterzuentwickeln. Dabei sollen die Interessensbereiche von Jungen und Mädchen gleichermaßen berücksichtigt werden. Der Unterricht in der Schule vermittelt elementare Einsichten sowie Denk- und Arbeitsweisen, die die jungen Menschen auch dazu befähigen, sich in bestimmten Lebenssituationen das jeweils benötigte Wissen selbst anzueignen und dann einzusetzen. Interessierte und begabte Schüler sollen durch gezielte Förderung dazu ermutigt werden, eine naturwissenschaftliche oder technisch orientierte Berufsausbildung anzustreben. Beitrag des Faches zur gymnasialen Bildung und Persönlichkeitsentwicklung Die Erkenntnisse der Naturwissenschaften sind ein bedeutender Teil der kulturellen Errungenschaften. Damit ist auch die physikalische Bildung ein wesentlicher Bestandteil der Allgemeinbildung. Kenntnisse der physikalischen Grundkonzeptionen sowie typischer Arbeitsmethoden und Denkstrukturen der Physik sind daher für einen gebildeten Menschen des 21. Jahrhunderts unverzichtbar. Um mit physikalischem Sachverstand handeln und entscheiden zu können, sollen die Schüler Arbeitshaltungen und Einstellungen wie Durchhaltevermögen, Flexibilität, Offenheit für Neues, kritische Urteilsfähigkeit und die Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung anstreben. Weitere Fertigkeiten und Fähigkeiten, die sie im Physikunterricht einüben können, sind sorgfältiges Beobachten, selbständiges Forschen und Experimentieren sowie der sichere Umgang mit Informationen. Eigenes Handeln im Bereich der Naturwissenschaften fördert Kreativität, festigt Selbstvertrauen und lässt Leistung in positivem Licht erscheinen. Die in der Physik selbstverständliche internationale Zusammenarbeit von Wissenschaftlern dient den Jugendlichen als Vorbild für effektive und fruchtbare Teamarbeit. Selbständiges und zielgerichtetes, auf Kreativität setzendes Experimentieren in Gruppen steigert nicht nur ihren Lernerfolg in Bezug auf den nachhaltigen Zuwachs an Wissen, Erkenntnis und Erfahrung, sondern schult auch positives Sozialverhalten sowie Team- und Kommunikationsfähigkeit.

Was ist Physik?

Orientierungshilfe

Freude aufgreifen, Interesse fördern

Vorbereitung auf den Beruf

Allgemeinbildung Arbeitsmethoden

Individuelle Kompetenzen

Teamfähigkeit 53

54

Ph

Fachprofile

2

Physik

Naturwissenschaften

Mathematik

Informatik

Sprache und Kommunikation

Erkenntnisgewinnung

Arbeitsweisen

Umgang mit Information

Bedeutung für die Persönlichkeit

Zusammenarbeit mit anderen Fächern In der Physik liegen fächerübergreifende Fragestellungen nahe. Insbesondere bieten sich Verbindungen zu den anderen naturwissenschaftlichen Fächern an. In der Unterstufe wird dies besonders im Fach Natur und Technik deutlich, das vor allem im Schwerpunkt Naturwissenschaftliches Arbeiten in Jahrgangsstufe 5 und im Schwerpunkt Physik in Jahrgangsstufe 7 viele physikalische Inhalte und Methoden enthält. Die Verbindung zur Mathematik ist schon dadurch gegeben, dass der Prozess der Mathematisierung ein typischer Bestandteil physikalischer Naturbeschreibung ist. Im Physikunterricht wird dieser Prozess exemplarisch immer wieder aufgezeigt; in der Mittelstufe darf jedoch die mathematische Behandlung physikalischer Sachverhalte nicht im Vordergrund stehen. Bei der Durchführung und Auswertung von Experimenten und bei der Modellbildung sind Computer sinnvolle Hilfsmittel. Wo immer möglich ist deshalb eine enge Zusammenarbeit mit der Informatik angebracht. Zentrale, gesellschaftlich relevante Themen, wie der Schutz der Umwelt und die Sicherung der Energieversorgung, betreffen naturgemäß mehrere Fächer und fordern zu interdisziplinärer Behandlung heraus. Historische und philosophische Aspekte zur physikalischen Erkenntnisgewinnung machen die Verbindung zu den geisteswissenschaftlichen und sprachlichen Fächern deutlich. Zur präzisen Beschreibung von Naturvorgängen sind der sichere Umgang mit der deutschen Sprache und der Fachterminologie unabdingbar. Da sich Englisch weltweit als die Kommunikationssprache für Naturwissenschaftler und Ingenieure etabliert hat, sollen Schüler Erfahrungen mit englischsprachigen Fachtexten zur Physik sammeln. Ziele und Inhalte Die nachstehend angeführten Lernziele beschreiben wichtige Kenntnisse und Kompetenzen, die im Physikunterricht angestrebt werden. Die Schüler sollen • verstehen, was Physik ist (Rolle innerhalb der Naturwissenschaften und der Technik, Bedeutung über Fachgrenzen hinaus, kulturelle Verwurzelung, fachsystematische Einteilung) • typische Methoden der Physik und Vorgehensweisen zur Erkenntnisgewinnung kennen (Modellbildung, Gültigkeitsbereich von Modellen, experimentelle Überprüfung, geschichtliche Entwicklung physikalischer Vorstellungen) • die Bedeutung physikalischer Grundprinzipien einsehen (z. B. Erhaltungssätze oder Wechselwirkungsprinzip) • Sicherheit im selbständigen physikalischen Experimentieren haben (Planen und Durchführen von Experimenten, Aus- und Bewerten der Ergebnisse, Formulieren physikalischer Gesetze) • typische Ansätze zur Lösung physikalischer Probleme auf Beispiele anwenden können (induktive und deduktive Zugänge) • eigene Vorstellungen zu Fragen aus der Natur und der Technik entwickeln können (kreative Ansätze, Diskursfähigkeit, Teilnahme an Wettbewerben) • den Umgang mit Wissen und Information beherrschen (Notwendigkeit und Methodik des lebenslangen Lernens, Beschaffung und Qualitätsabschätzung sowie Weiterverarbeitung von Information, Präsentation eigener Ergebnisse, Umgang mit Medien, Nutzung des Computers) • die Bedeutung der Physik für die persönliche Entwicklung erkennen (Zusammenhänge mit der eigenen Lebenswelt, Entwickeln von Handlungsprinzipien, Übernahme von Arbeitsmethoden, Grundlage für gesellschaftliche Entscheidungen) Darüber hinaus sollen Schüler durch den Physikunterricht der Oberstufe • in höherem Maße mathematische Formulierungen physikalischer Aussagen nutzen und verstärkt deduktive Elemente zur Erkenntnisgewinnung einsetzen können • befähigt werden, selbständig Standard- und Simulationssoftware zu verwenden, um physikalische Einsichten zu vertiefen und komplizierte Sachverhalte zu veranschaulichen

• angeleitet werden, eigenverantwortlich und selbständig Themen zu bearbeiten und die Ergebnisse zu präsentieren (z. B. im Rahmen von Praktika oder Projekten sowie in Seminaren) Die folgende Aufstellung der Fachinhalte zeigt auch die Inhalte, die im Schwerpunkt Physik des Faches Natur und Technik der Jahrgangsstufe 7 behandelt werden. Jgst. 7 Schwerpunkt Physik im Fach Natur und Technik Elektrischer Strom; Kräfte in der Natur und der Technik; Optik Jgst. 8 Energieerhaltung – ein fundamentales Naturprinzip Energie als Erhaltungsgröße; Aufbau der Materie, Wärmelehre; Elektrische Energie Jgst. 9 Physik als Grundlage moderner Technik Elektrik; Atome; Kinematik und Dynamik geradliniger Bewegungen Jgst. 10 Physikalische Weltbilder Astronomische Weltbilder; Die Mechanik Newtons; Wellenlehre, Einblick in die Quantenphysik Jgst. 11 Felder Elektrische und magnetische Felder; Elemente der Relativitätstheorie; Bewegung geladener Teilchen; Elektromagnetische Induktion, Schwingungen und Wellen

Fachprofile

Ph

Physik

3

Eigenverantwortliches Arbeiten Fachinhalte

Lehrplanalternative Biophysik Auge und Ohr; typische Untersuchungsmethoden; neuronale Signalleitung; optionale Fachinhalte: Photosynthese; Strahlenbiophysik und Medizinphysik; Biomechanik Jgst. 12 Struktur der Materie Eigenschaften von Quantenobjekten; Atommodell der Quantenphysik; Strukturuntersuchungen zum Aufbau der Materie; Kernmodell der Quantenphysik; Radioaktivität und Kernreaktionen Lehrplanalternative Astrophysik Orientierung am Himmel; Überblick über das Sonnensystem; Die Sonne; Sterne; Großstrukturen im Weltall Der zusätzliche Unterricht im Profilbereich am Naturwissenschaftlich-technologischen Gymnasium dient zur Erweiterung und Vertiefung der Inhalte und Methoden. Die Schüler arbeiten dabei vorwiegend im Team, beschäftigen sich verstärkt mit Bezügen zu ihrer Lebenswelt sowie zur Technik und trainieren eigenständiges problemlösendes Handeln sowie physikalisches Experimentieren. Besonderheiten des Faches Im Unterricht können und dürfen aus zeitökonomischen und didaktischen Gründen nicht alle Inhalte in gleicher Ausführlichkeit behandelt werden. Bei der Bildung von Schwerpunkten und der Auswahl der Vertiefungen ist darauf zu achten, dass die grundlegenden Ziele in ausreichendem Maße berücksichtigt werden. Dies betrifft vor allem das Einüben physikalischer Arbeitsmethoden sowie die Bezüge zur Lebenswelt der Jugendlichen, zur Natur, zur Technik und zur Gesellschaft. Grundsätzlich ist auf den richtigen Grad des Abstrahierens und der Mathematisierung zu achten. Besonderes Augenmerk wird auf die Festigung des ausgewiesenen Grundwissens gelegt, das Kenntnisse, Fertigkeiten und Haltungen umfassen kann. Zur Förderung grundlegender Fertigkeiten und der Kreativität sollen die Schüler in allen Jahrgangsstufen regelmäßig selbst Experimente durchführen. Um einen effizienten und vor allem auch sicheren Ablauf zu gewährleisten, ist hierbei auf angemessene Gruppengröße zu achten; ggf. kann dies durch Teilung der Klasse, z. B. in Übungsstunden, erreicht werden. Die Angabe der Wochenstunden in den Jahrgangsstufenplänen ist so bemessen, dass in jeder Jahrgangsstufe fünf Stunden für spezielle Aktivitäten wie ein Unterrichtsprojekt verfügbar sind.

Profilbereich am NTG

Auswahl der Vertiefungen

Selbständiges Experimentieren 55

Unterrichtsprojekte

56

C

Fachprofile

1

Chemie

Chemie Chemie als Naturwissenschaft

Angewandte Chemie

Naturwissenschaftliche Welterschließung

Gesellschaftliche Relevanz

Urteilsfähigkeit

Selbständiges Experimentieren

Verantwortungsbewusstes Handeln

Selbstverständnis des Faches Das Wissen um Stoffeigenschaften und Stoffumwandlungen dient der Menschheit seit Anbeginn dazu, sich in der Auseinandersetzung mit der Natur zu behaupten. Die Chemie gibt der Beschäftigung mit Stoffen und Stoffumwandlungen ein exaktes naturwissenschaftliches Fundament. Aufgrund ihrer Erkenntnisse und ihrer weitreichenden Anwendungen ist sie eine naturwissenschaftliche Basisdisziplin. Als wesentliche Grundlage technischer und wirtschaftlicher Entwicklungen eröffnet die Chemie Wege für die Gestaltung unserer Lebenswelt. In der Ernährungssicherung, der Energieversorgung, der Werkstoffproduktion, der Informationstechnologie sowie der Bio- und Gentechnik stellt sie eine wesentliche Säule unserer Zivilisation dar. Zentrale Aufgabe des Schulfaches ist es daher, Schüler mit den spezifischen Fragestellungen, Lösungswegen und Denkstrategien der Chemie vertraut zu machen und den Lernenden fachbezogene Kenntnisse und Methoden zu vermitteln. Dazu gehört auch die Erarbeitung eines Überblicks über wichtige chemische Stoffe und Stoffgruppen. Beitrag des Faches zur gymnasialen Bildung und Persönlichkeitsentwicklung Ausgehend von der Vielfalt der Stoffe und Stoffumwandlungen weckt der Chemieunterricht das Interesse am Erkunden von Naturvorgängen und technischen Prozessen. Dem Experiment als Methode der naturwissenschaftlichen Welterschließung kommt hierbei zentrale Bedeutung zu. Es erfordert eine präzise Fragestellung, exaktes Beobachten und erzieht zu einer klaren, unvoreingenommenen Beschreibung der Phänomene. Das Analysieren und Deuten der erhaltenen Ergebnisse fördert das Abstraktionsvermögen. Charakteristisch für die chemische Denkweise ist dabei die Notwendigkeit der Verknüpfung einer konkret erfahrbaren Ebene der Stoffe und Stoffumwandlungen und abstrakter Modellvorstellungen auf der Teilchenebene. Die Einblicke in die Wechselbeziehungen zwischen Empirie und Theorie sind zugleich Anlass, über Möglichkeiten und Grenzen naturwissenschaftlicher Erkenntnis nachzudenken. Der Chemieunterricht leistet einen zentralen Beitrag zum Verständnis der Industriegesellschaft und schafft Grundlagen für eine naturwissenschaftlich begründete Umweltbildung. So sind solide chemische Kenntnisse für die vorausschauende Beurteilung von Technikfolgen und für nachhaltiges Wirtschaften vor dem Hintergrund knapper werdender natürlicher Ressourcen unabdingbar. Außerdem bilden sie die Grundlage für verantwortliches Handeln im alltäglichen Umgang mit Stoffen und schaffen die Sachkompetenz für fundierte Diskussionen über gesellschaftlich relevante Themen, die chemische Fragestellungen beinhalten. Ausgehend von Alltagserfahrungen bietet der Unterricht den Schülern vielfach die Möglichkeit, fachliche Fragestellungen selbst zu formulieren und eigene Ideen zu deren Lösung einzubringen. Dies gilt in besonderem Maß für das selbständige Experimentieren unter Aufsicht des Lehrers vor allem in den Profilstunden. Gerade dabei werden grundlegende Arbeitshaltungen und Fähigkeiten wie Sorgfalt, Ausdauer, folgerichtiges, kreatives und vernetztes Denken eingeübt. Selbständiges Experimentieren steigert nicht nur die Motivation und die manuelle Geschicklichkeit, sondern fördert auch die Teamfähigkeit und, durch sicherheitsgerechtes und umweltbewusstes Vorgehen, das Verantwortungsbewusstsein der Schüler (vgl. Richtlinien zur Sicherheit im Unterricht in der jeweils geltenden Fassung). Es stärkt also auch soziale und kommunikative Kompetenzen und dient somit wichtigen erzieherischen Anliegen. Möglichkeiten zum experimentellen Arbeiten sollen deshalb auch in den Ausbildungsrichtungen und Jahrgangsstufen genutzt werden, in denen entsprechende Profilstunden im Lehrplan nicht ausgewiesen sind.

Zusammenarbeit mit anderen Fächern Der Chemieunterricht trägt nicht nur zum fachspezifischen Erkenntnisgewinn bei, sondern dient auch der fächerverbindenden und fächerübergreifenden Zusammenarbeit. Die Zusammenschau grundlegender Erkenntnisse aus Chemie, Biologie und Physik, unter Anwendung von Methoden der Mathematik, fördert das vernetzte Denken der Schüler und versetzt sie in die Lage, ein rationales, naturwissenschaftlich begründetes Weltbild aufzubauen. Bei der Diskussion aktueller Fragen und Probleme, wie etwa der Energieversorgung, der Ernährungssicherung, der Reinhaltung von Boden, Wasser und Luft und der Müllvermeidung bzw. -verwertung, ist die Zusammenarbeit mit den gesellschafts- und geisteswissenschaftlichen Fächern anzustreben. Dies kann z. B. in Form fächerverbindender Projekte geschehen. An geeigneten Stellen werden auch die Auswirkungen von Entwicklungen in der Chemie auf Kultur und Geschichte aufgezeigt. Ziele und Inhalte Der Chemieunterricht fördert die Kompetenz der Schüler, Phänomene der Lebenswelt auf der Grundlage ihrer Kenntnisse über Stoffe und chemische Reaktionen zu erklären, zu bewerten und dabei adressatengerecht zu kommunizieren. Neben dem Fachwissen ist also auch eine Handlungsdimension bedeutsam. Diese Handlungsdimension umfasst in Anlehnung an die KMK-Bildungsstandards für den Mittleren Schulabschluss bzw. den KMKBeschluss über Einheitliche Prüfungsanforderungen in der Abiturprüfung, in der jeweils gültigen Fassung, grundlegende Elemente naturwissenschaftlicher Erkenntnisgewinnung, also experimentelles und theoretisches Arbeiten, Kommunikation und die Anwendung und Bewertung chemischer Sachverhalte in verschiedenen Kontexten. Die Schüler erkennen dabei die Bedeutung der Wissenschaft Chemie und der chemischen Industrie für Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt und werden für eine nachhaltige Nutzung von Ressourcen sensibilisiert (z. B. verantwortungsbewusster Umgang mit Chemikalien und Gerätschaften in Haushalt oder Labor). Um die praktische Bedeutung der Chemie in Industrie und Technik zu veranschaulichen, sollen im Chemieunterricht auch die Möglichkeiten des Lernens vor Ort genutzt werden. Erkundungen von chemischen Betrieben oder wissenschaftlichen Labors, aber auch z. B. von Produktionsstätten der Lebensmittelindustrie oder von kommunalen Ver- und Entsorgungseinrichtungen ermöglichen nicht nur Einblicke in chemisch-technische Verfahren, sondern vermitteln auch einen Eindruck von der modernen Arbeitswelt, dienen der beruflichen Orientierung und fördern das transdisziplinäre Denken der Schüler. Um die Fachinhalte zu strukturieren, orientiert sich der Chemieunterricht an Basiskonzepten, d. h. bestimmte Betrachtungs- und Deutungsweisen finden bei verschiedenen Inhalten immer wieder Anwendung. Dadurch werden kumulative Lernprozesse in Gang gesetzt, die es den Schülern schließlich ermöglichen, verschiedene Phänomene selbst einzuordnen und zu erklären. Dieser Prozess gewinnt zunehmend an Tiefe und Komplexität. Folgende Basiskonzepte stehen im Mittelpunkt: • Stoff-Teilchen-Konzept: Die erfahrbaren Phänomene der stofflichen Welt und deren Deutung auf der Teilchenebene werden konsequent unterschieden. • Struktur-Eigenschafts-Konzept: Art, Anordnung und Wechselwirkung der Teilchen bestimmen die Eigenschaften eines Stoffes. • Donator-Akzeptor-Konzept: Säure-Base- und Redoxreaktionen lassen sich als Protonenbzw. Elektronenübergänge beschreiben. • Energiekonzept: Alle chemischen Reaktionen sind mit einem Energieumsatz verbunden. • Gleichgewichtskonzept: Reversible chemische Reaktionen können zu einem Gleichgewichtszustand führen. In den Jahrgangsstufen 8 mit 10 des Naturwissenschaftlich-technologischen Gymnasiums bzw. 9 und 10 des Sprachlichen, des Musischen sowie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Gymnasiums erwerben die Schüler ein fundiertes Wissen über Stoffe und

Fachprofile

C

Chemie

2

Naturwissenschaften

Gesellschafts- und Geisteswissenschaften

Bildungsstandards

Lernen vor Ort

Basiskonzepte

57

Jahrgangsstufen 8 mit 10

C

Fachprofile

3

Chemie

Profilbereich

Jahrgangsstufen 11 und 12

deren chemische Eigenschaften sowie die Fähigkeit, diese Eigenschaften auf der submikroskopischen Ebene zu deuten. Im Profilbereich der Jahrgangsstufen 8 mit 10 des Naturwissenschaftlich-technologischen Gymnasiums besteht darüber hinaus die Möglichkeit, Inhalte anwendungsbezogen zu vertiefen und, durch die zentrale Stellung des Schülerexperiments, unmittelbare persönliche Erfahrungen zu sammeln. Dies wird der großen Bedeutung des Experiments für die naturwissenschaftliche Erkenntnisgewinnung gerecht und fördert die für die Technik charakteristische problemorientierte Herangehensweise an Aufgabenstellungen. Allen Schülern steht die Wahl des Faches Chemie in den Jahrgangsstufen 11 und 12 offen. Dort wird ein Überblick über Themen der physikalischen Chemie, der Biochemie und der angewandten Chemie vermittelt. Für besonders interessierte Jugendliche bietet sich darüber hinaus die Wahl von Chemie als Seminar an. Die Themen verteilen sich wie folgt über die Jahrgangsstufen 8 mit 12: Jgst. (Wochenstd.)

Themenbereiche

8NTG (2 + Profil)

• • • •

Stoffe und Reaktionen Formeln und Reaktionsgleichungen Atombau und gekürztes Periodensystem Salze, Metalle und molekular gebaute Stoffe

9NTG (2 + Profil)

• • • • •

Analytische Verfahren Quantitative Aspekte chemischer Reaktionen Molekülstruktur und Stoffeigenschaften Protonenübergänge Elektronenübergänge

10NTG (2 + Profil)

• Kohlenwasserstoffe • Sauerstoffhaltige Kohlenwasserstoffe • Biomoleküle

9SG, MuG, WSG (2)

• • • • •

Stoffe und Reaktionen Formeln und Reaktionsgleichungen Atombau und gekürztes Periodensystem Bindungstypen: Metalle, Salze, molekulare Stoffe Quantitative Aspekte chemischer Reaktionen

10SG, MuG, WSG (2)

• • • •

Molekülstruktur und Stoffeigenschaften Protonenübergänge Elektronenübergänge Reaktionsverhalten organischer Verbindungen

11 (3)

• • • • • •

Aromatische Kohlenwasserstoffe Struktur und Eigenschaften von Farbstoffen und Kunststoffen Fette und Tenside Kohlenhydrate und Stereoisomerie Aminocarbonsäuren und Proteine Reaktionsgeschwindigkeit und Enzymkatalyse

12 (3)

• Chemisches Gleichgewicht • Protolysegleichgewichte • Redoxgleichgewichte

58

Grundwissen

Anschlussfähige Inhalte und fachspezifische Methoden, die im weiteren Unterricht von besonderer Bedeutung sind, werden in den Lehrplänen der einzelnen Jahrgangsstufen als Grundwissen ausgewiesen, das Kenntnisse, Fertigkeiten und Haltungen umfassen kann.

Fachprofile

B

Biologie

1

Biologie Selbstverständnis des Faches Naturwissenschaften prägen unsere Gesellschaft und bilden heute einen wesentlichen Teil unserer kulturellen Identität. Der Beitrag der Biologie zur Welterschließung liegt in der Auseinandersetzung mit dem Lebendigen. Biologische Erkenntnisse haben für die Medizin und in den Bereichen Ernährung, Gentechnik, Biotechnologie und Umwelt hohe gesellschaftliche Relevanz und gewinnen in der technischen Anwendung zunehmend wirtschaftliche Bedeutung. Das Fach Biologie fördert durch die Auseinandersetzung mit diesen Themen sowie den Arbeitsmethoden und Denkweisen der Fachwissenschaft die Kompetenzen, die Schüler für eine naturwissenschaftlich-technische Berufsorientierung, aber auch für die aktive Teilhabe an der öffentlichen Diskussion benötigen. Die Erkenntnisse der Humanbiologie oder die Sichtweise der Evolutionstheorie beeinflussen überdies in hohem Maß unser Selbstverständnis und unser Weltbild. Die von der Natur ausgehende Faszination und das Wissen, dass der Mensch seine Umwelt tiefgreifend beeinflusst, zugleich aber Teil derselben ist, führen die Schüler zur Achtung vor dem Lebendigen und zur Verantwortlichkeit des Menschen für sein Handeln. Beitrag des Faches zur gymnasialen Bildung und Persönlichkeitsentwicklung Im Biologieunterricht lernen die Schüler sowohl den Weg empirischer Erkenntnisgewinnung kennen als auch, auf der Grundlage von erkannten Gesetzmäßigkeiten, Vorhersagen zu machen. Handlungsorientierte Unterrichtsverfahren leisten einen Beitrag zum Erwerb von Fähigkeiten und Fertigkeiten, die allen naturwissenschaftlichen Fächern gemeinsam sind. Die Schüler lernen beim Planen und Durchführen von Experimenten genaues Beobachten, klares Beschreiben sowie sachgerechtes Darstellen und Interpretieren. Hierbei werden die Richtlinien zur Sicherheit im Unterricht in der jeweils geltenden Fassung berücksichtigt. Zunehmend setzen sich die Jugendlichen im Unterricht mit anspruchsvollen, anwendungsbezogenen Fragestellungen auseinander, die ein fächerverbindendes, vernetztes Denken unter Rückgriff auf biologisches Basiswissen voraussetzen. Das Arbeiten mit Modellvorstellungen und der häufige Wechsel zwischen verschiedenen Organisationsebenen (z. B. Zellen, Organe, Organismen, Ökosysteme) fördern das Abstraktionsvermögen und schulen multiperspektivisches und logisches Denken. Der Biologieunterricht vermittelt anschlussfähiges Orientierungswissen, das den Schülern die Teilnahme an der öffentlichen Diskussion und an wichtigen Entscheidungsprozessen mit biologischen Inhalten ermöglicht. Für das Selbstverständnis des Menschen ist das Fach Biologie von grundlegender Bedeutung. Die Schüler erkennen die Einzigartigkeit eines jeden Lebewesens; dies führt zur Bereitschaft, sich selbst zu akzeptieren und aktiv zur Erhaltung der eigenen Gesundheit beizutragen, aber auch zu einem respektvollen Verhalten gegenüber den Mitmenschen und allen anderen Lebewesen. Die unmittelbare Begegnung mit der Schönheit und Vielfalt der Natur und das Erleben von Tieren und Pflanzen in ihren Lebensräumen sind für die Schüler von unschätzbarem Wert. Dies stärkt nicht nur den emotionalen Bezug zur Tier- und Pflanzenwelt, sondern gibt auch Anstöße für eine sinnvolle Freizeitgestaltung und fördert die Verbundenheit zum Heimatraum. Aus der Beschäftigung mit den Lebewesen und Lebensvorgängen in ihrer Komplexität und wechselseitigen Abhängigkeit erwächst eine Voraussetzung für vorausschauendes Handeln zum nachhaltigen Schutz der Lebensgrundlagen in Verantwortung für die nachfolgenden Generationen. Zusammenarbeit mit anderen Fächern Der Biologieunterricht greift bei der Beschreibung von Phänomenen auf Erkenntnisse und Methoden der Physik, der Chemie und der Mathematik zurück. Die Zusammenführung von

Naturwissenschaft vom Leben

Gesellschaftliche Relevanz

Weltbild Achtung vor der Schöpfung

Empirische Erkenntnisgewinnung

Abstraktionsvermögen und logisches Denken

Urteilsvermögen

Selbstverständnis des Menschen

Naturbegegnung

Nachhaltigkeit 59

Naturwissenschaften

60

B

Fachprofile

2

Biologie

Gesellschafts- und Geisteswissenschaften

Musischer Bereich

Jahrgangsstufen 5 und 6

Jahrgangsstufen 8 mit 10

Jahrgangsstufen 11 und 12

Öffnung der Schule

Erkenntnissen dieser Fächer fördert vernetztes Denken und schafft für die Schüler die Voraussetzung für den Aufbau eines rationalen, naturwissenschaftlich begründeten Weltbildes. Bezüge zur Technik bieten besonders die Biotechnologie und die Bionik, die in der Natur nach Vorbildern für technische Lösungsansätze und deren ökonomische Umsetzung sucht. Inhaltliche Bezüge bestehen auch zu den Fächern der Gesellschafts- und Geisteswissenschaften. So bietet sich im Rahmen von Projekten eine fächerübergreifende Zusammenarbeit besonders in den Bereichen Familien- und Sexualerziehung, Suchtprävention sowie Gesundheitsförderung und Umweltbildung an. Darüber hinaus liefert der Biologieunterricht Kenntnisse, die im Fach Geographie bei der Behandlung von Natur- und Kulturräumen aufgegriffen werden. In der Gesellschaft kontrovers diskutierte Themen, die an Grenzfragen der menschlichen Existenz heranreichen, führen zur Zusammenarbeit mit den Fächern Katholische und Evangelische Religionslehre sowie Ethik. Das Fach Biologie liefert fundamentale Grundlagen zur Sporttheorie und gewinnt durch Fragestellungen aus dem Bereich des Sports selbst an Lebensnähe und Aktualität. Der faszinierende Formenreichtum der Natur ist eine wichtige Quelle für die Entfaltung von Phantasie und Kreativität auch im künstlerischen Bereich und liefert damit einen Beitrag zur ästhetischen Bildung. Ziele und Inhalte Im Rahmen des Faches Natur und Technik begegnen die Schüler der Biologie als Naturwissenschaft am Gymnasium. Die Betrachtung des Menschen, der Wirbeltiere und Blütenpflanzen vermittelt ihnen einen Einblick in biologische Zusammenhänge und führt sie zu grundlegenden Kenntnissen über den eigenen Körper, typische Arten in ihren Lebensräumen, Wechselbeziehungen in Lebensgemeinschaften sowie einige Verhaltenselemente bei Tier und Mensch. Wichtige Ziele sind dabei, auch Interesse und Freude an der Natur aufzubauen und zu bewahren. Aufgrund ihrer Fähigkeit, zunehmend abstrakter zu denken, setzen sich die Jugendlichen im Biologieunterricht ab Jahrgangsstufe 8 mit komplexeren Themen aus den Bereichen Evolution, Genetik, Zellbiologie, Ökologie und Physiologie des menschlichen Körpers auseinander. Daneben werden die fächerübergreifend zu behandelnden Themen Suchtprävention sowie Familien- und Sexualerziehung über die biologischen Grundlagen hinaus erneut aufgegriffen. Die Bedeutung der Fachinhalte wird zudem in den Kapiteln „Angewandte Biologie“ deutlich. In den Jahrgangsstufen 11 und 12 erwerben die Lernenden in den Teildisziplinen Stoffwechselphysiologie, Genetik und Neurobiologie ein vertieftes Verständnis von Lebensvorgängen auf zellulärer und molekularer Ebene. Die Beschäftigung mit Inhalten der Ökologie, der Evolutions- und der Verhaltensbiologie erfordert zunehmend ein Denken in Systemzusammenhängen. In der Auseinandersetzung mit Anwendungen biologischer Kenntnisse, z. B. in der Bio- und Gentechnologie, lernen die Schüler Möglichkeiten, aber auch Grenzen und Gefahren einer dynamischen Wissenschaft kennen. Für besonders interessierte Jugendliche bietet sich darüber hinaus die Wahl von Biologie als Seminar an. Naturkundliche Exkursionen, Besichtigungen und Expertenvorträge sollen den Biologieunterricht durch Praxisbezug in allen Stufen bereichern und ergänzen. Die Themenbereiche verteilen sich wie folgt über einzelnen Jahrgangsstufen: Jgst. (Wochenstd.)

Themenbereiche

5, NT (1,5)

• • • •

6, NT (2)

• Wirbeltiere in verschiedenen Lebensräumen • Bau und Lebenserscheinungen der Blütenpflanzen

Kennzeichen und Geschichte der Lebewesen Körper des Menschen und seine Gesunderhaltung Suchtprävention, Familien- und Sexualerziehung Körperbau und Lebensweise von Säugetieren

8 (2)

• • • •

Einfache Organisationsstufen von Lebewesen Einblick in die Biodiversität bei wirbellosen Tieren Evolutionstheorie Fortpflanzung und Entwicklung des Menschen

9 (2)

• • • • •

Nerven- und Hormonsystem, Sinnesleistungen Suchtgefahren und Gesundheit Grundlagen der Genetik Immunsystem Angewandte Biologie

10 (2)

• • • •

Stoffwechsel des Menschen Bau und Funktion innerer Organe Ökologie Angewandte Biologie

11 (3)

• Strukturelle und energetische Grundlagen des Lebens • Genetik und Gentechnik • Neuronale Informationsverarbeitung

12 (3)

• Evolution • Der Mensch als Umweltfaktor – Biodiversität • Verhaltensbiologie

Die Vielfalt biologischer Phänomene macht ein exemplarisches Vorgehen im Unterricht unumgänglich. Um die Inhalte zu strukturieren, orientiert sich der Biologieunterricht an Basiskonzepten, auf die bei der Behandlung der verschiedenen Fachinhalte immer wieder Bezug genommen wird: • Struktur und Funktion: Lebewesen und Lebensvorgänge sind an Strukturen gebunden; es gibt einen Zusammenhang von Struktur und Funktion. • Organisationsebenen: Lebensphänomene lassen sich auf verschiedenen Organisationsebenen erklären. • Stoff- und Energieumwandlung: An allen Lebensvorgängen sind Stoff- und Energieumwandlungen beteiligt. • Information und Kommunikation: Lebewesen nehmen Informationen auf, speichern und verarbeiten sie und kommunizieren. • Steuerung und Regelung: Lebewesen halten bestimmte Zustände durch Regulation aufrecht und reagieren auf innere und äußere Veränderungen. • Reproduktion: Lebewesen sind fähig zur Reproduktion, dabei geben sie Erbinformationen weiter. • Variabilität und Angepasstheit: Lebewesen sind bezüglich Bau und Funktion an ihre Umwelt angepasst. Angepasstheit wird durch Variabilität ermöglicht. • Entwicklung: Lebendige Systeme verändern sich mit der Zeit. Man unterscheidet die Individualentwicklung und die evolutionäre Entwicklung. Durch die Betonung der Basiskonzepte kommen kumulative Lernprozesse in Gang, die die Schüler schließlich dazu befähigen, Phänomene der Natur selbst einzuordnen und zu deuten. Dieser rational geprägte Zugang zur Biologie, der zunehmend an Tiefe und Komplexität gewinnt, wird durch emotionale Naturbegegnungen zu einer ganzheitlichen Betrachtungsweise ergänzt. Anschlussfähige Inhalte und fachspezifische Methoden, die auch im weiteren Unterricht von Bedeutung sind, werden in den Lehrplänen der einzelnen Jahrgangsstufen als Grundwissen ausgewiesen, das Kenntnisse, Fertigkeiten und Haltungen umfassen kann.

Fachprofile

B

Biologie

3

Basiskonzepte

Kumulatives Lernen

61

Grundwissen

62

NT

1

Fachprofile Natur und Technik

Natur und Technik Naturwissenschaftlichtechnische Grundbildung

Bedeutung für die Gesellschaft

Brückenfunktion

Arbeitsmethoden und Konzepte

Allgemeinbildung

Vernetztes und abstrahierendes Denken Kreativität

Selbständiges Arbeiten

Selbstverständnis des Faches Naturwissenschaften und Technik prägen in hohem Maße das alltägliche Leben. Fortschritt und Wohlstand in unserer Gesellschaft beruhen ganz wesentlich auf naturwissenschaftlichen Erkenntnissen, ingenieurwissenschaftlichen Entwicklungen und dem Einsatz moderner Informatiksysteme. Das Fach Natur und Technik legt die Basis für eine naturwissenschaftliche, technische sowie informatische Grundbildung. Es greift die natürliche Neugier von Mädchen und Jungen für Naturphänomene und technische Systeme auf und hilft, dieses Interesse und damit auch die Offenheit für eine spätere berufliche Orientierung im naturwissenschaftlich-technischen Bereich zu bewahren. Grundlegende Kenntnisse im Umgang mit der Informationstechnologie werden zudem für eine wachsende Anzahl zukunftsfähiger Berufe immer wichtiger. Die frühe und kontinuierliche Auseinandersetzung mit der Natur und der Technik fördert das Verantwortungsbewusstsein der Kinder für die Umwelt und ihre Handlungsbereitschaft im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung. Sie erwerben erste fachliche Kompetenzen für Diskussionen und Entscheidungen, die die naturwissenschaftliche und technische Entwicklung in unserer Gesellschaft betreffen. Für die Schüler schlägt das Fach Natur und Technik eine Brücke vom Heimat- und Sachunterricht der Grundschule zum Fachunterricht der Naturwissenschaften und der Informatik in der Mittelstufe des Gymnasiums. Sie erfahren das Fach in seiner ganzheitlichen Sicht auf naturwissenschaftliche Themenstellungen als Eingangstor zu diesen Fachwissenschaften, indem sie zunehmend mit spezifischen Arbeitsmethoden und Konzepten der Naturwissenschaften und der Informatik vertraut werden. Durch den modularen Aufbau aus den Schwerpunkten Naturwissenschaftliches Arbeiten, Biologie, Informatik und Physik sowie durch die Integration von Inhalten aus der Chemie und der Geographie werden bereits wesentliche Charakteristika der Fachdisziplinen, aber auch deren innerer Zusammenhang deutlich. Beitrag des Faches zur gymnasialen Bildung und Persönlichkeitsentwicklung Im Fach Natur und Technik erwerben die Schüler grundlegende Kenntnisse und Fertigkeiten aus den Naturwissenschaften, der Technik und der Informatik. Diese Grundbildung macht einen wesentlichen Teil ihrer Allgemeinbildung aus und befähigt sie, konstruktiv an der Informations- und Wissensgesellschaft teilzuhaben. Die Beschäftigung mit naturwissenschaftlichen Gesetzmäßigkeiten, mit Modellen und Ordnungsprinzipien fördert das logische und abstrahierende Denken. Durch die Verbindung fachspezifischer und fächerübergreifender Elemente unterstützt der Unterricht darüber hinaus ein offenes Herangehen an naturwissenschaftliche Fragestellungen sowie das für ein Verstehen komplexer Zusammenhänge nötige vernetzte Denken. Beim Ausprobieren, Experimentieren und kreativen sowie phantasievollen Gestalten entwickeln die Kinder manuelles Geschick und schärfen ihre Beobachtungsgabe. Sie erwerben die Fähigkeit, größere Zusammenhänge zu erkennen und zunehmend genauer zu beschreiben. Sie lernen unterschiedliche Methoden, wie man Information – auch mithilfe des Computers – sinnvoll strukturieren und angemessen präsentieren kann. Die Freude am praktischen Arbeiten und am Lösen von Problemen stärkt die Motivation der Kinder, selbständig neue Fragestellungen, auch im Rahmen von Wettbewerben, anzugehen, und fördert ihr Selbstvertrauen. Sie erkennen, dass erst zielstrebiges Arbeiten, das von Sorgfalt und Ausdauer geprägt ist, zum Erfolg führt. Die Schüler praktizieren unterschiedliche Formen der Zusammenarbeit und erfahren dabei unter anderem den Vorteil einer gut organisierten Arbeitsteilung im Team. Zusammenarbeit mit anderen Fächern Durch die Zusammenführung der Schwerpunkte Naturwissenschaftliches Arbeiten, Biologie, Informatik und Physik – unter Berücksichtigung der Chemie – wird eine Betrach-

Fachprofile Natur und Technik

NT

2

tung naturwissenschaftlicher Sachverhalte angestrebt, die der Ganzheitlichkeit kindlicher Wahrnehmung entspricht und vernetztes Denken fördert. Die wechselseitige Zusammenarbeit legt zudem die Grundlage für eine über die Unterstufe hinausgehende Kooperation der Naturwissenschaften untereinander und mit der Informatik. Des Weiteren ergeben sich – abhängig vom jeweils gewählten Inhalt – Synergien durch die Zusammenarbeit mit anderen Fächern. Einerseits werden die in anderen Fächern erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten genutzt. Andererseits liefert vor allem die Schulung fachlicher und allgemeiner Methodenkompetenzen sowie informatischer Grundkenntnisse wichtige Beiträge für viele andere Fächer und für fächerübergreifende Unterrichtsvorhaben. Ziele und Inhalte Im Fach Natur und Technik begegnen die Schüler Phänomenen und Vorgängen in der Natur und erleben naturwissenschaftliche Vorgehensweisen. Sie setzen sich aktiv mit technischen Anwendungen auseinander und erhalten Einblick in die Grundprinzipien der Darstellung und Strukturierung von Information und Abläufen. Die Vielfalt möglicher Themen erlaubt es den Kindern, Fragen zu formulieren und Probleme aufzugreifen, die sie aktuell interessieren. Auf der Suche nach Antworten werden sie selbst aktiv und wenden dabei Arbeitsmethoden an, die für die Naturwissenschaften, die Technik und die Informatik typisch sind. Sie erleben dabei unmittelbar die Vorteile gemeinschaftlichen Arbeitens, aber auch die sich daraus ergebenden Verpflichtungen jedes Einzelnen. Das Fach bietet den Schülern die Gelegenheit zu persönlichen Erfahrungen mit der Natur und der Technik. Es trägt so dazu bei, ihre Freude und Unvoreingenommenheit für Aufgaben zu erhalten, denen sie sich in ihrem zukünftigen Leben stellen müssen, und lässt sie die Einzigartigkeit eines jeden Lebewesens erkennen, was sie wiederum zu einem respektvollen Verhalten gegenüber der Umwelt führt. Die Auseinandersetzung mit humanbiologischen Themen hilft ihnen, sich selbst zu akzeptieren und aktiv zur Erhaltung der eigenen Gesundheit beizutragen. Im überwiegend handlungsorientierten Unterricht des Schwerpunkts Naturwissenschaftliches Arbeiten, der viel Raum lässt für Entdecken, Experimentieren und praktisches Arbeiten, erfahren die Schüler, dass ihr eigenständiges Vorgehen oft Fragestellungen aufwirft, die nur mit geeigneten theoretischen Erklärungsmustern weitergeführt werden können. Ausgehend von der kindlichen Neugier und der Fähigkeit, zu staunen, führt der Unterricht die Buben und Mädchen von der Beobachtung zu Fragestellungen, für die möglichst eigenständig Lösungsansätze gesucht werden. Ihre Begeisterung für praktisches Arbeiten und ihre unbekümmerte Kreativität setzen sie ein, um Lösungsideen auch selbsttätig umzusetzen. Im Schwerpunkt Biologie werden grundlegende Kenntnisse über den Menschen, über verschiedene Wirbeltierklassen und Pflanzen erworben. Die Schüler erfahren das Experiment als wesentlichen Bestandteil naturwissenschaftlicher Erkenntnisgewinnung und lernen, wie man mithilfe von Basiskonzepten, z. B. dem Zusammenhang zwischen Struktur und Funktion, die belebte Welt analysieren und strukturieren kann. Der Schwerpunkt Informatik unterstützt das zielgerichtete Umgehen mit Information und vermittelt den Schülern Einblick in produkt- und zeitunabhängige Konzepte, die sie auf unterschiedliche Softwaresysteme anwenden und übertragen können. Im Schwerpunkt Physik üben und vertiefen die Schüler bereits bekannte Arbeitsmethoden und lernen physikalische Grundbegriffe und Denkweisen genauer kennen. Sie erfahren, wie man alltägliche Naturerscheinungen und technische Anwendungen durch geeignete Modellvorstellungen erklären sowie Gesetzmäßigkeiten finden und beschreiben kann. Viele Beispiele zeigen ihnen, wie die Physik auch Fragestellungen aus Biologie, Chemie und Geographie klärend aufgreift. An einfachen Beispielen erkennen sie den Nutzen mathematischer Methoden. Durch die Vernetzung der vier Schwerpunkte erkennen die Schüler typische Merkmale der einzelnen Fachdisziplinen sowie die Vielfalt an Gemeinsamkeiten und Verknüpfungen und

Naturphänomene

Arbeitsmethoden

Soziales Lernen

Haltungen

Fachliche Schwerpunkte

63

NT

Fachprofile

3

Natur und Technik

Grundwissen

lernen, Sachverhalte und Fragestellungen aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und zu reflektieren. Auf das ausgewiesene Grundwissen, das Kenntnisse, Fertigkeiten und Haltungen umfasst, kann im späteren Unterricht in den naturwissenschaftlichen Fächern zurückgegriffen werden.

Jahrgangsstufe 5

Schwerpunkt Naturwissenschaftliches Arbeiten: • Arbeitsmethoden: Untersuchen, Messen, Ordnen, Experimentieren, Dokumentieren, Entdecken und Forschen, Präsentieren, Arbeiten im Team • Themenbereiche: Licht, Luft, Wasser, Boden und Gestein, Stoffe und Materialien, Umwelt und Leben • Konzepte: Stoff - Teilchenkonzept, Stoff- und Energiewandel Schwerpunkt Biologie: • Biologie – die Lehre von den Lebewesen • Körper des Menschen und seine Gesunderhaltung • Körperbau und Lebensweise von Säugetieren • Basiskonzepte der Biologie (vgl. Fachprofil Biologie) gemeinsames Projekt: • Untersuchen und Experimentieren in der Biologie

Jahrgangsstufe 6

Schwerpunkt Biologie mit propädeutischer Chemie: • Wirbeltiere in verschiedenen Lebensräumen • Bau und Lebenserscheinungen der Blütenpflanzen • Basiskonzepte der Biologie (vgl. Fachprofil Biologie) Schwerpunkt Informatik: • Information und ihre Darstellung, Graphikdokumente, Textdokumente, Multimediadokumente, hierarchische Informationsstrukturen • objektorientierte Analyse als Grundkonzept gemeinsames Projekt: • Präsentation zum Themenbereich „Wirbeltiere“

Jahrgangsstufe 7

Schwerpunkt Physik mit propädeutischer Chemie: • elektrischer Strom • Kräfte in der Natur und in der Technik • Optik Schwerpunkt Informatik: • vernetzte Informationsstrukturen (Internet), Austausch von Information (E-Mail), Beschreiben von Abläufen durch Algorithmen • objektorientierte Analyse als Grundkonzept gemeinsames Projekt: • Hypertexte zu einem Thema des Schwerpunkts Physik

Schulorganisation

64

Sicherheitsrichtlinien

Exkursionen

Besonderheiten des Faches Wegen des modularen Aufbaus von Natur und Technik können zwei verschiedene Lehrkräfte in einer Klasse tätig sein. Die starke inhaltliche Vernetzung der Schwerpunkte erfordert dann eine besonders enge Zusammenarbeit in der Planung und der Durchführung des Unterrichts. Der häufige Umgang mit dem Computer sowie der hohe Anteil an Schülerexperimenten stellen besondere Anforderungen an Räumlichkeiten, Ausstattung und Schulorganisation. Darüber hinaus sind die Schüler mit den Sicherheitsrichtlinien vertraut zu machen, die sie auch bei häuslichen Arbeiten einhalten müssen (vgl. Richtlinien zur Sicherheit im Unterricht an den Schulen in Bayern in der jeweils geltenden Fassung). Exkursionen stellen einen direkten Bezug zur außerschulischen Lebenswelt her und bereichern den Unterricht durch persönliche Erlebnisse.

Fachprofile

G

Geschichte

1

Geschichte Selbstverständnis des Faches Die Schüler erlangen durch den Unterricht im Fach Geschichte am Gymnasium vertiefte Erkenntnisse über Strukturen, Entwicklungen, Ereignisse und Persönlichkeiten, welche die Vergangenheit geprägt haben und damit auch das Leben in der Gegenwart beeinflussen. Sie erhalten einen Einblick in das Denken und Handeln der Menschen in früheren Zeiten. Ihnen wird bewusst, wie historisches Wissen entsteht, und sie entdecken das Faszinierende an der Beschäftigung mit der Dimension „Zeit“. Die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit fördert die Bereitschaft, sich mit dem zeitlich und räumlich Fernen sowie dem Fremden und Ungewohnten auseinanderzusetzen und ihm mit Offenheit zu begegnen. Gleichzeitig erleichtert die Beschäftigung mit Zusammenhängen zwischen Vergangenheit und Gegenwart die Orientierung der Schüler in ihrer eigenen Lebenswelt. Um die Zukunft mitzugestalten, bedarf es der Erkenntnis, dass die Gegenwart historisch bedingt ist. Ein vertieftes historisches Bewusstsein ist somit wesentlicher Bestandteil einer soliden politischen Bildung. Beitrag des Faches zur gymnasialen Bildung und Persönlichkeitsentwicklung Das am Gymnasium vermittelte differenzierte Geschichtsverständnis umgreift regionalbzw. landesgeschichtliche Entwicklungen ebenso wie die deutsche Geschichte und gesamteuropäische bzw. weltgeschichtliche Aspekte. Bei der unterrichtlichen Arbeit erhalten die Schüler auch einen Einblick in historische Forschungsmethoden und fachspezifische Vorgehensweisen zur Erschließung der Vergangenheit. Schrittweise werden sie zur selbständigen problemorientierten Beschäftigung mit historischen Vorgängen befähigt und erlernen den reflektierten Umgang mit Geschichtsvorstellungen in Vergangenheit und Gegenwart. Sie begegnen den Formen öffentlicher Geschichts- und Erinnerungskultur und werden in die Lage versetzt, daran teilzuhaben. Historische Methodenkompetenz, insbesondere die Fähigkeit zum überlegten Sammeln, Gliedern und Auswerten von Datenmaterial sowie zum rationalen Argumentieren, ist über den Fachunterricht hinaus von grundsätzlicher Bedeutung für die Lebensbewältigung. Analytisches Denken sowie die Bereitschaft, die Multikausalität von Erscheinungen und Ereignissen zu berücksichtigen, werden im Fach Geschichte besonders gefördert. Im Umgang mit der Geschichte entwickeln die Jugendlichen Verständnis für die unterschiedlichen Lebensformen und Mentalitäten der Menschen in vergangenen Zeiten und damit auch für fremde Kulturen der Gegenwart. Dies ist eine wichtige Voraussetzung für ihr eigenes Leben in einer von vielfältigen kulturellen Einflüssen geprägten Gesellschaft. Da die Begegnung mit der Vergangenheit nicht kritiklos erfolgt, werden wichtige Voraussetzungen für eine wertgeprägte Grundhaltung geschaffen. Die Schüler werden sich der Wurzeln unserer christlich-abendländischen Kultur und deren Bedeutung für die Identitätsfindung in Staat und Gesellschaft bewusst. Das Wissen um die Entstehung sowie um Chancen und Grenzen demokratischer Strukturen führt zur Wertschätzung der freiheitlichdemokratischen Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland und verdeutlicht die Notwendigkeit gesellschaftlichen Engagements. Im Rahmen der Werteerziehung stärkt der Geschichtsunterricht die Fähigkeit und den Willen zur Abwehr von politischem Extremismus in jeder Form; er fördert die Achtung der Menschenrechte, die Bereitschaft zur friedlichen Zusammenarbeit sowie die Herausbildung eines europäischen Bewusstseins bei gleichzeitiger Anerkennung des Eigenwerts von Regionen und Nationen. Aus geschichtlichen Erkenntnissen heraus entwickeln die Schüler Möglichkeiten der eigenen Lebensorientierung, indem sie aus der reflektierten Betrachtung der Vergangenheit Prämissen für das eigene Denken und Handeln gewinnen. Für das Fach Geschichte ist da-

Historische Erkenntnisse

Historisches Bewusstsein

Politische Bildung

Inhaltliche Dimensionen des Unterrichts

Lebensweltliche Bedeutung des Geschichtsunterrichts

Verständnis für kulturelle Vielfalt

Freiheitlichdemokratisches Profil

65

66

G

Fachprofile

2

Geschichte

Wertgebundene Toleranz

Grundlegende Funktion des Faches Geschichte

Bilingualer Unterricht

Jahrgangsstufen 6 mit 10: Chronologie

Anschaulichkeit und Zusammenhänge

Jahrgangsstufen 11 und 12: Längsschnitte; Querschnitte; Vergleiche; Fallstudien

bei die Erziehung zu einer Haltung der Aufgeschlossenheit und Toleranz gegenüber dem Neuen und Anderen auf der Grundlage klarer persönlicher Wertvorstellungen von besonderer Bedeutung. Zusammenarbeit mit anderen Fächern Auf Grund des Gewordenseins aller Erscheinungen menschlichen Lebens besitzt das Fach Geschichte eine grundlegende Funktion im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit vielen Fächern. Es stellt geschichtliches Wissen bereit, das zu einem vertieften Verständnis vieler Inhalte auch anderer Unterrichtsfächer beiträgt; dies verdeutlichen folgende Beispiele, die jeweils zentrale Aspekte der Zusammenarbeit hervorheben: • Religionslehre, Ethik

Wertorientierung; historische Entwicklung von Religionen, Konfessionen und Kirchen

• Deutsch, Fremdsprachen

historische Grundlagen literarischer Epochen und Strömungen; Landeskunde

• Mathematik, Naturwissenschaften

historisches Umfeld von Entdeckungen und Erfindungen

• Geographie

Raum als Faktor von geschichtlicher Bedeutung

• Sozialkunde

Entwicklung von Menschenrechten und politischen Institutionen

• Wirtschaft und Recht

Entwicklung von Wirtschaftssystemen und ihre geistesgeschichtlichen Hintergründe

• Kunst, Musik

historisch-kultureller Kontext künstlerischer Werke

Die Zusammenarbeit mit dem Fach Sozialkunde drückt sich ab Jahrgangsstufe 10 in einer engen thematischen Abstimmung beider Lehrpläne sowie einem gemeinsamen Projekt in Jahrgangsstufe 10 aus. Eine besondere Aufgabe kommt darüber hinaus dem bilingualen Unterricht im Fach Geschichte zu, der den Schülern mit Hilfe einer fremden Sprache ein vertieftes Verständnis anderer Kulturen und der damit verbundenen Perspektiven vermittelt. Ziele und Inhalte In den Jahrgangsstufen 6 mit 10 erhalten die Schüler einen an der Chronologie historischen Geschehens orientierten Überblick über die Epochen und Räume der Weltgeschichte, der seinen Schwerpunkt auf die Erarbeitung von Grundlinien deutscher und europäischer Geschichte legt, ab der Frühen Neuzeit aber auch zunehmend die weltpolitische Dimension aufgreift. Die Entwicklung eines chronologischen Bewusstseins schafft einen Ordnungsrahmen für die Vielfalt der historischen Phänomene. Die Anschaulichkeit ist in den Jahrgangsstufen 6 mit 10 ein wichtiger Ausgangspunkt für die unterrichtliche Arbeit. Die Lebendigkeit und Farbigkeit der Inhalte sowie die Vielfalt der Formen ihrer Vermittlung im Unterricht sprechen die emotionalen und erlebnisorientierten Bedürfnisse der Jugendlichen an; dabei werden die historischen Fakten von Anfang an stets in größere Zusammenhänge eingebettet. Der Geschichtsunterricht in den Jahrgangsstufen 11 und 12 konzentriert sich auf der Basis eines soliden Grundwissens stärker auf Strukturierungskonzepte wie Längs- und Querschnitte, Vergleiche und problemorientierte Fallstudien, welche die in den Jahrgangsstufen 6 mit 10 erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten methodenorientiert und mehrperspektivisch in neuen Zusammenhängen zur Anwendung bringen und vertiefen. Das Fach Geschichte in den Jahrgangsstufen 11 und 12 erweitert die Allgemeinbildung der jungen

Erwachsenen und gewährleistet eine sichere historische Orientierung. Die Wahl eines Seminars Geschichte eröffnet ihnen die Möglichkeit, sich wissenschaftsnah mit spezielleren, den Stoff des Lehrplans vertiefenden und ergänzenden Themen zu befassen. In den Seminaren der Oberstufe, aber auch im Zuge der vertiefenden und wiederholenden Einheiten in den Jahrgangsstufen 6 mit 10 (exemplarische Vertiefungen in den Jahrgangsstufen 6 mit 9; gemeinsames Projekt mit Sozialkunde in Jahrgangsstufe 10) besteht Gelegenheit, mit Hilfe lokal- oder regionalgeschichtlicher Themen eine die Jugendlichen unmittelbar berührende Vorstellung von geschichtlichen Sachverhalten zu vermitteln. An geeigneter Stelle sollen dazu die vielfältigen Möglichkeiten der „Geschichte vor Ort“ genutzt werden: Bei Studientagen mit historischer Thematik, beim Besuch außerschulischer Lernorte (Museen, Archive, Gedenkstätten) sowie durch die Zusammenarbeit mit historischen Vereinen leistet das Fach Geschichte mit seinen spezifischen Inhalten und Methoden einen wesentlichen Beitrag zur Öffnung der Schule nach außen. Dies ist in sinnvoller und abgestufter Weise in jeder Jahrgangsstufe anzustreben. Insbesondere in der Oberstufe sollen zudem Kontakte zu Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen hergestellt werden. Die Nutzung der Bibliothek als Lernort dient in jeder Jahrgangsstufe einer immer selbständigeren Aneignung geschichtlicher Inhalte. Zur Stärkung der fachlichen Grundlagen werden über alle Jahrgangsstufen hinweg fachspezifische Methoden vermittelt und ihre kompetente Handhabung wird eingeübt. Die Schüler begegnen dabei den unterschiedlichen Formen geschichtlicher Quellen und den jeweils angemessenen Auswertungsmethoden. Es wird auf eine altersgemäße und zugleich an Fachinhalten orientierte Abfolge in progressiver Anlage geachtet. Die Methodenkompetenz umfasst auch den sinnvollen Umgang mit neuen Medien und schließt die angemessene Nutzung moderner Präsentationsformen durch die Jugendlichen mit ein. Die differenzierte Betrachtung und Auswertung geschichtlicher Zeugnisse führt zur Wahrnehmung aus unterschiedlichen Perspektiven und ermöglicht dadurch die Einsicht in die Bedingtheit und Begrenztheit menschlich-historischer Erfahrungen. Der Geschichtsunterricht macht zudem die Grundphänomene von Veränderung und Kontinuität in der Zeit begreifbar. Auch dadurch hilft er den jungen Menschen bei der Suche nach eigenen festen Maßstäben. Die Nachhaltigkeit geschichtlichen Lernens wird im Lehrplan durch zusätzliche Angebote zum Wiederholen, Vertiefen und Verknüpfen am Ende von Unterrichtseinheiten bzw. am Ende einzelner Jahrgangsstufen gesichert (exemplarische Vertiefungen). Die Auswahl der Themen durch die Lehrkraft soll unter Berücksichtigung der Situation in der einzelnen Klasse und mit deren Beteiligung erfolgen. Dabei wird in den Jahrgangsstufen 6 mit 10 besonderes Gewicht auf die Durchführung handlungs- und produktionsorientierter Projekte gelegt. Der Vermittlung des Grundwissens, das Kenntnisse, Fertigkeiten und Haltungen umfasst, kommt im Fach Geschichte fundamentale Bedeutung zu. Mit den zentralen Begriffen, Daten, Namen und Zusammenhängen, die den Unterricht über die einzelnen Jahrgangsstufen hinweg prägen, erwerben die Jugendlichen eine fachterminologische und chronologische Grundlage historischen Bewusstseins, die das historische Kontinuum gliedern hilft und das Verständnis für zeittypische wie langfristige geschichtliche Strukturen vertieft. Die fachspezifische und fächerübergreifende Bedeutung des Grundwissens muss den Schülern über die Jahrgangsstufen hinweg durch sein Aufgreifen und seine Anwendung in immer neuen Zusammenhängen verdeutlicht werden. In gleicher Weise werden in progressiver Form die historischen Methoden- und Orientierungskompetenzen über die Jahrgangsstufen hinweg vermittelt und erweitert. Der Unterricht in der Oberstufe setzt das sichere Verfügen über das Grundwissen sowie seine altersspezifische Reflexion voraus.

Fachprofile

G

Geschichte

3

Historische Methodik

Nachhaltigkeit des Lernens

Grundwissen

67

68

Geo

Fachprofile

1

Geographie

Geographie Planet Erde als Lebensgrundlage

Verbindung naturund gesellschaftswissenschaftlicher Sichtweisen

Orientierung im Raum

Verantwortung für Natur und Umwelt

Identitätsfindung, Weltoffenheit und Toleranz

Politische Bildung und Globalisierung Problemlösendes Denken

Medienkompetenz

Selbstverständnis des Faches Im Fach Geographie beschäftigen sich die Schüler mit räumlichen Strukturen und Prozessen auf der Erde. Ziel ist es, die Erde als Lebensgrundlage des Menschen in ihrer Einzigartigkeit, Vielfalt und Verletzlichkeit zu begreifen und verantwortungsbewusst mit ihr umzugehen. An globalen, regionalen und lokalen Raumbeispielen zeigt das Fach Geographie sowohl die gestaltende Wirkung der Naturkräfte als auch die raumprägenden Einflüsse des Menschen. Die Schüler lernen somit, natur- und gesellschaftswissenschaftliche Erkenntnisse, Sichtweisen und Methoden zu verbinden. Mit den Inhalten der Physischen Geographie, der Kulturgeographie und der Regionalen Geographie werden auch Kenntnisse aus anderen Geowissenschaften, wie zum Beispiel der Geologie, Meteorologie, Ozeanographie oder der Stadtplanung vermittelt. Beitrag des Faches zur gymnasialen Bildung und Persönlichkeitsentwicklung Durch die Arbeit mit topographischen, physischen und thematischen Karten wird das räumliche Vorstellungsvermögen verbessert. Dies ermöglicht es den Schülern, viele im Alltag vermittelte Informationen geographisch zuzuordnen. Dabei werden neben dem Orientierungswissen auch geographische Ordnungsraster aufgezeigt. So wird einerseits die Raumwahrnehmung geschult, andererseits die Fähigkeit entwickelt, räumliche Einzelphänomene in einen globalen Zusammenhang zu stellen. Durch Einblicke in naturgeographische Gesetzmäßigkeiten, aber auch in die Vielfalt und Schönheit der Erde sowie in die mögliche Gefährdung von Geoökosystemen durch menschliche Eingriffe entwickeln die Schüler Einsicht in die Notwendigkeit eines vorausschauenden Umgangs mit der Umwelt und den natürlichen Ressourcen. Sie wägen dabei ökonomische und ökologische Aspekte ab. Die Auseinandersetzung mit globalen und regionalen natur- und kulturgeographischen Strukturen, aber auch mit aktuellen Entwicklungen im Heimatraum trägt zur Ausbildung einer regionalen Identität bei. Durch den Vergleich des Heimatraumes mit anderen Teilen der Welt, der über die Jahrgangsstufen hinweg kontinuierlich erfolgt, werden die jungen Menschen zudem zur Reflexion ihrer eigenen Lebenswelt und Lebensweise angeregt. Die Begegnung mit europäischen und außereuropäischen Ländern und Regionen ermöglicht ihnen einen Einblick in die kulturelle Vielfalt auf der Erde. Sie erwerben Verständnis für andere Völker mit ihren spezifischen Lebens- und Wirtschaftsweisen und finden so zu einem weltoffenen Verhalten. Die Beschäftigung mit aktuellen raumwirksamen Entwicklungen und Konflikten fördert die Fähigkeit, Standpunkte argumentativ zu vertreten. Die Schüler lernen, lokale, regionale und globale Problemstellungen in ihrer wechselseitigen Durchdringung zu erkennen, differenziert zu beurteilen und mögliche Lösungswege abzuwägen. Damit leistet das Fach Geographie einen Beitrag dazu, dass die jungen Menschen als politisch aktive Staatsbürger an raumwirksamen Entscheidungsprozessen sowohl im Heimatraum als auch darüber hinaus verantwortungsbewusst teilnehmen können. Die Vielfalt geographischer Themen mit ihren Bezügen zu aktuellen Geschehnissen auf lokaler, regionaler und globaler Ebene ermöglicht es den Schülern, sich mit zunehmender Selbständigkeit Informationen aus sowohl traditionellen als auch modernen Medien zu beschaffen. Sie lernen, Informationen gezielt auszuwählen, diese zu ordnen, zu bearbeiten, zu bewerten und angemessen zu präsentieren. Zusammenarbeit mit anderen Fächern Da im Fach Geographie natur-, wirtschafts- und gesellschaftswissenschaftliche sowie historische Betrachtungsweisen integriert sind, bietet sich eine fächerübergreifende Zu-

sammenarbeit sowohl im täglichen Unterricht als auch bei Studien- und Projekttagen, Exkursionen oder Studienfahrten an. Bei der Klärung und Deutung von Naturphänomenen ergeben sich thematische Anknüpfungspunkte mit den Fächern Physik, Chemie, Biologie sowie Natur und Technik. Bei regionalen und landeskundlichen Themenfeldern sowie bei der Analyse von Kulturphänomenen lassen sich Verbindungen mit den Fächern Geschichte, Sozialkunde, Religionslehre und Ethik, aber auch mit den modernen Fremdsprachen herstellen. Gemeinsam mit diesen Fächern fördert der Geographieunterricht das interkulturelle Lernen. Mit dem Fach Wirtschaft und Recht bietet sich eine gemeinsame Behandlung wirtschaftsgeographischer Themen an. Als Integrationsfach gesellschaftlicher und naturwissenschaftlicher Sichtweisen leistet die Geographie auch einen entscheidenden Beitrag zur Umweltbildung, wobei vor allem die Konzeption einer nachhaltigen Entwicklung von Räumen, Ökonomien und Gesellschaften thematisiert wird. Ziele und Inhalte Der Geographieunterricht kombiniert thematische und regionale Betrachtungsweisen, so dass zugleich mit allgemeingeographischem Wissen auch grundlegende regionalgeographische Kenntnisse über die wichtigsten Teilräume der Erde erworben werden. Deren Untersuchung folgt, ausgehend von Bayern und Deutschland, dem Prinzip „Vom Nahen zum Fernen“. Die regionale Bündelung der Themen in jeder Jahrgangsstufe gewährleistet den Aufbau eines thematisch gegliederten, regionenbezogenen Grundwissens. Innerhalb der vorgegebenen Raumeinheiten soll die Auswahl der Fallbeispiele im Hinblick auf ihre allgemeine Aussagekraft, Aktualität und Zukunftsrelevanz erfolgen. Dieser regional-thematische Ansatz stützt auch den Erwerb eines fundierten topographischen Grundwissens, wobei die Topographie als durchgängiges Prinzip aber keinesfalls isoliert und schematisch erarbeitet werden soll. Da die regionalen Fallbeispiele in ein topographisches Grundgerüst eingebettet sind, sichert die Verknüpfung von allgemeingeographischen Themen mit räumlicher Orientierung das topographische Wissen über Regionen, Länder und Kontinente und schafft auf diese Weise einen strukturierenden Überblick über die Erde als Ganzes. Jedem Lehrplanabschnitt sind Ziele vorangestellt, welche die im Unterricht angestrebten Erkenntnis- und Entwicklungsprozesse aufzeigen. Die Reihenfolge der Inhalte des Lehrplans kann innerhalb der Jahrgangsstufe verändert werden, sofern dabei die Anforderungen eines systematisch aufbauenden Lernens beachtet werden. Um nachhaltiges Lernen zu gewährleisten, werden allgemeingeographische Themen in zunehmend komplexeren Zusammenhängen von Jahrgangsstufe zu Jahrgangsstufe immer wieder aufgegriffen, verknüpft und vertieft behandelt. Die Schüler sollen die in den jeweiligen Jahrgangsstufen als Grundwissen ausgewiesenen zentralen Kenntnisse, Fertigkeiten und Haltungen jederzeit zur Verfügung haben, damit ein nachhaltiger Lernerfolg gewährleistet ist. Ausgehend von ersten Erkenntnissen über Aufbau und Entstehung der Erde gewinnen die Schüler der Jahrgangsstufen 5 und 7 grundlegende Einsichten über raumprägende Naturfaktoren im Heimatraum, in Bayern, in Deutschland und in Europa sowie über Raumstrukturen und -prozesse in ländlichen und städtischen Räumen. In Jahrgangsstufe 8 erfahren sie, wie Menschen unter tropischen und arid-subtropischen Naturbedingungen leben und wirtschaften und erkennen dabei die Auswirkungen menschlicher Eingriffe in den Naturhaushalt der unterschiedlichen Landschaftszonen. Zudem erweitern sie, anknüpfend an die in Jahrgangsstufe 7 behandelten Klima- und Landschaftsregionen Europas, ihr Wissen über das globale Ordnungssystem der Klima- und Vegetationszonen. In der Jahrgangsstufe 10 erfahren die Heranwachsenden am Beispiel

Fachprofile

Geo

Geographie

2

Deutung geowissenschaftlicher Naturphänomene Interkulturelles Lernen

Nachhaltige Entwicklung

Regionale und thematische Geographie

Topographie

Struktur der Ziele und Inhalte Progression

Grundwissen

Unterrichtsschwerpunkte in den Jahrgangsstufen 5 bis 7 Unterrichtsschwerpunkte in den Jahrgangsstufen 8 bis 10

69

70

Unterrichtsprojekte

Geo

Fachprofile

3

Geographie

Unterrichtsschwerpunkte in den Jahrgangsstufen 11 und 12

Anwendung, Verknüpfung und Vertiefung

Geographische Arbeitsweisen

ausgewählter Länder Eurasiens, Nordamerikas und des pazifischen Raumes, wie Entwicklungswege durch das Zusammenspiel von Naturraum, Wirtschaft, Kultur und Politik geprägt werden. Ihre Kenntnisse über Entwicklungsräume aus der Jahrgangsstufe 8 werden wieder aufgegriffen, weiterentwickelt und mit dem Thema Nord-Süd-Konflikt im Zeichen der Globalisierung in einen weltweiten Zusammenhang gerückt. Während bislang geographische Themen in progressiver Weise auf immer neue Großräume projiziert wurden und sich ein Gesamtbild unseres Planeten aufbauen konnte, werden in den Jahrgangsstufen 11 und 12 die erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten an ausgewählten Themenbereichen vertieft. Die Schüler erweitern in der Jahrgangsstufe 11 ihr Wissen über die Geozonen und gewinnen intensive Einsichten in die Struktur, Funktion und Gefährdung von Ökosystemen. Im globalen Maßstab werden Verfügbarkeit, Nutzung, Gefährdung und Schutz ausgewählter Ressourcen von hoher Zukunftsbedeutung behandelt und im Kontext einer nachhaltigen Entwicklung diskutiert. In der Jahrgangsstufe 12 setzen die Schüler sich mit räumlichen Disparitäten auf unterschiedlichen Maßstabsebenen auseinander. Sie erarbeiten die komplexen Wirkungszusammenhänge für Entwicklungsunterschiede in der Einen Welt. Gemeinsam ist eine globale Einordnung der Themenbereiche, wobei auf eine starke Verknüpfung der globalen mit der regionalen Ebene geachtet wird. Diese umfassen Mensch-Umwelt-Beziehungen von hoher Gegenwarts- und Zukunftsbedeutung, die theoriegeleitet unter Einsatz einer großen Bandbreite an geographischen Arbeitsweisen analysiert werden. Bei der Vermittlung dieser Lerninhalte wird den Lehrkräften eine große Flexibilität hinsichtlich der zeitlichen Gestaltung und einer angemessenen Schwerpunktsetzung eingeräumt. Hierbei ist großer Wert auf die Förderung der Transferfähigkeit und die Vermittlung der Fähigkeit zum raumbezogenen Denken zu legen. Die Berücksichtigung aktueller raumrelevanter Ereignisse schafft eine hohe Motivation der Schüler und vermittelt, dass Geographie eine interdisziplinäre Wissenschaft mit hohem Anwendungsbezug ist. Als Alternative zu Geographie können die Schüler in der Jahrgangsstufe 12 als auch im Profilbereich als Kurs des Zusatzangebots das Fach Geologie wählen. Die Wahl des Seminars Geographie eröffnet Ihnen die Möglichkeit, sich mit spezielleren, den Stoff des Lehrplans vertiefenden und ergänzenden Themen zu befassen. Damit die Heranwachsenden die Teilräume der Erde als Ganzes erfahren und sich Möglichkeiten zur eigentätigen Erschließung der Welt zurechtlegen können, sollen immer wieder auch Ausblicke in ferne Räume – „Fenster in die Welt“ – eröffnet und Rückblicke in den Nahraum und auf Deutschland – „Lupen in den Heimatraum“ – vorgenommen werden. Aus den in den Jahrgangsstufen 5 bis 8 vorgeschlagenen Beispielen des Lehrplanbereichs „Regionaler Rückblick und globale Erweiterung“ ist jeweils ein Beispiel verpflichtend zu behandeln. Geographie braucht vielfältige Methoden, mit deren Hilfe die Welt ins Klassenzimmer geholt wird. Aus diesem Grund sind die in jeder Jahrgangsstufe jeweils aufgeführten geographischen Arbeitsweisen weitgehend verpflichtend, jedoch im Sinne einer freien Gestaltung des Unterrichts nicht bestimmten Inhalten zugeordnet. Hierbei wird dem Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologie zur Informationsbeschaffung und -bearbeitung in allen Jahrgangsstufen ein hoher Wert beigemessen. Viele Gegenstände des Geographieunterrichts eignen sich jedoch auch, sie unmittelbar in der Wirklichkeit zu beobachten und dabei geographische Arbeitsweisen einzuüben. Exkursionen und Unterrichtsgänge sind deshalb ein unverzichtbarer Bestandteil des Geographieunterrichts.

Fachprofile

Sk

Sozialkunde

1

Sozialkunde Selbstverständnis des Faches Das Fach Sozialkunde ist als Leitfach der politischen Bildung am Gymnasium Pflichtfach für alle Schüler in den Jahrgangsstufen 10 mit 12. In seinem Zentrum stehen der Mensch als soziales und politisches Wesen (Zoon politikon), die wichtigsten Formen des gesellschaftlichen Zusammenlebens, die demokratische Gestaltung der staatlichen Ordnung und die Mitgestaltung der internationalen Politik. Übergeordnete Zielsetzung ist, die Schüler auf der Grundlage des Menschenbildes der Demokratie zu eigenverantwortlichem Handeln, Urteilsfähigkeit und zur Übernahme von Verantwortung in der Gesellschaft zu erziehen. Der Unterricht vermittelt den Schülern die Fähigkeit, gegenwärtiges Geschehen im nationalen wie internationalen Rahmen auf historische Entwicklungen zu beziehen, was durch eine Zusammenarbeit der Fächer Sozialkunde und Geschichte sowie die Korrelation ihrer Lehrplaninhalte befördert wird. Als Orientierungshilfe werden Kategorien zum Verständnis der komplexen Welt der Gegenwart sowie des aktuellen Geschehens erarbeitet. Der rasche Wandel in Staat und Gesellschaft wird im Hinblick auf die grundlegenden Herausforderungen des 21. Jahrhunderts bewusstgemacht. Dabei wird von einer prinzipiellen Offenheit der Zukunft ausgegangen. Gestaltungsspielräume und alternative Lösungsansätze für die Bewältigung aktueller und künftiger Probleme werden aufgezeigt und erörtert. Beitrag des Faches zur gymnasialen Bildung und Persönlichkeitsentwicklung Das Fach Sozialkunde trägt zum Aufbau eines individuellen Wertesystems bei, das ethische Maßstäbe für die eigene Lebensführung setzt, sich auf Demokratie, Frieden und Freiheit als fundamentale Prinzipien, insbesondere auf die Achtung der Menschenwürde sowie der Menschen- und Bürgerrechte, gründet und die Ablehnung extremistischer Grundhaltungen einschließt. Den Schülern wird durch die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Welt- und Menschenbildern und mit freiheitsgefährdenden Gegenmodellen zur Demokratie die Notwendigkeit der Wertgebundenheit der Demokratie einsichtig. Beispiele aus der aktuellen Diskussion verdeutlichen das Spannungsverhältnis von Selbstverwirklichung im Rahmen bürgerlicher Freiheiten und Integration in die Gesellschaft. Konfliktfähigkeit und Kompromissbereitschaft werden durch die Einsicht in die Notwendigkeit von Kompromissen und die Lösung von Konflikten nach demokratischen Spielregeln gefördert. Die Thematisierung unterschiedlicher Lebensformen und Vorstellungen sowie der immer wieder zu leistende Perspektivenwechsel tragen entscheidend zur Herausbildung von Empathiefähigkeit und interkultureller Toleranz bei. Dem Bezug zur Lebenswelt der Schüler kommt in Sozialkunde eine ganz besondere Bedeutung zu. Im Unterricht sollen daher immer wieder Ereignisse und Entwicklungen thematisiert werden, welche die Schüler unmittelbar oder mittelbar betreffen, vom lokalen bzw. regionalen und nationalen Rahmen bis hin zu weltpolitischen Vorgängen. Die Schüler werden auf ihrem Weg zum mündigen, rational handelnden Staatsbürger gefördert. Sie sollen einerseits selbstbewusst eigene Interessen vertreten können, sich andererseits aber auch verantwortungsbewusst, konsensfähig und tolerant zeigen und sich in die Schulgemeinschaft und die Gesellschaft insgesamt integrieren. Zusammenarbeit mit anderen Fächern Als Leitfach der politischen Bildung macht es sich das Fach Sozialkunde zur Aufgabe, Kenntnisse, die in den vorangegangenen Jahrgangsstufen in verschiedenen anderen Fächern, insbesondere Katholische und Evangelische Religionslehre bzw. Ethik, Geschichte, Geographie sowie Wirtschaft und Recht, im Sinn eines aufbauenden Lernens im Bereich der politischen Bildung erworben wurden, nach den Kategorien des Faches zu systematisieren und in einen umfassenden, das Politische akzentuierenden Zusammenhang zu stellen.

Leitfach der politischen Bildung

Erziehung zur Demokratie Blick auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft

Werteerziehung

Bezug zur Lebenswelt

Ausbildung zum verantwortungsbereiten Staatsbürger

Systematisierende und akzentuierende Funktion innerhalb der Fächer der politischen Bildung

71

Sk

Fachprofile

2

Sozialkunde

In den Jahrgangsstufen 10 mit 12 ist fächerübergreifende Zusammenarbeit mit vielen anderen Fächern, vor allem den gesellschaftswissenschaftlichen Fächern, möglich und wünschenswert. Insbesondere die Kooperation mit Geschichte, z. B. in Form eines fächerübergreifenden Unterrichtsprojekts in der Jahrgangsstufe 10, erschließt den Schülern beispielhaft den Zusammenhang zwischen der historischen Dimension und den Aufgaben für Staat und Gesellschaft heute. Auch bei der Behandlung fächerübergreifender Bildungs- und Erziehungsziele kann das Fach einen wichtigen Beitrag leisten, vorrangig bei den Themenbereichen Politik, Medien, Menschenwürde/Menschenrechte, Ökonomie, Umwelt, Europa und Frieden. In der Oberstufe wirkt Sozialkunde regelmäßig bei Projekten und Studientagen zu Themen der politischen Bildung mit. Im Rahmen der beiden Seminare und im zweistündigen Profilfach Sozialkunde für Schüler aus dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Gymnasium können z. B. Kenntnisse und fachspezifische Kompetenzen vertieft werden. Die Vermittlung sozialkundlicher Inhalte und Methoden kann in besonderer Weise durch das Profilfach Sozialwissenschaftliche Arbeitsfelder oder das Wahlfach Politik und Zeitgeschichte unterstützt werden.

Vermittlung von Kompetenzen

Ziele und Inhalte Sozialkunde vermittelt die Kenntnis des gesellschaftlichen Systems und seiner Entwicklung sowie des politischen Prozesses auf nationaler wie internationaler Ebene. Daneben erwerben die Schüler auch eine Reihe fachspezifischer Kompetenzen und Fertigkeiten. Sie lernen den Umgang mit Verfassungstexten, üben die Beschaffung von Informationen ein, analysieren Tabellen, Schaubilder sowie Statistiken und stellen Arbeitsergebnisse visuell dar. In der Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen und politischen Themen erweitern sie ihre Medien-, Kommunikations- und Präsentationskompetenz. Wo immer möglich, wird altersangemessen an das aktuelle Geschehen angeknüpft werden. All dies befähigt die Schüler, auf Sachkenntnis beruhende, begründete und reflektierte Urteile zu bilden und Handlungskompetenzen zu entwickeln. Durch die Eröffnung unterschiedlicher Zugänge zum Verständnis von Staat und Gesellschaft wird im Fach Sozialkunde Bewusstsein für die Komplexität gesellschaftlicher und politischer Vorgänge sowie aktueller Entwicklungen vermittelt. Einstellungen und Werthaltungen, die aus dem Grundgesetz abzuleiten sind, werden entwickelt und gefördert. Das im Lehrplan ausgewiesene begriffliche Grundwissen aus den angeführten Bereichen sowie die erworbenen Kompetenzen stellen das nachhaltige Lernen sicher. Einen Überblick über die Inhalte der Jahrgangsstufen 10 mit 12 gibt die folgende Übersicht. Die Reihenfolge der Themengebiete innerhalb der einzelnen Jahrgangsstufen kann gegebenenfalls umgestellt werden. Im zweistündigen Profilfach Sozialkunde werden die Themen der Jahrgangsstufen 11 und 12 vertieft behandelt. Jgst.

Inhalte

10

• • • • • • • • •

11 12

72

Vertiefte Vermittlung sozialkundlicher Themen

Grundlagen unserer Verfassungsordnung Mitwirkungsmöglichkeiten in der demokratischen Gesellschaft im Überblick Grundzüge der politischen Ordnung in Deutschland Fächerübergreifendes Unterrichtsprojekt mit Geschichte Struktur und Wandel der Gesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland Grundzüge politischer Systeme der Gegenwart Europäische Einigung Frieden und Sicherheit als Aufgabe der internationalen Politik Herausforderungen für die Politik in einer globalisierten Welt

Sozialkunde am Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Gymnasium Im Fächerkanon des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Gymnasiums (WSG) übernimmt das profilbildende Fach Sozialkunde die Aufgabe, ein vertieftes Verständnis für gesellschaftliche und politische Zusammenhänge zu vermitteln. Die größere Stundenaus-

stattung, ggf. auch im Profilbereich, erlaubt eine breitere Vermittlung soziologischer und politologischer Themen, eine Beschäftigung mit theoretischen Ansätzen zu Menschenbild und Gesellschaft, eine differenzierte Einordnung von aktuellen Ereignissen in Gesamtzusammenhänge und eine auch Hintergründe betrachtende Analyse. Zudem besteht für Schüler des WSG die Möglichkeit, Sozialkunde als zweistündiges Profilfach in den Jahrgangsstufen 11 und 12 im Rahmen der individuellen Profilbildung zu belegen. In der sozialwissenschaftlichen Ausrichtung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Gymnasiums (WSG-S) ist Sozialkunde Kernfach. Als solches hat es, zusammen mit dem eng mit ihm in Verbindung stehenden Fach Sozialpraktische Grundbildung bzw. dem Profilfach Sozialwissenschaftliche Arbeitsfelder in den Jahrgangsstufen 11 und 12, maßgeblichen Anteil an der Profilbildung. Sozialkunde liefert einerseits die Grundlagen zu vielen Themen des Faches Sozialpraktische Grundbildung und greift andererseits dessen Fragestellungen auf. Verknüpfungen und Abstimmungen zwischen den beiden Fächern sichern in den Jahrgangsstufen 8 mit 10 den Blick auf die soziale und politische Wirklichkeit. So erwerben die Schüler in allen drei Jahrgangsstufen des WSG zusätzliche Kenntnisse und Erfahrungen zu psychologischen und pädagogischen Grundlagen sowie zu rechtlichen, wirtschaftlichen, ökologischen und historischen Rahmenbedingungen für die politische und soziale Arbeit. Soziale Wahrnehmung und soziales Handeln können während der in den Jahrgangsstufen 8 mit 10 vorgesehenen Praktika in Sozialpraktischer Grundbildung erprobt und entwickelt werden. Im Fach Sozialkunde erarbeiten sich die Schüler das dafür notwendige Vorwissen sowie die Grundkenntnisse über gesellschafts- und sozialpolitische Rahmenbedingungen. Die Kombination von sozialkundlichen Themen mit dem Blick auf die soziale Praxis und mit eigenem Handeln eröffnet zusätzliche Chancen, theoretische Kenntnisse, praktische Erfahrungen und eigene Fähigkeiten miteinander zu verbinden. Vor allem lassen sich auch soziale Kompetenzen überprüfen, ausbilden und fördern. Die Verknüpfung verstärkt zudem die Möglichkeiten, handlungsorientierte Methoden anzuwenden und interdisziplinäre Zugänge zu nutzen. Die Inhalte des Faches für die Jahrgangsstufen 8 mit 10 am WSG sind der folgenden Übersicht zu entnehmen. Die Reihenfolge der Themengebiete innerhalb der einzelnen Jahrgangsstufen kann gegebenenfalls umgestellt werden. Jgst.

Fachprofile

Sk

Sozialkunde

3

Kernfach am WSG-S

Zusammenarbeit mit dem Fach Sozialpraktische Grundbildung am WSG-S

Praktika

Handlungsorientierung

Inhalte

• Der Einzelne als Teil der Gemeinschaft 8 WSG-S • Jugendliche Lebenswelten • Konflikte und Konfliktregelung • Politik als ständiger Versuch der Problemlösung für Gesellschaft und Staat 9

• Toleranz und soziale Integration als Voraussetzung für ein friedliches Zusammenleben • Jugend und Medien • Leben in Europa • Gesellschaftlicher Wandel am Beispiel des Verhältnisses der Geschlechter

10 • Grundlagen unseres demokratischen Zusammenlebens WSG-S • Mitwirkungsmöglichkeiten in der demokratischen Gesellschaft • Die politische Ordnung in Deutschland: das politische System der Bundesrepublik Deutschland; politisches Leben und staatliche Ordnung im Freistaat Bayern • Fächerübergreifendes Unterrichtsprojekt mit Geschichte • Lebensgestaltung im 21. Jahrhundert (nur im Profilbereich)

73

74

SpG

1

Fachprofile Sozialpraktische Grundbildung/ Sozialwissenschaftliche Arbeitsfelder

Sozialpraktische Grundbildung/Sozialwissenschaftliche Arbeitsfelder Die soziale Existenz des Menschen als Kernthema

Nähe zur sozialen Wirklichkeit

Achtung der Menschenwürde

Soziale Aspekte der politischen Bildung

Stärkung des sozialen Bewusstseins

Selbstverständnis der Fächer Im Fach Sozialpraktische Grundbildung befassen sich die Schüler mit der sozialen Existenz des Menschen, seinen anthropologischen Voraussetzungen und konkreten Bedingungen. Sie betrachten die soziale Wirklichkeit, verschiedene Handlungsfelder des Zusammenlebens sowie Möglichkeiten sozialen und politischen Handelns. Neben Sozialkunde ist Sozialpraktische Grundbildung ein weiteres Profilfach für die sozialwissenschaftliche Ausrichtung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Gymnasiums (WSG-S). Wie in Sozialkunde wird das Interesse der Schüler auf das Verhältnis zwischen Individuum und Gesellschaft gelenkt, dabei wird insbesondere gezielt und vertieft die Frage nach der Integration des Einzelnen in die Gesellschaft und seiner sozialen Verantwortung für den Mitmenschen gestellt. In den Jahrgangsstufen 11 und 12 eröffnet sich Schülern des WSG-S die Möglichkeit, sich im Rahmen des Profilfaches Sozialwissenschaftliche Arbeitsfelder mit diesen Themen vertieft sowie erweitert und mit wissenschaftspropädeutischem Anspruch auseinanderzusetzen. Im Kontakt mit in der Praxis erfahrenen Personen, Einrichtungen und Organisationen wird die Bedeutung der Sozialarbeit für das Individuum wie auch für die Gesamtgesellschaft deutlich. Die Schüler können über diese Nähe zur sozialen Praxis und über Praktika eigene Fähigkeiten entwickeln. Die Jugendlichen werden auf qualifizierte erzieherische, beratende, pflegerische und medizinische Tätigkeiten und Berufsfelder aufmerksam gemacht und erhalten damit Orientierung für Studium und Beruf. In Sozialpraktischer Grundbildung und im Fach Sozialwissenschaftliche Arbeitsfelder soll den Schülern vermittelt werden, dass das Handeln des Einzelnen und das Zusammenleben von Vorstellungen bestimmt werden, die auf den Werten des Grundgesetzes basieren, insbesondere auf der Würde des Menschen und den davon abgeleiteten Grundrechten. Sofern im Folgenden nicht ausdrücklich auf einzelne Jahrgangsstufen hingewiesen wird, gelten die Aussagen zum Fach Sozialpraktische Grundbildung auch für das in den Jahrgangsstufen 11 und 12 darauf aufbauende Fach Sozialwissenschaftliche Arbeitsfelder. Beitrag des Faches zur gymnasialen Bildung und Persönlichkeitsentwicklung Sozialpraktische Grundbildung erweitert im WSG-S die durch das Fach Sozialkunde vertiefte politische Bildung um wesentliche soziale Aspekte und verstärkt die Herausbildung sozialer Kompetenzen. Wenn Heranwachsende human- und gesellschaftswissenschaftliche Grundtatsachen sowie politische und soziale Zusammenhänge kennen, sind sie in der Lage, die soziale Realität differenziert wahrzunehmen und sachlich fundiert zu analysieren. Sie können eine komplizierte gesellschaftliche und politische Wirklichkeit umso leichter begreifen, je kundiger sie aktuelle soziale und sozialpolitische Entwicklungen und Themen in übergeordnete Kategorien einzuordnen lernen. Über Themen und Inhalte des Faches wie auch über eigenes Handeln lässt sich ein ethisches Bewusstsein stärken, das geprägt ist vom Wissen um die Bedeutung der Menschenwürde und deren Wahrung – gerade auch im sozialen Alltag. Jugendliche können sich dadurch eine Werthaltung aneignen, die Grundlage für Einstellungen und eigene sozialkompetente Verhaltensweisen wird. Das Fach zielt ab auf eine Erziehung hin zur Toleranz, zum Willen und zur Fähigkeit, Konflikte geregelt und sachorientiert auszutragen, sowie zu einem angemessenen Umgang mit eigenen und fremden Gefühlen. Grundlage dafür ist eine von Mitmenschlichkeit getragene Solidarität und die Bereitschaft, soziale Verantwortung zu übernehmen.

Fachprofile

SpG

Sozialpraktische Grundbildung/ Sozialwissenschaftliche Arbeitsfelder

Das Fach trägt über Inhalte und praxisnahe Ausrichtung zur Entwicklung einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit bei. Die Jugendlichen können dadurch, jeweils angepasst an Altersstufe und Entwicklungsphase, • die eigene Entwicklung und Sozialisation verstehen und reflektieren, • sich der eigenen Einbindung in ein vielgestaltiges soziales Umfeld bewusst werden, • Spielräume und Folgen sozialen Handelns kennen und abschätzen lernen, • die Bedeutung sozialen Handelns für sich selbst und die Gemeinschaft erfassen, • eigene Fähigkeiten und soziale Kompetenzen ausloten und weiterentwickeln, • eine wertbegründete Haltung als Grundlage für eigenes Handeln aufbauen, • die Wirklichkeit der Berufswelt erfahren und Anregungen für Studium und Beruf erhalten, • Methoden kennen lernen, mit deren Hilfe die soziale Wirklichkeit empirisch erfasst und beschrieben werden kann, • allmählich eine sichere eigene Identität erlangen und für die eigene Zukunft Lebensentwürfe entwickeln. Die Schüler bilden die Fähigkeit zur Empathie weiter aus und werden sensibilisiert für soziale Themen. Bezüge zur Realität über die eigene erfahrbare Wirklichkeit hinaus wecken Verständnis für unterschiedliche Lebenssituationen. Über die Auseinandersetzung mit sozialen Problemen und Mangellagen sowie sozialpolitischen Maßnahmen entwickeln die Jugendlichen die Fähigkeit zu einem reflektierten Urteil. Zusammenarbeit mit anderen Fächern Das Fach Sozialpraktische Grundbildung sichert die Kenntnis grundlegender Tatsachen des Zusammenlebens in einer demokratisch gestalteten Gemeinschaft. Soziale Bezüge unserer Existenz werden durch die Verknüpfung mit Inhalten der Fächer Katholische und Evangelische Religionslehre, Ethik, Deutsch, Biologie, Geschichte, Geographie sowie Wirtschaft und Recht hergestellt, z. B. bei den Themen Kindheit und Entwicklung, Mensch und Natur, moderner Sozialstaat, Grundlagen der Kommunikation, Informationsgesellschaft. Alle Themenfelder erlauben es und machen es wünschenswert, Sichtweisen und Erkenntnisse aus verschiedenen Fächern zu vergleichen und zu verknüpfen. Zusätzlich verlangt die praxisbezogene Perspektive den Kontakt zur sozialen Wirklichkeit und lässt fächerübergreifende Projektarbeit zu. Viele Themen fordern multiperspektivische Zugänge heraus und eignen sich deswegen gut, um Studientage oder Jahrgangsstufenvorhaben zu initiieren oder zu begleiten. Die Inhalte leisten Beiträge für mehrere fächerübergreifende Bildungs- und Erziehungsziele, vor allem zu den Aspekten Beruf, Familie, Freizeit, Frieden, Gemeinschaft, Gesundheit, interkulturelles Verstehen und Handeln, Medien und Umwelt. Ziele und Inhalte Die Schüler entwickeln ein Verständnis für die soziale Existenz des Menschen, indem sie Grundtatsachen aus den Human- und Gesellschaftswissenschaften kennen lernen. Dabei beschäftigen sie sich – jeweils altersangemessen – mit Aspekten aus den Bereichen Biologie, Ökologie und Physiologie ebenso wie mit pädagogischen, psychologischen und sozialpsychologischen Fragestellungen. Ferner werden Sozialisations- und Integrationsprozesse, Strukturen und langfristige Entwicklungen im modernen Sozialstaat bewusstgemacht. Diese Kenntnisse sind Voraussetzung für eine rational begründete Einflussnahme auf die zukünftige Gestaltung des Zusammenlebens. In das Blickfeld geraten auch die Auswirkungen von wirtschaftlichen und politischen Entscheidungen auf individuelle Lebenslagen und die Gesellschaft. Der Altersstufe entsprechend erwerben die Schüler Kenntnisse und Fähigkeiten, die auf einen verantwortungsbewussten Umgang mit der eigenen Person wie auch mit anderen Menschen abzielen. So gewinnen sie z. B. ein Gespür dafür, auf die eigene Gesundheit zu achten, lernen die Freizeit sinnvoll zu gestalten und erweitern ihre kommunikativen Kompetenzen.

2

Entwicklung zur gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit

Sensibilisierung für soziale Themen

Erfassen der sozialen Wirklichkeit auf verschiedenen Wegen

Grundtatsachen der sozialen Existenz

Verstehen des modernen Sozialstaats

75

Beitrag zur Entwicklung der Selbstkompetenz

76

SpG

3

Fachprofile Sozialpraktische Grundbildung/ Sozialwissenschaftliche Arbeitsfelder

Nachhaltiges Lernen über Verknüpfung mit Themen des Faches Sozialkunde

Flexible Unterrichtsgestaltung

Kooperation mit außerschulischen Partnern

Steigende Anforderungen bei den Praktika

Sowohl in den Jahrgangsstufen 8 mit 10 als auch – verstärkt und zunehmend wissenschaftlich orientiert – im Fach Sozialwissenschaftliche Arbeitsfelder üben die Jugendlichen jeweils mit steigendem Anspruch Methoden aus den Sozialwissenschaften ein; so wenden sie u. a. einfachere Verfahren der empirischen Sozialforschung an, führen Umfragen oder Interviews durch und werten Daten aus Sozialstudien aus. Unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit des Lernens werden Inhalte einer früheren Jahrgangsstufe – wenn möglich mit Themen des Faches Sozialkunde verknüpft – mit höherem Anspruch aufgegriffen und weitergeführt. Zum Grundwissen gehören neben dem Wissen um Grundtatsachen und -begriffe aus der sozialen Arbeit und der Beherrschung elementarer fachspezifischer Methoden die Ausbildung, Ergänzung und Vertiefung von verantwortungsbewussten Grundeinstellungen. Themen und Inhalte unterstützen die Entwicklung eines mit zunehmendem Alter differenzierter werdenden Wertbewusstseins mit der Achtung der Menschenwürde als Ausgangspunkt und Grundlage. Die Inhalte, deren Reihenfolge innnerhalb der jeweiligen Jahrgangsstufe schulintern abgesprochen werden kann, sind folgendermaßen auf die Jahrgangsstufen 8 mit 10 verteilt: Jgst.

Inhalte

8

• Engagement für die Gemeinschaft • Vorbilder und Idole • Die Verantwortung des Menschen für seine natürlichen Lebensgrundlagen: Ökologie und Gesellschaft oder Gesundheit und Ernährung (im Profilbereich beide Themen)

9

• Kindheit und Entwicklung • Kommunikation und Manipulation • Aspekte der Informationsgesellschaft oder Projekt „ Soziales Lernen in der Klasse“

10

• Soziale Gruppe und gruppenorientiertes Verhalten • Sozialstaat und Arbeitswelt: Der moderne Sozialstaat oder Der Mensch in der Arbeitswelt (im Profilbereich beide Themen) • Herausforderungen und Chancen sozialer Arbeit

Alternativangebote erlauben es, den Interessen der Jugendlichen, örtlichen Bedingungen und aktuellen Entwicklungen Rechnung zu tragen. Alle Themen eignen sich für Projektarbeit und ermöglichen einen handlungs- und erfahrungsorientierten sowie schüleraktivierenden Unterricht, der Raum lässt für beispielsweise Plan- und Interaktionsspiele, für die Einbeziehung neuer Medien oder die Einübung umfangreicherer Arbeitstechniken. Viele Inhalte machen den Kontakt zu Experten, Einrichtungen und Organisationen nötig, deren Erfahrungen in der sozialen Arbeit über Interviews, Befragungen und Erkundungen nutzbar gemacht werden sollen. Den Zielen des Faches dienende Projekte in Zusammenarbeit mit sozialen Einrichtungen sind wünschenswert. Sozialpraktische Grundbildung kann vor allem dann einen wesentlichen Beitrag zum Schulprofil leisten, wenn die Kontakte nach außen sowie das Hereinholen von Wirklichkeit in das Klassenzimmer zu einem bestimmenden Charakteristikum des Faches werden. Markenzeichen des Faches ist überdies die Verknüpfung mit dem Sozialpraktikum in den Jahrgangsstufen 8 mit 10. Es umfasst mindestens 15 Arbeitstage, sein erfolgreicher Abschluss vor dem Ende der Jahrgangsstufe 10 bildet eine Voraussetzung für das Vorrücken in die Jahrgangsstufe 11 (vgl. hierzu entsprechende Bestimmungen der GSO sowie die Erläuterungen zur Stundentafel des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Gymnasiums). Das Sozialpraktikum kann auch in Teilpraktika auf zwei oder drei Jahrgangsstufen verteilt werden. Darunter muss mindestens ein einwöchiges Blockpraktikum sein, weitere Teilpraktika sollen nach Möglichkeit nicht weniger als drei Tage dauern.

Fachprofile Sozialpraktische Grundbildung/ Sozialwissenschaftliche Arbeitsfelder

SpG

4

Art und Dauer des Sozialpraktikums bzw. der Teilpraktika orientieren sich an den kognitiven und sozialen Fähigkeiten der Schüler. Das Praktikum bzw. die Teilpraktika sind unter Berücksichtigung lokaler Gegebenheiten mit den Inhalten des Unterrichts abzustimmen, werden vorbereitet, begleitet und können über Praktikumsberichte nachbereitet werden. Sozialwissenschaftliche Arbeitsfelder Das Profilfach Sozialwissenschaftliche Arbeitsfelder baut auf Themen und Methoden des Faches Sozialpraktische Grundbildung auf, vertieft ausgewählte Inhalte und erweitert sie. Damit eröffnet sich den Schülern ein Blick auf die soziale Wirklichkeit, der über persönliche Eindrücke und Alltagswissen hinausgeht und zu einer objektiveren Wahrnehmung hinführt. Das individuelle und zwischenmenschliche Handeln wird dabei in seinen Wechselwirkungen mit anthropologischen Bedingungen und mit gesellschaftlichen Strukturen, Funktionen und Prozessen gesehen. Das Fach behandelt in thematischer Progression Aspekte der individuellen Entwicklung, Handlungsmöglichkeiten und Positionen des Einzelnen in der Gesellschaft sowie Ursachen globaler sozialer Entwicklungen und ihre Auswirkungen auf den Einzelnen. Als Basis für eine sozialwissenschaftliche Betrachtungsweise dienen zentrale Fakten und Begriffe zur Gesellschaftsanalyse. Ihre Anwendung erlaubt den jungen Menschen eine Differenzierung von Alltags- und Analysewissen, was zu einem reflektierteren Verständnis gesellschaftlicher Zusammenhänge führt. Das Fach unterstützt die Jugendlichen u. a. mit seiner handlungsorientierten Ausrichtung bei der Orientierung und Positionierung in der Gesellschaft und leistet einen Beitrag zur Identitätsfindung. Es verstärkt das Einfühlungsvermögen in andere Lebenssituationen und -perspektiven sowie die Verantwortungsbereitschaft für sich selbst und für andere. Der wissenschaftspropädeutische Anspruch wird eingelöst über die Beschäftigung mit ausgewählten Theorien, Modellen und Sozialanalysen. Anhand des jeweiligen Einblicks in die Forschungspraxis setzen sich die Schüler mit sozialwissenschaftlichen Studien, ihren Ergebnissen und ihrer Bewertung auseinander. Dabei wird ihnen der Pluralismus der Zugänge, Aussagen und Methoden in den Sozialwissenschaften deutlich. Er zeigt einerseits die Vielfalt wissenschaftlichen Arbeitens, wirkt aber andererseits einer unkritischen Wissenschaftsgläubigkeit entgegen und fördert so die Urteilskompetenz der jungen Leute. Vermittelt wird dabei ferner die Erkenntnis, dass bei der Komplexität gesellschaftlicher Probleme möglichst objektive Analyse- und Diagnoseinstrumente genutzt werden müssen, um zu zuverlässigen Daten über die Entwicklungen in der Gesellschaft zu kommen. Außerdem erkennen Schüler, wie notwendig sozialwissenschaftliches Forschen für Staat und Gesellschaft ist, um nationale und globale Zukunftsprobleme bewältigen zu können. Die Inhalte des Faches Sozialwissenschaftliche Arbeitsfelder sind folgendermaßen auf die Jahrgangsstufen 11 und 12 verteilt: Jgst.

Inhalte

11

• Die sozialwissenschaftliche Perspektive: Grundthemen und Forschungsmethoden • Entwicklung und Sozialisation • Soziale Verantwortung und bürgerschaftliches Engagement

12

• Soziale Differenzierungen in der Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland • Sozialer Wandel in globalen Zusammenhängen

Profilfach in den Jahrgangsstufen 11 und 12

Beitrag zur Orientierung und Identitätsfindung

Blicke in die Praxis sozialwissenschaftlicher Forschung

Bedeutung der Sozialwissenschaften für gesellschaftliche Problembewältigung

77

WR

1

Fachprofile Wirtschaft und Recht

Wirtschaft und Recht Wirtschafts- und Rechtsordnung

Entscheidungen treffen

In Systemen denken

Ökonomisch handeln

Herausforderungen annehmen

78

Standpunkte finden

Selbstverständnis des Faches Die Wirtschafts- und Rechtsordnung prägt in entscheidendem Maß gesellschaftliche und politische Strukturen und Prozesse. Sie definiert und garantiert die grundlegenden ökonomischen Freiheiten des Einzelnen und gibt den Rahmen vor, in dem Haushalte und Unternehmen wirtschaftlich handeln und entscheiden können. Diese Bedeutung der Wirtschafts- und Rechtsordnung soll am Gymnasium vor allem das Fach Wirtschaft und Recht aufzeigen. Ausgehend von aktuellen einzel- und gesamtwirtschaftlichen Themen lernen die Schüler nicht nur die Gestaltungselemente dieser Ordnungssysteme kennen, sondern auch ihren Wertegehalt, ihre historischen Wurzeln und ihre theoretischen Grundlagen. Daraus erwächst die Fähigkeit, wirtschaftliche und rechtliche Sachverhalte zu beurteilen, ökonomische Entscheidungen verantwortungsbewusst zu treffen und aktiv am gesellschaftlichen und politischen Leben teilzunehmen. Den Schülern wird dabei auch bewusstgemacht, wie der europäische Einigungsprozess und globale Entwicklungen den Alltag zunehmend prägen. Dadurch wird die Bereitschaft gefördert, sich mit Veränderungen rational und aufgeschlossen auseinanderzusetzen und die Herausforderungen der Zukunft anzunehmen. Beitrag des Faches zur gymnasialen Bildung und Persönlichkeitsentwicklung Die Schüler werden bei ihren persönlichen Erfahrungen in vielfältiger Weise mit den komplexen Strukturen unserer modernen Industrie- und Informationsgesellschaft konfrontiert. Um diese erfassen und beurteilen zu können, ist es notwendig, wirtschaftliche und rechtliche Einzelphänomene in größere Zusammenhänge einzuordnen. Dies erfordert neben einem fundierten fachlichen Basiswissen ein ganzheitliches Denken in Systemen und Modellen. Die Beschäftigung mit aktuellen Problemstellungen fördert die Offenheit gegenüber Neuem, die Fähigkeit, sich Zusammenhänge aktiv und konstruktiv zu erschließen, sowie die Kompetenz, auch zukünftige wirtschaftliche und rechtliche Entwicklungen zu erfassen. Ökonomische Bildung verdeutlicht den Jugendlichen, dass es bei vielen Entscheidungen letztlich um ein Abwägen von Aufwand und Nutzen geht. Dabei sollen sie über die individuelle und kurzfristige Betrachtung hinaus auch globale, langfristige sowie immaterielle Aspekte der ökonomischen Entscheidung bedenken. Die Auseinandersetzung mit betriebswirtschaftlichen Themen, dem europäischen Einigungsprozess und globalen wirtschaftlichen Zusammenhängen zeigt den Schülern Herausforderungen und Chancen des beruflichen und unternehmerischen Engagements in einer zunehmend international arbeitsteiligen Wirtschaft. Schon Jugendliche sind in ein Geflecht wirtschaftlicher und rechtlicher Beziehungen eingebettet. Mit der Jahrgangsstufe 8 am Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Gymnasium mit wirtschaftswissenschaftlichem Profil (WSG-W), bzw. mit der Jahrgangsstufe 9 in allen anderen Ausbildungsrichtungen des Gymnasiums setzt der Unterricht im Fach Wirtschaft und Recht in einer Altersstufe ein, in der neben einer wachsenden Fähigkeit zur Abstraktion vor allem die Bereitschaft zur Selbstreflexion und Auseinandersetzung mit individuellen und gesellschaftlichen Werten zunimmt. Der Unterricht bezieht die Erfahrungswelt der Jugendlichen mit ein und macht ihnen bewusst, dass man mit einer erfolgreichen wirtschaftlichen Tätigkeit nicht nur sich selbst verwirklicht, sondern auch zum Wohlstand der Gesellschaft beiträgt. Die Diskussion zu sozialen, rechtlichen, ökologischen und wirtschaftsethischen Problemstellungen zeigt Standpunkte, ermöglicht Orientierung in komplexen gesellschaftlichen Zusammenhängen und hilft so den Heranwachsenden, die eigene gesellschaftliche Rolle zu finden. Dies fördert Verantwortungsbereitschaft, soziale Sensibilität und Konfliktfähigkeit. Die handlungsorientierte Beschäftigung mit wirtschaftlichen und rechtlichen Entscheidungsalternativen vermittelt Schlüsselqualifikationen wie Teamfähigkeit, Kommunikati-

Fachprofile

WR

Wirtschaft und Recht

onsfähigkeit und Sorgfalt. Dabei erfahren die Jugendlichen auch, wie ihr eigenes Handeln durch die beschränkte Verfügbarkeit von Gütern sowie durch die Entscheidungen und Rechte anderer beeinflusst wird. Sie sehen so die Grenzen des wirtschaftlich Machbaren und rechtlich Erlaubten. Die Berufswahl hat für Lebensentwurf, Selbstwertgefühl und Selbstverständnis der Jugendlichen eine herausragende Bedeutung. Neben einem Überblick über schulische und berufliche Bildungswege gibt das Fach Wirtschaft und Recht mit seiner Praxisnähe Einblicke in die Arbeitswelt und damit eine wesentliche Hilfestellung zur beruflichen Orientierung. Darüber hinaus werden die Schüler befähigt, den Prozess ihrer Berufswahl verantwortungsvoll zu gestalten und sich korrekt zu bewerben. Die Einbeziehung der Informationstechnologien in den Unterricht vermittelt beruflich und privat nutzbare Medienkompetenz. Das Fach fördert das Bewusstsein für die Knappheit von Ressourcen und zeigt, wie sich ökonomische, ökologische und soziale Entwicklung gegenseitig bedingen. Dabei wird den Jugendlichen die Notwendigkeit nachhaltigen Wirtschaftens bewusst und so ein wichtiger Beitrag zur Umweltbildung und Friedenserziehung geleistet. Zusammen mit den anderen gesellschaftswissenschaftlichen Fächern, insbesondere der Sozialkunde, informiert das Fach die heranwachsenden Staatsbürger über grundlegende soziale und politische Zusammenhänge. Zusammenarbeit mit anderen Fächern Fächerübergreifende Themenstellungen und umfassende Realitätsbezüge bieten Anknüpfungspunkte für den Unterricht in nahezu allen Fächern, insbesondere in Mathematik, Geschichte, Geographie und Sozialkunde. Im zweisprachigen Fachunterricht lernen die Jugendlichen verstärkt, Gegebenheiten des eigenen Wirtschafts- und Rechtssystems mit anderen Wirtschaftsräumen zu vergleichen. Gleichzeitig erwerben sie eine erhöhte fachsprachliche Kommunikationskompetenz. Am WSG-W erfolgt eine besonders enge Zusammenarbeit mit dem Fach Wirtschaftsinformatik. Ziele und Inhalte Die vielfältigen Bezüge des Faches machen es in besonderer Weise erforderlich, im Unterricht immer wieder auf die Kernbereiche des ökonomischen und rechtlichen Wissens zurückzugreifen. Das in den Jahrgangsstufenlehrplänen ausgewiesene Grundwissen beinhaltet neben Grundbegriffen und Grundkompetenzen auch Grundstrukturen, die als elementare Denk- und Betrachtungsweisen des Faches bei verschiedenen Inhalten wiederholt zur Anwendung kommen (z. B. Bewusstsein, dass die Knappheit von Ressourcen rationale Entscheidungen erfordert). Dabei werden vor allem folgende fachbezogene Grundkompetenzen vermittelt: • mit Zahlen, Fachtexten und Graphiken arbeiten: Informationen beschaffen, auswerten, aufbereiten, argumentieren, präsentieren • Lösungsstrategien entwickeln und rationale Entscheidungen treffen: bewerten, beurteilen, entscheiden • in Modellen denken: zusammenfassen, vereinfachen, strukturieren, anwenden • vernetzt denken: komplexe Einflussfaktoren erfassen, Zusammenhänge herstellen • Arbeit organisieren: Arbeitsabläufe analysieren, strukturieren, evaluieren Der Unterricht setzt in der Jahrgangsstufe 9 (bzw. 8 am WSG-W) mit Themen aus der Erfahrungswelt der Jugendlichen im Bereich des privaten Haushalts ein. Anschließend wird die einzelwirtschaftliche und privatrechtliche Sicht um die Perspektive des Unternehmens erweitert. In der Jahrgangsstufe 10 (bzw. 9 und 10 am WSG-W) öffnet sich der Blick auf gesamtwirtschaftliche Zusammenhänge in Deutschland, Europa und der Welt. Das zunehmende Abstraktionsvermögen der Jugendlichen ermöglicht dabei bereits die Anwendung volkswirtschaftlicher Modelle. Damit wird eine wichtige Grundlage für das wissenschaftspropädeutische Arbeiten in den Jahrgangsstufen 11 und 12 des Gymnasiums gelegt.

2

Berufswahl und Bewerbung

Nachhaltiges Wirtschaften Politische Bildung

Realitätsbezug

Bilingualer Unterricht

Grundbegriffe, -kompetenzen und -strukturen

Grundkompetenzen

Jahrgangsstufen 8 mit 10: vom Haushalt zur Weltwirtschaft

79

WR

3

Fachprofile Wirtschaft und Recht

Kernfach am WSG-W Profilbildung

Jahrgangsstufen 11 und 12: Urteilskompetenz in ökonomischen und rechtlichen Fragen

80

Schule und Wirtschaft

Wirtschaftliches Handeln der privaten Haushalte • Entscheidungen beim Konsum und beim Umgang mit Geld • Entscheidungen im Zusammenhang mit Ausbildung und Berufswahl Rechtliches Handeln der privaten Haushalte • Bedeutung und Abschluss von Verträgen am Beispiel der Kaufhandlung • Rechte des Verbrauchers bei Pflichtverletzungen • Die rechtliche Stellung Minderjähriger Wirtschaftliches und rechtliches Handeln in Unternehmen • Entscheidungen bei der Gründung eines Unternehmens • Typische Geschäftsprozesse in Unternehmen • Das Rechnungswesen als Grundlage unternehmerischen Handelns Denken in gesamtwirtschaftlichen Zusammenhängen • Unternehmen und Haushalte auf dem Markt • Unternehmen und Haushalte in der Gesamtwirtschaft Zentrale Aspekte der deutschen Wirtschafts- und Rechtsordnung • Soziale Marktwirtschaft als Wirtschaftsordnung • Steuern und soziale Sicherung in der sozialen Marktwirtschaft • Öffentliches Recht als Handlungsrahmen Europäische Einigung und weltwirtschaftliche Verflechtung • Chancen und Risiken internationaler Arbeitsteilung • Währungen und Europäische Währungsunion • Europäisches Recht als Quelle nationalen Rechts Am Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Gymnasium mit wirtschaftswissenschaftlicher Ausrichtung (WSG-W) wird Wirtschaft und Recht in den Jahrgangsstufen 8 mit 10 als Kernfach jeweils mindestens zweistündig und ggf. in weiteren Profilstunden unterrichtet. Hier werden die für die anderen Ausbildungsrichtungen vorgesehenen Themenfelder vertieft und durch zusätzliche Inhalte ergänzt. In der Jahrgangsstufe 10 des WSG-W wird der Standort Deutschland aus der Sicht der privaten Haushalte und der Unternehmen mit anderen Ländern verglichen. Die vertiefte Behandlung des Konzepts der Nachhaltigkeit festigt bei den Schülern die Verantwortungsbereitschaft für den Erhalt der Lebensgrundlagen der nachfolgenden Generationen. In den Jahrgangsstufen 11 und 12 wird den Schülern bewusstgemacht, dass ökonomische und rechtliche Gestaltungsmöglichkeiten von Zielkonflikten bestimmt sind und dass verantwortungsvolle wirtschaftspolitische Entscheidungen nur auf der Basis einer fundierten Analyse der Sachlage, der zugrundeliegenden Annahmen und einer wertorienterten Beurteilung getroffen werden können. Die Kenntnisse und methodischen Kompetenzen der Schüler werden dabei anhand folgender Themenbereiche auf einem höheren Abstraktionsniveau erweitert und vertieft: Wirtschaft ... • Wirtschaftliche Zielsetzungen in der sozialen Marktwirtschaft • Volkswirtschaftliche Schwankungen und Konzepte der Wirtschaftspolitik • Wirtschaftspolitische Entscheidungsfelder: Beschäftigung und Einkommen, Geld und Währung, Außenwirtschaft ... und Recht • Grundlagen unserer Rechtsordnung • Grundfragen und juristische Arbeitstechnik • Prinzipien des Strafrechts • Aufbau des Bürgerlichen Gesetzbuches; Analyse und Anwendung von Rechtsnormen: Recht der Leistungsstörungen, Eigentumsordnung Mit seinem Praxisbezug hat das Fach eine Schlüsselstellung im Kontakt der Schule zur Arbeitswelt. Dieser wird z. B. durch Betriebserkundungen, Expertenreferate und Betriebspraktika gepflegt. Aber auch innerhalb des Schullebens lassen sich z. B. SMV-Tätigkeit oder die Gründung eines Schülerunternehmens als praxisbezogener wirtschaftlicher Handlungsrahmen nutzen. Als simulierte Wirklichkeit haben Planspiel und Fallstudie im Unterricht einen hohen Stellenwert.

Fachprofile

WIn

Wirtschaftsinformatik

1

Wirtschaftsinformatik Selbstverständnis des Faches Die globale Verfügbarkeit leistungsfähiger Informations- und Kommunikationssysteme ist mitverantwortlich für den fortschreitenden Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft. Das Handeln in Unternehmen, aber auch im privaten und gesellschaftlichen Leben wird zunehmend von der Gewinnung, Darstellung, Verarbeitung und Weitergabe von Informationen bestimmt. Die Wirtschaftsinformatik steht als Teil der angewandten Informatik an der Schnittstelle von Betriebswirtschaftslehre und Informatik. Ziel der Wirtschaftsinformatik ist die Optimierung von Geschäftsprozessen mithilfe einer Analyse der zugrundeliegenden Informationsflüsse. Am Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Gymnasium mit wirtschaftswissenschaftlichem Profil (WSG-W) werden den Schülern im Fach Wirtschaftsinformatik exemplarisch und anwendungsbezogen die Grundlagen vermittelt, die sie für die zielgerichtete und verantwortungsvolle Nutzung und Mitgestaltung von Informations- und Kommunikationssystemen im Zusammenhang mit ökonomischen sowie studien- und berufsbezogenen Aufgabenstellungen benötigen. Beitrag des Faches zur gymnasialen Bildung und Persönlichkeitsentwicklung Das Fach führt den Jugendlichen die Bedeutung der Auswahl, Strukturierung und Präsentation von Informationen für unternehmerische, aber auch private und gesellschaftliche Entscheidungen vor Augen. Die vermittelten Kenntnisse, Kompetenzen und Einstellungen befähigen sie darüber hinaus zur Teilnahme an der gesellschaftlichen Diskussion über Möglichkeiten und Grenzen der Informationsverarbeitung und geben Orientierungshilfen für die Bewertung von aktuellen Entwicklungen im Bereich der Informationstechnologie. Durch die Strukturierung von Informationen und die Modellierung von Geschäftsprozessen üben die Schüler nicht nur abstraktes Denken in ganzheitlichen Systemen, sondern verbessern auch ihr Verständnis für ökonomische Zusammenhänge. Das Fach weist ein breites Themenspektrum auf und führt die von der Informatik bestimmten Inhalte exemplarisch mit Inhalten der Volks- und Betriebswirtschaftslehre, des Rechnungswesens und des Rechts zusammen. Mit der Jahrgangsstufe 8 setzt der Unterricht in Wirtschaftsinformatik in einer Altersstufe ein, in der die Jugendlichen verstärkt die Fähigkeit zu logischem Denken zeigen. Gleichzeitig greift das Fach die emotionale Aufgeschlossenheit vieler Jugendlicher gegenüber modernen Informationstechnologien auf und knüpft an die in den Jahrgangsstufen 6 und 7 im Fach Natur und Technik schon erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten an. Der weiter zunehmenden Abstraktionsfähigkeit der Schüler wird dadurch Rechnung getragen, dass nach der Modellierung überschaubarer Geschäftsprozesse zunehmend komplexe betriebswirtschaftliche Problemstellungen analysiert werden. Die Jugendlichen sehen, wie sich die Informationstechnologie auf Unternehmen und auf ihren persönlichen Lebensbereich auswirkt. Dies fördert auch das Bewusstsein für die Gefahren der Manipulation und des Missbrauchs von Informationen. Bei der Auseinandersetzung mit diesen Themen werden die technischen, rechtlichen und ethischen Grenzen sowie mögliche soziale und gesamtwirtschaftliche Folgen der Informationsverarbeitung aufgezeigt. Da sich größere Projekte mit handlungsorientierten Aufgabenstellungen nur arbeitsteilig lösen lassen, erfahren die Schüler den Nutzen der Teamarbeit und vertiefen grundlegende Qualifikationen wie Kommunikationsfähigkeit sowie die Fähigkeit zu sorgfältigem und systematischem Arbeiten. In der Begegnung mit praxisnahen Inhalten aus der Berufs- und Arbeitswelt erhalten die Heranwachsenden Hilfen für ihre berufliche Orientierung. Der Prozess des ständigen Wan-

Globale Informationssysteme

Optimieren von Geschäftsprozessen

Zielgerichtete Nutzung der Informationstechnologie

Information als Grundlage von Entscheidungen

Information strukturieren

Gefahren und Grenzen der Informationsverarbeitung

Arbeitstechniken

81

Berufliche Orientierung

82

WIn

2

Fachprofile Wirtschaftsinformatik

Medienkompetenz

dels in der Informationsgesellschaft, die damit einhergehende Veränderung der Berufsbilder und die Notwendigkeit lebenslangen Lernens werden ihnen im Fach Wirtschaftsinformatik besonders bewusst. Auch wird die beruflich und privat nutzbare Medienkompetenz der Schüler durch den intensiven Umgang mit den neuen Technologien gefördert. Die Beschäftigung mit graphischer Präsentation schärft das Gefühl für Gestaltung und fördert ein Hinterfragen des informativen und ästhetischen Werts medialer Angebote. Zusammenarbeit mit anderen Fächern Da sich das Fach Wirtschaftsinformatik nicht nur auf betriebswirtschaftliche Fragestellungen beschränkt, sondern auch rechtliche und soziale Aspekte der Informationstechnologie mit einbezieht, bietet es Ansatzpunkte für eine Zusammenarbeit mit den Fächern Wirtschaft und Recht, Sozialkunde und Geographie. Grundlegende Methoden der Mathematik werden in unterschiedlichen Zusammenhängen vertiefend geübt.

Geschäftsprozesse

Rechnungswesen als Modell

Informationsflüsse eines Fertigungsbetriebs

Jahrgangsstufe 8

Ziele und Inhalte Neben einer anwendungsbezogenen Vermittlung von Grundlagen der Informatik steht die Betrachtung der Geschäftsprozesse als Basis der Wertschöpfung des Unternehmens und Knotenpunkt des Informationsflusses im Mittelpunkt des Unterrichts. Geschäftsprozesse werden dabei in der Regel als übergreifende, ereignisgesteuerte Prozessketten verstanden. Ausgehend von einfachen Beispielen werden die Schüler schrittweise an die Analyse, Strukturierung und Modellierung zunehmend komplexerer Prozesse herangeführt. In diesem Zusammenhang spielt das Rechnungswesen als Modell der Erfassung von Strukturen und Vorgängen im Unternehmen eine bedeutende Rolle. Der Aufbau des Lehrplans orientiert sich am Informationsfluss eines Fertigungsbetriebs. In Anlehnung an den Aufbau des Fachlehrplans Wirtschaft und Recht wird dabei von den Geschäftsprozessen ausgegangen, die sich noch relativ leicht aus der Erfahrungswelt der Jugendlichen erschließen lassen (z. B. Kommunikation zwischen privaten Haushalten und Unternehmen), und dann erst der Blick auf Informationsflüsse gelenkt, die innerhalb des Unternehmens liegen (z. B. Anwenden der Informationstechnologie bei Beschaffungs- und Absatzvorgängen). Grundlegende Methoden der Informatik (z. B. Datenmodellierung, Entwickeln von Algorithmen) sowie Standardsoftware werden so in immer komplexeren Zusammenhängen wiederholt angewendet. Gleichzeitig wird die Betrachtung der rechtlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen über die Jahrgangsstufen hinweg vertieft. Schwerpunkt des Unterrichts ist die anwendungsbezogene Vermittlung von Grundlagen der Informatik. Der Unterricht in der Jahrgangsstufe 8 setzt mit der Wiederholung und der fachspezifischen Erweiterung von Inhalten aus den Jahrgangsstufen 6 und 7 des Faches Natur und Technik ein. Mit einer modellhaften Übersicht über wesentliche Informationsflüsse eines Unternehmens wird eine Basis für die weitere Arbeit gelegt. Am Beispiel der Kommunikation des privaten Haushalts mit dem Unternehmen (z. B. Bestellungen) lernen die Schüler grundlegende Techniken der Informationsbeschaffung und der Darstellung von Information kennen. Es bietet sich hier eine enge Zusammenarbeit mit dem Fach Wirtschaft und Recht an. Anschließend wird am Beispiel der Außendarstellung des Unternehmens an komplexere Aufgaben der Strukturierung und Präsentation von Information herangeführt (z. B. Gestaltung von Informationsseiten mit Textverarbeitungs- oder geeigneten graphischen Präsentationsprogrammen). Mit den Grundlagen der Finanzbuchhaltung lernen die Schüler schließlich ein System für das Erfassen, Ordnen und Auswerten von Daten sowie die Modellierung zentraler Geschäftsprozesse kennen.

Fachprofile Wirtschaftsinformatik

In der Jahrgangsstufe 9 wird der Schwerpunkt auf die Informationsflüsse innerhalb des Unternehmens gesetzt, und zwar im Rahmen von Beschaffungs- und Absatzvorgängen, im Personalbereich und im Anlagenbereich. Eine herausragende Rolle spielt in diesem Zusammenhang der Umgang mit Datenbanken. Da viele Problemstellungen im Unternehmen die Modellierung von Prozessen erfordern, lernen die Schüler, Abläufe mit Algorithmen zu beschreiben (z. B. bei der Darstellung der Wertminderung von Anlagegütern). Die Grundlagen des Rechnungswesens werden in diesem Zusammenhang vertieft. Beispiele für Spezialsoftware (z. B. didaktisch aufbereitete Schulversion eines Finanzbuchhaltungsprogramms) geben einen Einblick in den Einsatz integrierter Anwendungssysteme. Großer Wert wird dabei auf eine Präsentation der Daten gelegt, die auf die Entscheidungsträger abgestimmt ist.

Jahrgangsstufe 9

Auch in der Jahrgangsstufe 10 stehen zunächst Informationsflüsse innerhalb des Unternehmens im Vordergrund. Die Schüler setzen sich mit wichtigen innerbetrieblichen Informationssystemen wie dem Jahresabschluss und der Kosten- und Leistungsrechnung auseinander. Unter den Aspekten der Datensicherheit und der rechtlichen Grenzen bei der Informationsverarbeitung weitet sich der Blickwinkel wieder und schließt die Außenbeziehungen des Unternehmens mit ein. Die erworbenen Kenntnisse und Fertigkeiten werden abschließend in einem größeren Projekt mit freier Themenwahl zusammengefasst und zur Anwendung gebracht. In der Entwicklung einer informationstechnischen Lösung für eine bestimmte Problemstellung erleben die Schüler wesentliche Phasen der Projektarbeit, lernen Probleme und Techniken des Projektmanagements kennen und werden so auf eine grundlegende Methode der Qualifikationsphase der Oberstufe vorbereitet. In der Qualifikationsphase der Oberstufe entwickeln die Schüler ein Bewusstsein dafür, wie sowohl die Gestaltung von Informationssystemen als auch organisatorische Maßnahmen helfen können, Geschäftsprozesse in Unternehmen und in der öffentlichen Verwaltung zu optimieren. Vor- und Nachteile eines umfassenden Informationsaustausches, auch über die einzelbetriebliche Ebene hinaus, werden dabei genauso thematisiert wie volkswirtschaftliche und gesellschaftliche Auswirkungen eines immer weiter fortschreitenden Einsatzes der Informationstechnologie. Auch die in diesen beiden Jahrgangsstufen gewonnen Erkenntnisse werden in einem umfangreicheren, abschließenden Projekt angewendet. Methodisch geht der Unterricht in Wirtschaftsinformatik von konkreten betriebswirtschaftlichen Problemstellungen aus. Standardsoftware (z. B. für Tabellenkalkulation, Datenbanken, Präsentation und Textverarbeitung) kommt dabei als Werkzeug zur Lösung bestimmter Aufgaben zum Einsatz; die Fertigkeiten in Details der Anwendung stehen jedoch nicht im Vordergrund, da speziell an einem Softwareprodukt orientierte Fertigkeiten im Rahmen der Weiterentwicklung der Software schnell veralten. Schüler, die schon vertiefte Kenntnisse im Umgang mit Standardwerkzeugen haben, werden im Rahmen von Gruppenarbeit aktiv in den Lehrprozess eingebunden. Der verstärkte Praxisbezug des Faches wird unterstützt durch aspektorientierte Betriebserkundungen und Expertenreferate. Auch innerhalb der Schule finden sich zahlreiche Anwendungskontexte für projektbezogenes Arbeiten (z. B. Projekte der SMV, Schülerunternehmen, Auswertung bei Bundesjugendspielen).

Jahrgangsstufe 10

WIn

3

Projekt

Jahrgangsstufen 11 und 12

Standardsoftware als Werkzeug

Schülerexperten

Praxisbezug

83

Ku

1

Fachprofile Kunst

Kunst Selbstverständnis des Faches Das Fach Kunst motiviert die Kinder und Jugendlichen, sich in der Welt der Bilder zu orientieren und sich selbst Bilder von der Welt zu machen. In der Einheit von Wahrnehmung, Reflexion und bildnerischer Produktion werden die Schüler befähigt, die Wirklichkeit mit allen Sinnen immer wieder neu zu erleben, zu verstehen und sich aktiv zu ihr in Beziehung zu setzen. Diese grundlegende schöpferische Fähigkeit, die auf Phantasie und Vorstellungsvermögen basiert und mit der der Mensch sich die Welt erschließt, fördert das Fach Kunst in allen Lernbereichen. Es leitet die Schüler zur Differenzierung ihrer Wahrnehmung an, stärkt die Gestaltungspotentiale und erarbeitet eine breitgefächerte Orientierung.

Ästhetische Bildung

Übergreifende Kompetenzen

Fächerverbindender Unterricht

84

Wahrnehmen und Gestalten

Kreativität und Phantasie

Beitrag des Faches zur gymnasialen Bildung und Persönlichkeitsentwicklung Kunst ist ein Leitfach der ästhetischen Bildung. „Ästhetik“ wird dabei, aus dem griechischen aisthesis abgeleitet, als Wahrnehmung in ihrer umfassenden Bedeutung verstanden, d. h. nicht nur als sinnliche Aufnahme, sondern gleichzeitig als anschauliches Denken, das Wirklichkeit interpretiert und strukturiert. Ästhetische Erfahrungen, wie sie sich in künstlerischen Ausdrucksformen, z. B. Bildern, Objekten, Architekturen, Performances oder Werken der Medienkunst darstellen, speisen sich aus allen Sinnen. Das Fach Kunst leistet im Wahrnehmen und Gestalten einen wichtigen Beitrag zu einer ganzheitlichen, umfassenden Persönlichkeitsentwicklung: Eigenverantwortlichkeit und notwendige Flexibilität im Gestaltungsprozess sowie der Glaube an eigene Gestaltungsmöglichkeiten sind die Basis für Selbstkompetenz. Die Schüler erwerben im Unterricht grundlegende Fähigkeiten, die sie für die aktive und mitverantwortliche Teilnahme am gesellschaftlichen und kulturellen Geschehen benötigen (Sozialkompetenz). Für die zunehmend visuell geprägten Kommunikationsformen mit immer vielschichtigeren und den Lebensalltag durchdringenden Bildwelten ist das Lesen und Gestalten von Bildern eine Schlüsselqualifikation. Darüber hinaus entwickeln die Schüler eigene Perspektiven im Umgang mit der Medienwelt und lernen, Medien kompetent zu nutzen und zu gestalten (Methodenkompetenz). Sie werden – durch die Entwicklung eines Wertebewusstseins – auch urteils- und handlungsfähig. Zusammenarbeit mit anderen Fächern Thematische Parallelen mit den Lehrplänen verschiedener Fächer wie z. B. Deutsch, Geschichte, Musik oder der Naturwissenschaften bieten in den einzelnen Jahrgangsstufen Möglichkeiten für eine Zusammenarbeit. Durch seine Vielfältigkeit weist das Fach Kunst grundsätzliche Verknüpfungsansätze zu allen Fächern auf, es kann so eine wichtige Schnittstelle im Fächerkanon werden. In fächerverbindenden Projekten wie z. B. allen Formen visuell gestützter Präsentationen, Theateraufführungen oder Multimedia-Produktionen wird das fächerübergreifende Denken eingeübt und der grundlegende Ansatz ästhetischer Bildung vermittelt. Ganzheitliches Lernen fordert dazu heraus, die Grenzen der Fächer im Denken und Organisieren zu überschreiten und über geeignete Raum- und Zeitkonzepte nachzudenken. Eine räumliche Öffnung des Lernorts Schule, der Kontakt mit außerschulischen Partnern vor Ort sowie eine zeitliche Loslösung vom Stundentakt sollten hier genutzt werden. Ziele und Inhalte Wahrnehmen und Gestalten sind die beiden Komponenten des Kunstunterrichts. Diese gleichwertigen, eng miteinander verknüpften und sich gegenseitig ergänzenden Aktivitäten prägen das Fach in seiner spezifischen Einheit von Rezeption, Reflexion und bildnerischer Produktion. So werden historische und aktuelle Phänomene der Kunst und der Kultur immer auch im Hinblick auf das eigene Gestalten gesehen. Kreativität, Assoziationsfähigkeit, Vorstellungsvermögen und Genussfähigkeit sind grundlegende Qualifikationen, welche im Fach Kunst vermittelt werden. Bildnerische Aufga-

Fachprofile

Ku

Kunst

2

benstellungen lassen unterschiedliche Lösungen zu und fordern zu divergentem Denken heraus. Im Erfinden, Umgestalten und Entwickeln von Alternativen werden konkrete Fähigkeiten der Schüler methodisch gefördert. Auch unerwartete, innovative Ergebnisse sollen hier Berücksichtigung finden. „Lebenswelten“, „Kommunikation und Medien“, „Design und Architektur“ sowie „Bildende Kunst“ sind die Lernbereiche, die sich von Jahrgangsstufe 5 - 10 erstrecken. Alltagsästhetik und Kunst, angewandte und freie Gestaltung durchdringen sich dabei in unterschiedlichen Gewichtungen; sie haben aber jeweils Anteil an allen Lernbereichen. Die Schüler erarbeiten sich die Lernbereiche bildnerisch-praktisch, indem sie zeichnen, malen und drucken, formen, werken und bauen, schreiben und layouten, photographieren, filmen oder mit digitalen Medien arbeiten. Im Bereich „Wahrnehmen“ erschließen sie sich spezifische Sachverhalte, indem sie betrachten, beschreiben, analysieren, interpretieren und reflektieren. Das szenische Spiel ist dabei ein fest integrierter Bestandteil vieler Lernbereiche innerhalb der einzelnen Jahrgangsstufen. In der Teamarbeit und beim Suchen nach gemeinsamen Lösungen erwerben die Schüler wichtige soziale Kompetenzen. Im Lehrplan der Jahrgangsstufen werden, ausgehend vom jeweiligen Schülerprofil, den vier Lernbereichen Themen zugeordnet. Sie besitzen einen aufbauenden Charakter. Innerhalb der Jahrgangsstufen machen inhaltliche Beziehungen zwischen den Themenfeldern Verknüpfungen sinnvoll. Neben den Zielen und Inhalten wird am Anfang jeder Jahrgangsstufe das Grundwissen beschrieben. Somit kann ein kontinuierlicher Kompetenzaufbau erreicht werden.

5 6 7 8

9 10

Progression in den Lernbereichen der Jahrgangsstufen 5 - 10 Lebenswelten Kommunikation Architektur und Bildende Kunst und Medien Design Phantasie und Schrift und Häusliches und Urzeit und Erlebniswelt Präsentieren schulisches Umfeld Ägypten Utopische und phantas- Antike Beobachten Schrift und tische Formerfindungen und Erfinden Information Erzählen und Nachricht Lebensräume Von der Romanik Ausdruck zum Barock Selbstdarstellung Werbung und Innenarchitektur Vom Klassizismus Information bis zum Spätimpressionismus Kleidung und Werbung und Soziales Verhalten Klassische Moderne Erscheinungsbild Photographie und gebauter Raum (Jugendstil bis 1945) Lebensentwürfe Corporate Design Städtebau und GeAusgewählte Jugendlicher staltung im öffentli- Positionen der chen Raum Kunst nach 1945

Im Lernbereich „Lebenswelten“ setzen sich die Schüler mit der Ästhetik ihrer Lebenswelt, den Produkten der Alltagskultur und einer wechselseitigen Beeinflussung von Kunst und Alltag auseinander. In der Unterstufe fordern altersgemäße Themen die Beobachtungsgabe der Schüler heraus und leiten sie zu eigenen phantasievollen Bilderfindungen an. Anschließend werden Identifikationsfelder wie Image und Starkult sowie die weitreichende Ästhetisierung der Lebenspraxis behandelt. Der Lernbereich „Kommunikation und Medien“ thematisiert sowohl Phänomene der Hochkunst wie auch des Graphikdesign bzw. der Massenmedien. Im Untersuchen von Beispielen aus Werbung, Presse, Film/Fernsehen und Internet begreifen die Schüler deren Wirkungsweise und lernen sinnvoll und verantwortlich auszuwählen. In der Unterstufe erproben sie ihre individuellen Lösungen anhand unterschiedlicher Gestaltungsaufgaben im Bereich Schrift/Layout und erwerben grundlegende drucktechnische Kenntnisse. In der

Lebenswelten

Kommunikation und Medien

85

86

Ku

Fachprofile

3

Kunst

Architektur und Design

Bildende Kunst

Mittelstufe machen sich die Jugendlichen durch einen verantwortungsbewussten, differenzierten und vor allem kreativen Umgang mit den Medien, besonders im Bereich der digitalen Medien, vertraut. Im Lernbereich „Architektur und Design“ untersuchen die Schüler bauliche Gegebenheiten, Möbel und Geräte nach Form, Funktion und Gebrauchswert und entwickeln eigene Entwürfe. In der Unterstufe erkunden sie ihr unmittelbares Lebensumfeld und bewerkstelligen altersspezifische Gestaltungsaufgaben. In der Mittelstufe werden sowohl Grundfragen zur Innenraumgestaltung, zu architektonischen wie städtebaulichen Konzepten und zur Kunst im öffentlichen Raum erarbeitet. So erkennen die Jugendlichen die Beziehungen zwischen Architektur, Stadtplanung und eigenen Lebensbedürfnissen. Im Lernbereich „Bildende Kunst“ gewinnen die Schüler einen Überblick über die Kunstgeschichte, auch im Bezug zum Fach Geschichte. Sie vollziehen das Entstehen wichtiger Aspekte der europäischen Kultur nach und lernen, die Gegenwart aus ihren Wurzeln heraus besser zu verstehen. In der Werkbetrachtung der Unterstufe fördern affektive Zugänge das Verstehen. Anschließend studieren die Schüler – auch mittels ästhetisch-praktischer Annäherungsformen – charakteristische Werke vom Klassizismus bis zur Kunst nach 1945 und erlernen ein methodisches Repertoire zur Werkerschließung. Die Begegnung mit Originalen an außerschulischen Lernorten wie Galerien, Museen, Denkmalen, Künstlerateliers und architektonisch interessanten Orten ist dabei besonders entscheidend. Lernbereiche der Jahrgangsstufen 11 und 12

Jahrgangsstufen 11 und 12

Handlungsorientiertes Lernen Ausstellung von Schülerarbeiten

Gestaltung des Schullebens

11

Körper

Objekt

12

Gebauter Raum

Kommunikation

In der praktischen wie theoretischen Auseinandersetzung mit den vier Themenbereichen „Körper“, „Objekt“, „Gebauter Raum“ und „Kommunikation“ der Jahrgangsstufen 11 und 12 erweitern und vertiefen die Jugendlichen die in den Jahrgangsstufen 5 mit 10 vermittelten Grundlagen und stellen sie in einen neuen gedanklichen Kontext. Im „Gestalten“ erproben und variieren sie traditionelle und neuere Werkmittel sowie unterschiedliche Techniken und differenzieren ihre Fähigkeiten der bildnerischen Gestaltung und Präsentation. Der Umgang mit experimentellen Verfahren oder kooperativen Gestaltungsprojekten ergänzt die Vermittlung bildnerisch-praktischer Grundlagen. Auf der Basis der bereits erlernten wesentlichen Entwicklungslinien der Bildenden Kunst vertiefen die Jugendlichen spezifische Aspekte der „Sattelepoche“ von 1850 - 1930, v. a. der klassischen Moderne. Sie gewinnen darüber hinaus Einblick in aktuelle Anwendungsbereiche. Besonderheiten des Faches Die Kinder und Jugendlichen erleben Schule und gesellschaftliche Wirklichkeit im Fach Kunst in einem handlungsorientierten, offenen und sinnlichen Unterricht. Regelmäßige Ausstellungen von Schülerarbeiten innerhalb und außerhalb der Schule vermitteln Einblicke in das reiche Angebot bildnerisch-praktischer Ausdrucksmöglichkeiten, Techniken und Verfahren. Die Präsentation der eigenen Arbeiten bringt den Schülern Anerkennung, vermittelt ihnen Selbstbewusstsein und differenzierte Selbsteinschätzung im Hinblick auf ihre ästhetische Ausdrucksfähigkeit und ihr eigenes schöpferisches Vermögen. Ein möglichst vielfältiges, breit angelegtes Wahlunterrichtsangebot von traditionellen Techniken bis zu den digitalen Medien kann über sinnlich-ästhetische Erfahrungen die Persönlichkeitsentwicklung der Schüler fördern und ein lebendiges Bild der Schule in der Öffentlichkeit vermitteln. Die gestalterische Mitwirkung am Erscheinungsbild der Schule verstärkt die Identifikation der Schüler mit ihrer Schule. Für viele Bereiche des schulischen Lebens gibt der Unterricht im Fach Kunst nachhaltige Impulse: Die Mitwirkung bei der Ausgestaltung des Innen- und Außenbereichs der Schule sowie die Gestaltung z.B. von Festen, Musik- und Theateraufführungen tragen zur Identitätsbildung sowohl für die eigene Person wie auch für die Schule bei.

Fachprofile Musik

Mu

1

Musik Selbstverständnis des Faches Musik ist prägender Bestandteil aller Kulturkreise und ein wesentliches künstlerisches wie soziales Ausdrucksmittel. Sie steht seit jeher im Spannungsfeld von Tradition und Innovation und wird in ihren historischen wie aktuellen Ausprägungsformen als persönliche kulturelle Erfahrung wahrgenommen. Musik ist auch Spiegel von Zeitgeist und Weltsicht. Bis heute stellt sie einen wesentlichen Teilbereich des täglichen Lebens aller Gesellschaftsschichten dar. Die Einbindung von verschiedenen Erscheinungsformen der Musik in unser Leben hilft, Generations- und Sozialschranken zu überwinden sowie geographische Grenzen zu überschreiten. Gleichzeitig wird die Wahrnehmung auf regionaltypische Ausprägungen und Werte christlich-abendländischer Tradition gelenkt. Dies schafft die Grundlagen für ein reflektiertes Kulturverständnis und für ein Gleichgewicht im Menschen zwischen Verstehen und gefühlsmäßigem Erleben. Dem grundsätzlichen Bedürfnis des Menschen, zu hören, zu erleben, zu gestalten und sich mitzuteilen, wird durch Musik ganz wesentlich entsprochen. Beitrag des Faches zur gymnasialen Bildung und Persönlichkeitsentwicklung Das Fach Musik vermittelt den Jugendlichen Freude am praktisch-künstlerischen Tun, schafft ihnen gleichzeitig aber auch eine Erweiterung des intellektuellen Erfahrungshorizonts. Es zeigt wechselnde Zusammenhänge vor einem kulturellen, zeitlichen und gesellschaftsbezogenen Hintergrund auf. Gymnasialer Musikunterricht ermöglicht so, an kulturellen Errungenschaften vertieft teilzunehmen und gleichzeitig an deren Bewahrung und Fortentwicklung mitzuwirken. Neben anderen Fächern übernimmt auch das Fach Musik Verantwortung in der Vermittlung von Werten, weil es in einer zunehmend medienbestimmten Gegenwart den Erwerb von Urteilsfähigkeit, die Entwicklung eines Ästhetikbewusstseins und damit den Aufbau von Qualitätsmaßstäben fördert. Durch gemeinsames Singen und Musizieren, durch die damit verbundene Ein- und Unterordnung in einer Gruppe und nicht zuletzt durch die Beharrlichkeit, die der musikalische Lernprozess erfordert, trägt das Fach Musik wesentlich zur Persönlichkeitsbildung bei. Zusammenarbeit mit anderen Fächern Musik kann in Verbindung mit anderen Fächern, besonders aber mit Kunst und Deutsch wesentlich zur ästhetischen und kulturellen Bildung der Kinder und Jugendlichen beitragen. In einer Zeit, die der Teamarbeit immer größere Bedeutung beimisst, wird dies den Heranwachsenden aller Jahrgangsstufen in der vielgestaltigen fächerübergreifenden Vernetzung deutlich. Insgesamt soll die junge Generation befähigt werden, zu reflektieren, zu abstrahieren, zu argumentieren und letztlich als Gruppe auch konstruktiv zu agieren. Übergeordnet liegen so im Hören, Sehen, Begreifen, Überdenken, Werten und Handeln die wesentlichen Verknüpfungspunkte, die jungen Menschen neben dem Erwerb von unterschiedlichen Sachund Fachkompetenzen auch zu ästhetischen Selbstkonzepten verhelfen. In diesem Bemühen fühlt sich das Fach Musik in vielerlei Hinsicht mit anderen Fächern des gymnasialen Kanons substanziell verbunden. Ziele und Inhalte Die Vermittlung der musikalischen Unterrichtsinhalte vollzieht sich in allen Jahrgangsstufen grundsätzlich auf den drei eng miteinander vernetzten Themenschienen Musik und Praxis, Musik im Kontext und Musik und ihre Grundlagen. Stets ist in allen Jahrgangsstufen praktisches Handeln im gemeinsamen Singen und Musizieren wesentlicher Bestandteil des Musikunterrichts und soll, wo immer möglich, auch in der Oberstufe als Basis musikalischen Lernens dienen.

Musik im Spannungsfeld von Tradition und Innovation

Vermittlung von Werten und Erwerb von Urteilsfähigkeit

Ästhetische und kulturelle Bildung

87

Vernetzung der Unterrichtsinhalte

Mu

2

Fachprofile Musik

Grundwissen

Beständige Freude am Singen und Musizieren

Erweiterung des historisch-kulturellen Bewusstseins

Umgang mit neuer Medienwelt

Kreative Freizeitgestaltung

Repräsentation des Gymnasiums

88

Musisches Gymnasium: Instrumentalunterricht ab Jahrgangsstufe 5

Der zeitliche Rahmen für das erforderliche Üben, Vertiefen und Wiederholen ist durch die inhaltlichen Gegebenheiten des Lehrplans berücksichtigt. Das Grundwissen, das sich von Jahrgangsstufe zu Jahrgangsstufe kontinuierlich erweitert und extra ausgewiesen ist, schließt die Kategorien Kenntnisse, Fertigkeiten und Haltungen ein. Vor allem soll den Kindern die Freude am musikalischen Tun vermittelt werden. In der Unterstufe erfährt daher der vielfältige Umgang mit Musik einen deutlichen sing- und spielpraktischen Akzent. Auf diesem Weg erhalten die Kinder auch einen individuell erlebbaren Zugang zu ausgewählten Komponisten und deren Werken. Sie erarbeiten sich darüber hinaus wesentliche Grundlagen und Kenntnisse der Musiktheorie. Dies geschieht jedoch ausschließlich in Verbindung mit Liedern, Musizierstücken und Kompositionen; Musiktheorie ist somit nie Selbstzweck unterrichtlichen Handelns. In der Mittelstufe erweitern die Heranwachsenden zunehmend ihr historisch-kulturelles Bewusstsein. Sie lernen, unterschiedliche Stile zu achten und auch wertzuschätzen. Die Bereiche der Rock- und Popmusik und das weite Feld der Neuen Medien erfahren darüber hinaus eine intensive Betrachtung. Für die jungen Erwachsenen rückt in der Oberstufe vermehrt eine umfassende ästhetische Bildung ins Zentrum des Unterrichts. Neben eher hörvertrauten Inhalten früherer Zeitströmungen erschließen sie sich verstärkt die musikalischen Erscheinungsformen des 20. Jahrhunderts und aktuelle Strömungen. Die Schüler können sich für eine mündliche Abiturprüfung entscheiden oder – sofern sie zusätzlich ein Musikinstrument oder Gesang wählen - eine kombinierte schriftlich-praktische Abiturprüfung ablegen. Seminare in Musik bieten außerdem über das Fach Musik hinaus eine Vertiefung und Ergänzung musikalischer Inhalte an. In einer zunehmend neuen und virtuellen Medienwelt erhalten die Schüler des Gymnasiums eine Orientierungshilfe in Bezug auf Realität und Authentizität von Musik. Sie sollen am Sachgegenstand Musik Problemfelder recherchieren, komprimieren und präsentieren lernen und im Spannungsfeld von überlieferter und gegenwärtiger, von eigener und fremder Musiktradition ein historisch-kulturelles Bewusstsein entwickeln. Dazu müssen stets auch Grundfertigkeiten im Singen und Musizieren ihren wesentlichen Beitrag leisten, was letztlich die Fähigkeit zum Erleben von Musik umfassend fördert. Grundlegend soll das Unterrichtsfach Musik in allen Jahrgangsstufen das Interesse und die beständige Freude an der Musik und ihrem weiten Umfeld wecken und weiterentwickeln. Dabei wird immer ein ganzheitliches Erleben und Verstehen von Musik angestrebt. Die Beschäftigung mit Musik in der Schule kann zudem auch über die gymnasiale Zeit hinaus zu einer lebenslangen kreativen Freizeitgestaltung motivieren und soll zusätzlich zum Besuch von musikalischen Veranstaltungen wie Konzerten und Musiktheateraufführungen anregen. Fachspezifische Besonderheiten Eine besondere Situation und Stellung nimmt das Fach Musik im Fächerkanon insofern ein, als es zum regulären Klassenunterricht aller Ausbildungsrichtungen eine Fülle von zusätzlichem Wahlunterricht anbieten kann. Im Bereich von Chor und Orchester, aber auch in kleineren Ensembles ergeben sich viele Möglichkeiten für die Heranwachsenden jeder Altersstufe, ihre persönlichen musikalischen Anlagen in das schulische Leben einzubringen. In diesen unterschiedlichen Musiziergruppen erweitern die Schüler aller Jahrgangsstufen ihre Sozialkompetenz in der Erreichung gemeinsamer musikalischer Ziele. Darüber hinaus trägt das Fach Musik durch Konzerte und die Gestaltung von Schulfeiern aller Art ganz entscheidend zur Identifikation der Jugendlichen mit dem Lernort Schule bei und fördert damit auch die individuelle Repräsentation des Gymnasiums in einer breiten Öffentlichkeit. Eine eigene Stellung nimmt das Musische Gymnasium in Bayern und damit auch die musische Ausbildungsrichtung eines Gymnasiums ein. Hier erhalten die Jugendlichen einen besonders intensiven Kontakt mit dem Fach Musik, das bei diesem Schulprofil zur Gruppe der Kernfächer gehört. Beginnend mit Jahrgangsstufe 5 erlernen die Kinder ein Instrument, hinzu tritt die gezielte Schulung von Stimme und Gehör, darüber hinaus die Vermittlung von vertieften Kenntnissen und Fertigkeiten auf dem Gebiet von Musiktheorie und Analyse.

Fachprofile

S

Sport

1

Sport Selbstverständnis des Faches Die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen wird grundlegend durch Bewegung beeinflusst, zu deren Wesen die unmittelbar empfundene Lebensfreude gehört. Im Sportunterricht wird die Freude an der Bewegung und am Sport erhalten und gefördert, als wesentliche Voraussetzung für eine langfristige Bindung an gesundheitsrelevante sportliche Aktivitäten. Als einziges Bewegungsfach bietet der Sportunterricht besondere Erziehungschancen, die entscheidend zu einer ganzheitlichen Persönlichkeitsentwicklung beitragen können. Den Schülern wird ein sportliches Selbstkonzept vermittelt, dem ein verantwortlicher Umgang mit der eigenen Körperlichkeit und Leistungsfähigkeit, ein von Fairness geprägtes Sozialverhalten sowie Sensibilität gegenüber Mitmensch und Umwelt zugrunde liegen. Beitrag des Faches zur gymnasialen Bildung und Persönlichkeitsentwicklung Das dem Sportunterricht zugrundeliegende Gesundheitsverständnis umfasst physische, psychische, soziale und ökologische Aspekte. Auf dieser Basis setzen sich die Schüler handelnd und reflektierend mit ihrem Körper auseinander und lernen, die eigene körperliche Bewegungs- und Leistungsfähigkeit einzuschätzen und zu verbessern. Sie entwickeln eine positive Grundeinstellung zum eigenen Körper und gewöhnen sich an eine gesundheits- und fitnessorientierte Lebensweise mit der Möglichkeit, dadurch die eigene Lebensqualität zu steigern. Auf Grund seiner überschaubaren und geregelten Handlungsmerkmale erscheint der Sport als gleichsam modellhaft aufbereitete Lebenswelt, in der positive Werteinstellungen und konfliktlösende Handlungsformen reflektiert und eingeübt werden können. Ein solches Probehandeln, bei dem die eigenen Interessen unter Beachtung konkurrierender Ansprüche durchzusetzen sind, fördert die Entwicklung eines Werteverständnisses. Die Schüler lernen, Verantwortung für ihr eigenes Verhalten zu übernehmen und mutig dazu zu stehen. Bei sportlicher Betätigung werden sie zum konstruktiven Umgang mit Aggressionen erzogen. Emotionales Wohlbefinden innerhalb einer Sportgruppe und die Möglichkeit des Spielens im Sport besitzen hohes präventives Potential gegen Vereinsamung, Kommunikationsund Orientierungsprobleme. Auf Grund der komplexen Anforderungen an die Persönlichkeit der Schüler treten im Sportunterricht naturgemäß unterschiedlichste Konflikte und Probleme auf. Der konstruktive Umgang mit diesen Situationen fördert bei den Schülern die Fähigkeit, Lösungsstrategien zu entwickeln. Durch die vielfachen interaktiven Handlungs-, Spiel-, Bewegungs- und Kommunikationsmöglichkeiten kann der Sportunterricht einen wichtigen Beitrag zur Gemeinschaftserziehung leisten. Im Sportunterricht lernen die Schüler, etwas zu wagen, sich etwas zuzutrauen, mit Misserfolgen umzugehen und Ziele über einen längeren Zeitraum zu verfolgen. Dabei entwickeln sie ein positives Selbstkonzept, in dem Erfolgszuversicht, Leistungsbereitschaft und Durchhaltevermögen verankert sind. Kreative Gestaltungsmöglichkeiten fördern ihre individuelle Ausdrucks- und nonverbale Kommunikationsfähigkeit. Sie reflektieren die Vielfalt der Erscheinungsformen des Sports und lernen dabei, fragwürdige Trends und Sportkonzepte zu durchschauen. Dies ermöglicht ihnen die individuell sinnvolle Auswahl sportlicher Betätigung. Bewegungshausaufgaben bieten den Schülern vielfältige Möglichkeiten, eigenverantwortlich ihre körperlich-geistige Fitness kontinuierlich zu verbessern.

Leben ist Bewegung

Gesundheitsförderung und Körperbewusstsein

Werteerziehung, Fairplay

Soziale Kompetenz und Teamfähigkeit

Selbstkonzept

89

S

Fachprofile

2

Sport

Zusammenarbeit mit anderen Fächern Vielfältige fächerverbindende Elemente kommen überall dort zum Tragen, • wo psychologische, soziologische und ethische Probleme in Sport und Gesellschaft thematisiert werden; • wo im Sport mit Hilfe der verwandten Fächer und Wissenschaften Biologie, Chemie und Physik Kausalzusammenhänge verdeutlicht werden; • wo im Sport Datenerhebungen strukturiert und aufbereitet werden; • wo sich Sportpraxis, Bewegungslehre, Gestik, Sprache und Musik begegnen. Die Schüler erhalten dabei Gelegenheit, in anderen Fächern erworbene Kenntnisse und Fähigkeiten im Zusammenhang mit Sport anzuwenden und zu vertiefen.

Sportliche Grundbildung und sportliche Handlungsfelder

Ziele und Inhalte Der Sportunterricht besteht in den Jahrgangsstufen 5 mit 10 aus dem geschlechtsspezifisch erteilten „Basissportunterricht“ (BSU) beziehungsweise in Jahrgangsstufen, in denen die Stundentafeln drei Wochenstunden Sport vorsehen, ggf. auch aus einer Stunde „Differenziertem Sportunterricht“ (DSU, siehe Amtsblatt). Hinzu kommt als Wahlunterricht der Sportförderunterricht (siehe Amtsblatt). Die Ziele und Inhalte des Sportunterrichts werden in den Jahrgangsstufen 5 mit 10 der sportlichen Grundbildung mit vier Lernbereichen sowie den sportlichen Handlungsfeldern zugeordnet: Sportliche Grundbildung Lernbereiche: 1. Gesundheit und Fitness 2. Fairness und Kooperation 3. Freizeit und Umwelt 4. Leisten, Gestalten und Spielen

Sportliche Handlungsfelder 1. Gymnastik 2. Leichtathletik 3. Schwimmen 4. Sportspiele 5. Tanz 6. Turnen 7. Wahlbereich 8. Wintersport

Die Inhalte der sportlichen Handlungsfelder werden im Unterricht stets mit Zielen und Inhalten der vier Lernbereiche vernetzt. Die sportliche Grundbildung wird somit auch mit dem Erlernen elementarer Fähigkeiten und Fertigkeiten in den einzelnen Sportarten und Sportbereichen erworben. Grundwissen

Jahrgangsstufen 11 und 12

90

Seminare und Abiturfach Sport

Inhalte, die auch im weiteren Unterricht von Bedeutung sind, werden in den Lehrplänen der einzelnen Jahrgangsstufen als Grundwissen ausgewiesen, das Fertigkeiten, Fähigkeiten, Kenntnisse, Einstellungen und Werthaltungen umfassen kann. In den Jahrgangsstufen 11 und 12 erweitern und vertiefen die Schüler in den gewählten Sportarten die im Sportunterricht der vorausgegangenen Jahrgangsstufen erworbenen Fertigkeiten, Fähigkeiten, Kenntnisse, Einstellungen und Werthaltungen in enger Verflechtung von Theorie und Praxis. In Unterrichtsbeiträgen lernen die Schüler, sicher vor einer Gruppe aufzutreten, Ergebnisse strukturiert und zielgerichtet vorzutragen sowie auch eine Gruppe handlungsorientiert in einem selbst definierten Organisationsrahmen zu führen. Die Ziele und Inhalte der sportlichen Bildung in diesen Jahrgangsstufen tragen in enger Verflechtung mit der Praxis zur Studierfähigkeit bei. In den Seminaren ergeben sich zum einen wissenschaftspropädeutische oder projektorientierte Vertiefungsmöglichkeiten des Faches. Zum anderen können die Schüler mit der Wahl des Profilfaches Sporttheorie vertiefte sportwissenschaftliche Kenntnisse erwerben.

Hierdurch erhalten sie die Möglichkeit, das Fach Sport als schriftlich-praktisches oder mündlich-praktisches Abiturfach zu wählen. Im Lernbereich Gesundheit und Fitness erfahren die Schüler wesentliche Grundlagen gesundheits- und fitnessorientierter sportlicher Betätigung und deren Bedeutung für die eigene Leistungsfähigkeit und Lebensqualität. Im Lernbereich Fairness und Kooperation werden die Ziele und Inhalte dargestellt, die der Verwirklichung von Fairplay, Teamgeist, Verantwortungsbewusstsein und Konfliktlösungsfähigkeit dienen. Im Lernbereich Freizeit und Umwelt lernen die Schüler den Naturraum ihrer Schulumgebung kennen, wobei sie im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Natur und Umwelt herangeführt werden. Sie lernen, Freizeitangebote im Bereich des Sports einzuschätzen und mit ihrer freien Zeit sinnvoll umzugehen. Im Lernbereich Leisten, Gestalten und Spielen werden sportartübergreifend die konditionellen und koordinativen Fähigkeiten dargestellt, die für die jeweilige Jahrgangsstufe von besonderer Bedeutung sind. Um Erfolge und Misserfolge im Sport einordnen zu können, müssen die Schüler die Zusammenhänge von Leistungsanforderungen, -voraussetzungen, -ergebnissen und -beurteilungen verstehen lernen. Bewegungsmöglichkeiten variantenreich und kreativ ausschöpfen und einsetzen zu können, setzt einen umfangreichen Schatz an Bewegungserfahrungen sowie die Fähigkeit zu differenzierter Körper- und Bewegungswahrnehmung voraus. Unter dieser Sinnrichtung des sportlichen Handelns lernen die Schüler ästhetische Merkmale von Bewegung und Körperausdruck kennen. Dabei erfahren sie auch die Bedeutung und Vielfalt der nonverbalen Kommunikation. Das Spielen lebt im Wesentlichen von der Ungewissheit seines Ausgangs und von der Entscheidungsfreiheit des Einzelnen innerhalb vorgegebener Spielregeln, aber auch vom Anpassen von Spielidee und Spielregeln an unterschiedliche Voraussetzungen der Mitspieler. Hierzu sammeln die Schüler Erfahrungen durch zahlreiche Bewegungs- und Sportspiele in unterschiedlichen Spielräumen und erhalten die Möglichkeit, Spielideen und Spielregeln zu verändern und neue einzubringen. Im Differenzierten Sportunterricht, der in der Regel in sportartspezifischen Interessengruppen erteilt wird, sollen die in den Sportarten des Basissportunterrichts erworbenen Fertigkeiten, Fähigkeiten, Kenntnisse, Einstellungen und Werthaltungen vertieft oder durch neue Sportarten und Sportbereiche erweitert werden. Im Sportförderunterricht werden insbesondere die Lernbereiche Gesundheit und Fitness sowie Leisten, Gestalten und Spielen unterstützt und ergänzt. Er ist vor allem, aber nicht ausschließlich für Schüler gedacht, die in ihrer motorischen Leistungsfähigkeit so gefördert werden sollen, dass sie die notwendigen physischen, psychischen und sozialen Voraussetzungen erhalten, um an den sportlichen Aktivitäten ihrer Mitschüler uneingeschränkt teilnehmen zu können. Dabei sollen auch ängstliche und bewegungsgehemmte Schüler durch individuelle Erfolgserlebnisse an den allgemeinen Leistungsstand herangeführt werden. Die Auswahl der Schüler und die Zusammenstellung von Gruppen mit gleichen oder ähnlich gelagerten Einschränkungen sowie die Durchführung des Unterrichts bedürfen einer engen Zusammenarbeit zwischen Arzt, Eltern und Sportlehrkraft. Darüber hinaus leistet das Fach Sport z. B. bei Bundesjugendspielen, Sportfesten, Schulsportwettbewerben, Schulfesten und Projekttagen einen wichtigen Beitrag zur Gestaltung des Schullebens und damit zur Stärkung des Schulprofils.

Fachprofile

S

Sport

3

Gesundheit und Fitness

Fairness und Kooperation Freizeit und Umwelt

Leisten, Gestalten und Spielen

Differenzierter Sportunterricht

Sportförderunterricht

Beitrag zu Schulleben und Schulprofil

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